Strategisch denken und spannendes Fernsehen

Eigentlich sprechen die folgenden Beispiele aus der englischen Spielshow Golden Balls für sich. Zunächst aber kurz die Regeln – und dann ein kurzer Kommentar mit weiteren Beispielen.

Die beiden Finalteilnehmenden der Show spielen die Verteilung der Gewinnsumme aus, indem sie geheim eine Kugel wählen. Es gibt drei (bzw. vier) Möglichkeiten:

  1. Beide wählen »split«: Die Gewinnsumme wird geteilt.
  2. Person A wählt »split«, B »steal«: B gewinnt das ganze Geld, A nichts.
  3. Beide wählen »steal«: Beide gewinnen nichts.

Die Sendung besteht ganz einfach darin, das Gefangenendilemma in einer Fernsehshow anzuwenden. Hier eine etwas ausführlichere Analyse dazu.

Das Buch »The Art of Strategy« von Avinash Dixit und Barry Nalebuff enthält eine Reihe von weiteren Beispielen, mit denen strategisches Denken anhand von Spieltheorie geübt und veranschaulicht werden kann – eine unterhaltsame Lektüre.

Hier drei davon:

  • Die Autoren haben eine Spielshow beraten, bei der es darum ging, dass übergewichtige Teilnehmende abnehmen sollen. Sie haben vorgeschlagen, dass sie Bikini- bzw. Badehosenphotos im übergewichtigen Zustand machen sollen. Erreichen sie ein vorgegebenes Ziel (z.B. 6 kg in einem Monat abzunehmen), so würden die Photos vernichtet – ansonsten am Fernsehen gezeigt.
  • Warren Buffett hat 2000 vorgeschlagen, das Problem der Parteifinanzierung wie folgt zu lösen. Das Problem, muss man vorausschicken, ist, dass es in den USA für Firmen und Private mit Zahlungen an die beiden Parteien möglich ist, großen Einfluss auf Politik zu nehmen. Diejenigen, die das ändern könnten, sind darauf angewiesen, Parteispenden zu erhalten, um im Amt zu bleiben (und das können sie sehr gut, weshalb sie auch gewählt worden sind) – also will das niemand ändern. Buffetts Plan: Ein Milliardär (wie er selbst) soll derjenigen Partei 1 Milliarde Dollar versprechen, die am meisten Stimmen dafür aufbringt, Parteispenden über 5000 Dollar für illegal zu erklären (egal auf welchem Weg). Egal was die andere Partei tut – für die Demokraten und für die Republikaner ist es besser, für eine solche Gesetzesänderung zu stimmen (sind beide dafür, erhält niemand das Geld, ist nur eine Partei dafür, erhält sie das ganze Geld). Zudem müsste Buffett nichts zahlen – und er hätte bewiesen, dass Geld Politik eben doch beeinflusst.
  • Ein letztes Beispiel: Angenommen, bei einer Prüfungsfrage (die man nicht zu kennen braucht), gibt es folgende Multiple Choice-Antwortmöglichkeiten:
    a) 4π Quadratzentimeter
    b) 8π Quadratzentimeter
    c) 16 Quadratzentimeter
    d) 16π Quadratzentimeter
    e) 32π Quadratzentimeter.
    Welche Antwort ist richtig?
    Die Idee ist, sich in die Perspektive der Fragenden zu versetzen: Die Antwortmöglichkeiten sollten sicher stellen, dass die Antwortenden die Frage wirklich beantworten können und keinen Fehler gemacht haben. Welche Fehler kommen infrage? c) bedeutet wohl, dass jemand π vergessen hat. Die Einheit, Quadratzentimeter, legt nahe, dass es sich um eine Quadratzahl handeln muss, also entweder 4 oder 16. Daraus können wir schließen, dass es um die Fläche eines Kreises geht, entweder mit Radius 2 cm oder mit Radius 4 cm. Weitere Fehlerquellen wäre das Verwechseln von Fläche mit Umfang (2πr) – also Antwort b). Deshalb ist der Radius 4 cm, die richtige Lösung also d).

Auch sehr strategisch hat im übrigen der Mann gehandelt, der in Atlantic City 15 Millionen Dollar beim Blackjack gewonnen hat

3 thoughts on “Strategisch denken und spannendes Fernsehen

  1. hm. das letzte beispiel taugt nichts. das hängt vor allem damit zusammen, wie viel mühe sich der autor der prüfung gibt, plausible fehler in der herleitung der lösung zu machen und wie arglistig er ist. es gibt durchaus leute, welche 3 falsche muster (wie dein PI) einbringen, um die prüflinge zu verunsichern.

  2. Spannender Blogpost! Im Unterschied zum klassischen Gefangenendilemma gibt es hier durch die TV-Übertragung allerdings einen besonderen Effekt: die Angst vor der öffentlichen Blamage. Deswegen würde ich vermuten, dass die „Steal“-Rate hier höher ist als in Experimenten unter „Laborbedingungen“. Vor diesem Hintergrund ist die Strategie von Nick aus dem zweiten Video eigtl, goldrichtig.

    Ich habe selber vor einiger Zeit einmal einen Blogpost geschrieben, in dem ich das „chicken game“ (ein anderes spieltheoretisches Modell) auf die deutsche Bundesregierung angewendet habe. Ein entscheidender Punkt dabei ist der „erste Zug“: wer den ersten Zug macht, kann damit das ganze Spiel möglicherweise entscheidend prägen. Nick macht dies mit seinem forschen Auftritt im zweiten Video.

    Wen mein Blogpost zur deutschen Bundesregierung interessiert:
    http://www.danielflorian.de/2011/06/13/merkel-oder-roesler-wer-ist-das-chicken/.

  3. Pingback: Auftrag 5 | Ergänzungsfach Philosophie

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