Verdienen Lehrerinnen und Lehrer zu viel?

Heute ist in der NAKT, der Neuen Aargauer Kantizeitung Troubadour, ein Text von mir erschienen, der ursprünglich als Teil einer Pro-/Contra-Debatte geplant war. Den Text gibts hier als pdf, ich drucke ihn unten mit einem Link versehen noch einmal ab.

Der Beruf der Lehrerin oder des Lehrers ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Zwei davon sind die vielen Ferien und der hohe Lohn. Beide Vorurteile sind falsch – haben aber einen wahren Kern: Tatsächlich haben Lehrpersonen in Bezug auf ihre Arbeitstätigkeit viel Flexibilität. Sie können zwar nicht anfangs September verreisen, wenn die Strände noch warm sind, der Massenansturm sich gelegt hat und die Preise tief sind – aber sie können es sich erlauben, in einem Jahr sechs Wochen Ferien zu machen. Lehrpersonen können auch mal nachmittags um drei in die Migros. Dafür gibt es Spitzenbelastungen, bei denen auch an Wochenenden keine Freizeit möglich ist. Auf eine Zahl reduziert: Lehrpersonen sind verpflichtet, wie andere Kantonsangestellte 1950 Stunden im Jahr zu arbeiten. Fast alle arbeiten mehr. Sie haben nicht mehr und nicht weniger Ferien als Angestellte in Krankenhäusern, Polizistinnen oder Richter.

Auch der Lohn einer Lehrperson ist angemessen: Er erlaubt es, ein Leben ohne wirtschaftliche Ängste zu führen. Lehrpersonen können sich offensichtlich ein iPhone und einen schicken Wintermantel leisten. Daraus abzuleiten, sie würden zu viel verdienen, ist aber falsch.

Zunächst sind dazu zwei Anmerkungen zu machen: Lehrpersonen sind zwar Kadermitarbeiterinnen und –mitarbeiter des Kantons, immerhin haben Sie auf der Stufe Gymnasium ein vollständiges Master-Studium und einen Nachdiplomabschluss erworben. Dennoch werden ihnen elementare Arbeitsmaterialien nicht von ihrem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt: Lehrpersonen zahlen für ihre Bücher, ihre Computer, ihre Filme und häufig auch für ihre Arbeitsräume selbst – ohne diese Auslagen vollumfänglich von den Steuern absetzen zu können. Mit ihren Löhnen gehören sie gerade zu dem Teil des Mittelstandes, der sämtliche Auslagen ohne staatliche Förderung bezahlt und sein Einkommen recht stark versteuern muss.

Wann ist ein Lohn gerecht? Wann verdient jemand zu viel oder zu wenig?

Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass es bei einem angemessenen Lohn genügend gut ausgebildete Leute gibt, die diesen Beruf ausüben wollen. Das ist an Gymnasien heute nicht mehr in allen Fachbereichen der Fall. Gerade in den Fächern Wirtschaft und Recht, Naturwissenschaften und Mathematik ist der Beruf der Mittelschullehrperson aus finanziellen Gründen wenig attraktiv.

Wenige Maturandinnen und Maturanden, die sich aufgrund ihrer fachlichen und sozialen Kompetenzen für einen Lehrberuf eignen würden, wählen diesen Weg auch. Lehrerin oder Lehrer zu werden scheint keine attraktive Karriereoption zu sein.

Eine Studie von PriceWaterhouseCoopers aus dem Jahre 2010 hat ergeben, dass Lehrpersonen im Vergleich mit gleich gut ausgebildeten Berufen in der Privatwirtschaft deutlich weniger verdienen, bei Mittelschullehrpersonen im Schnitt rund 15% weniger. Der Vergleich ist letztlich ausschlaggebend für die Lohnzufriedenheit in einem Beruf. Er fällt für den Lehrerberuf nicht vorteilhaft aus: Der Lohn ist kein Grund, weshalb jemand Lehrerin oder Lehrer wird. (Um fair zu sein: Es mag Fachbereiche geben, in denen diese Regel nicht ganz gültig ist.)

In den wirtschaftlich starken Jahren stiegen die Löhne im öffentlichen Dienst kaum – in den wirtschaftlich schwachen Jahren gibt es starken politischen Druck, die Lohnkurven nach unten zu drücken.

