iTunes Gutscheine mit Rabatten

Diese Tage gibt es iTunes Gutscheinkarten in der Schweiz mit Rabatt zu kaufen: Bei Manor und Interdiscount sind es 20%, bei der Post waren es gar 30%.

Ich habe mir solche Karten bestellt, mich danach aber etwas gewundert. Darüber, wer denn eigentlich ein Interesse hat, die Karten vergünstigt zu verkaufen. iTunes-Geld ist ja sowas wie eine Währung: Man kann damit eine Reihe von Inhalten bezahlen (Filme, Musik, Apple-Dienstleistungen, Apps, Zeitungen etc.). Die geniale Geschäftsidee von Apple ist ja gerade, dass der iTunes-Store die Leute dazu bringt, im Internet Geld auszugeben – und Apple bei jeder Transaktion verdient.

Die Rechnung sieht so aus: Wenn man etwas im iTunes Store kauft, behält Apple 30% der Preises, 70% geht an das Unternehmen, das die bezahlten Inhalte bereitgestellt hat.

Diese 30% teilt Apple dann bei den Geschenkkarten mit den Verkäufern der Karten, iTunes gibt z.B. Websites, die auf iTunes-Inhalte verlinken, 5% Kommission. 

Das heißt: Bei Aktionen wie den oben beschriebenen verzichtet entweder Apple auf sein Geld oder die Verkäufer der Karten oder gar beide (die Post verschickt die Karten sogar kostenlos und akzeptiert Kreditkarten und Paypal als Bezahlung, wo wiederum ein paar Prozent verloren gehen). Mir erschließt sich nicht, wer an diesen Aktionen ein Interesse hat. (Es gibt sie auch in Deutschland, sie dauern meist recht kurz.) Deshalb habe ich einmal an die Post folgende Mail geschrieben, aber vielleicht hat jemand in den Kommentaren eine Erklärung.

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich habe in Ihrem Shop letzte Woche iTunes-Karten für 70.- statt 100.- gekauft. Mich interessiert, was der Hintergrund dieser Aktion ist.
Konkreter: Haben Sie diese Karten mit Verlust verkauft? Haben Sie sie von Apple günstiger bekommen?
Mir ist klar, dass Sie diese Fragen unter Umständen nicht beantworten dürfen – dennoch brennen sie unter meinen Nägeln.

Mit freundlichen Grüßen,

Philippe Wampfler, Zürich

Update: Am 2. März habe ich eine Antwort von der Post erhalten. Sie hilft mir kaum weiter, meine Fragen zu beantworten:

Diese Aktionen, wie in diesem Fall mit der iTunes Karte, sind spezielle Verkaufsförderungsaktionen in Absprache mit den jeweiligen Anbietern.

4 thoughts on “iTunes Gutscheine mit Rabatten

  1. Hallo Philippe

    Interessante Frage. Ich versuche mal, einige mögliche Antworten zu formulieren. Genaueres weiss ich leider nicht:

    1. Wer Apps für iOS-Geräte oder OSX veröffentlichen möchte, braucht einen kostenpflichtigen Account, der ca. 79 USD kostet. Damit „erkauft“ man sich das Recht, Applikationen im Store anzubieten. (http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_Developer_Connection#iOS_Developer_Program) Wenn man bedenkt, wie viele, auch kleinere Entwickler es gibt, ist das schon mal ein nettes Sümmchen.

    2. Ich bin nicht sicher, welche Währung Apple als Grundlage für die 70% / 30% Ausschüttung nimmt. Eventuell gewinnen sie hier durch Kursgewinne.

    3. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Apple über eine Art „Volume“ Lizenz quasi als Flatrate Multimedia-Inhalte anbieten kann. Jedenfalls dürfte der „Einkaufspreis“ für ein Stück, dass für CHF 1.20 angeboten wird, deutlich tiefer liegen. Wenn der jetzt z. B. bei CHF 1.00 liegt und dann von hier die 70% / 30% Ausschüttung vorgenommen wird, bleiben noch CHF 0.20 übrig (für Apple?) Ich denke, es gibt „zwei Einkaufspreise“. Würde mich nicht verwundern. Irgendwo werden Affiliate Programme, etc. schon einkalkuliert. Nicht umsonst hat Apple jedes Jahr extrem viel Gewinn ;-)

    4. Ich nehme nicht an, dass die Post, Interdiscount oder wer auch immer Apple Produkte verkauft, viel an diesen verdienen kann. Die Margen im IT-Bereich sind extrem tief und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man bei Apple-Produkten als Händler zum Teil einfach auch drauflegt. Kommt dazu, dass Apple unabhängige Händler mit seinen eigenen Apple Stores konkurriert. Aber das ist eine andere Geschichte… Es ist wohl eher so, dass solche Karten als „Service am Kunden“ angeboten werden. Sie sind billiger und schneller zu verkaufen als z. B. ein neuer Computer, für den man mehr Beratung benötigt. So gesehen sind diese „Reseller“ vielleicht einfach auch bereit, diese Karten mit anderen Produkten quer zu finanzieren. (Der Kunde könnte ja mal sonst noch was einkaufen…)

    • Man darf aber nicht vergessen, dass Apple mit dem iTunes-Store automatisch auch viel Aufwand hat: Da gibt es einige Server zu warten und Standards einzuhalten. Die Apps werden ja z.B. genau geprüft – dafür muss man, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nicht mehr bezahlen… 

      Die Idee, dass Apple-Produkte eine Art Werbung für einen Vertriebskanal sein könnten, finde ich nachvollziehbar. Allerdings scheinen mir Credits nicht der ideale Weg, weil grad internetaffine Leute ihre Credits bei der Post bestellen ohne deswegen diesen Vertriebskanal nachher intensiver zu nutzen. Von den 70 Franken müsste doch was bei der Post bleiben – vielleicht sehr wenig, aber immerhin etwas.

      Die Frage, ob Apple bei der Musik nicht 70% des finalen Verkaufspreises weitergibt, scheint mir unklar. Da könnte man sicher einmal ein paar Musiker fragen, die damit Erfahrungen haben.

  2. Pingback: Warum verkaufen Unternehmen Gutscheine? – Und eine Geschäftsidee. | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

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