Die entscheidende Frage ist letztlich die nach der gesellschaftlichen Bedeutung und der Verantwortung von Lehrerinnen und Lehrern: Wenn die Aufgabe angesehen sein soll, wenn sie gesellschaftlich geschätzt und respektiert werden soll, muss der Beruf auch entsprechend entschädigt werden. Berufe mit einem geringen Ansehen sind auch die Berufe mit tiefen Löhnen.

Ums deutlich zu sagen: Jammern müssen wir Lehrpersonen nicht. Im Vergleich mit dem angrenzenden Ausland und im Vergleich mit vielen anderen Berufen ist unsere Situation komfortabel. Aber mit unserer Ausbildung und unseren Fähigkeiten hätten wir die Möglichkeit, in anderen Berufen deutlich mehr zu verdienen. Die beruflichen Anforderungen sind in den letzten Jahren ständig gewachsen: Gesellschaftliche Veränderungen, technische Neuerungen sowie neue Forschungsergebnisse erhöhen die Komplexität des Berufes in jeder Dimension. Am Lohn änderte sich nichts.

 

12 thoughts on “Verdienen Lehrerinnen und Lehrer zu viel?

  1. Nur eine Randbemerkung, die ich mir nicht verkneifen kann: Ich bin zwar keine Lehrerin, aber Mutter eines schulpflichtigen Kindes, und somit kann auch ich (genau wie alle anderen Eltern von schulpflichtigen Kindern) nicht anfangs September verreisen, wenn die Strände noch warm sind, der Massenansturm sich gelegt hat und die Preise tief sind…

  2. Lustig, wie bei manchen manchen (v. a. bei solchen, die sonst immer das Hohelied des freien Marktes singen) in der Debatte um Lehrerlöhne „der“ Verdienst und „das“ Verdienst verschmelzen und irgendwie moralisch argumentiert wird.
    Betrachten wir den Lohn als den Preis der Arbeit, der sich durch Angebot und Nachfrage einpendelt, so sehe ich folgendes:

    Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens, dass Kinder zur Schule gehen müssen und dass der Unterricht dort professionalisert von statten gehen soll. Ferner produzieren die Menschen Kinder. Da diese Kinder nun mal in der Welt sind, ist die Nachfrage nach Lehrpersonal weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen (was sich auch in der vermeintlichen Jobsicherheit niederschlägt).
    All dies kann man den Lehrpersonen wohl schwerlich vorwerfen.

    Die Angebotsseite mag sich von Fach zu Fach stark unterscheiden, aber ich möchte anmerken, dass sich auf unsere letzte Stellenausschreibung (volles Pensum!) kaum eine Handvoll ernst zu nehmende Bewerber gemeldet haben. Zumindest in unserem Fach ist das Angebot stark limitiert.

    Da könnte man glatt zu dem Schluss kommen, ich verdiene zu wenig. Ich glaube ich gehe mal zum Chef aufs Büro (ach nein, bringt ja nichts, bin ja Lehrer… ;).

  3. Eine gute Analyse und ein berechtigtes Anliegen. LehrerInnen sollen anständig verdienen und habe eine anspruchsvolle Aufgabe. Beim wissenschaftlichen Personal an Universitäten sieht die Situation noch schlechter aus: Post-Docs verdienen weniger als ein Mittelschullehrer (wenn sie denn je 100% eingestellt sind); von Doktorierendenlöhnen ganz zu schweigen. Damit erledigt sich auch die Frage, weshalb uns der wissenschaftliche Nachwuchs fehlt.

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  6. Egal, welche Einstellung oder Sorgfalt man zu etwas hat, ein iPad kann immer rurefntallen und/oder kaputt gehen, wenn man es (all)te4glich nutzt. Ein zerscheppertes Display auf 20(?) Kinder in einem Jahr ist wohl mehr als Kollateralschaden abzuhaken

  7. Lehrerinnen verdienen auf jedenfall viel zu viel ,Schaut Euch mal im Ausland um,vor allem Südliches Europa,da sind Lehrerinen ,das was in der Schweiz Hilfsverkäuferinnen sind. Am Schluss der Lohnliste und hier sind sie an der Spitze,Warum ? Steckt das Geld besser in Schulmaterial .

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