Eine Art Antwort der Weltwoche

Roger Köppel schreibt im Editorial der morgigen Weltwoche (19. Januar 2012):

Grundsätzlich sind wir gegen politische Einmischungen in die Zeitungswirtschaft. Aber wir haben keine Bedenken, offenzulegen, was wir seit Amtsantritt wiederholen: Die Weltwoche ist im alleinigen Eigentum des Verlegers und Chefredaktors. Es gibt keine anonymen Geldgeber oder Einflussnehmer, wie die grossen Medienhäuser zu betonen nicht müde werden, um einen erfolgreichen Konkurrenten im Markt anzuschwärzen. Wir sind gerne bereit, die Karten auf den Tisch zu legen. Aber selbstverständlich nur, wenn die Lex Weltwoche für alle Zeitungs- und Medienunternehmen in der Schweiz gilt. Alle Zeitungen und Medien sollen ihre Aktionäre und Teilhaber outen, ihre Finanzierungen bekanntgeben, die Kreditbedingungen und Subventionen sowie, wo vorhanden, alle verbindlichen Abmachungen, die Einfluss haben auf die künftige Eigentümerstruktur. Wir sind überzeugt, dass da sehr aufschlussreiche Informationen ans Licht kämen.

Ich lese diesen Schlussabschnitt als Antwort auf meine erste Frage. Die Antwort hieße dann: Es gibt Karten, die man auf den Tisch legen könnte. Die Tatsache, dass die Weltwoche Roger Köppel gehört, ist nicht die ganze Wahrheit.

Die Forderung, dass die anderen zuerst die Karten auf den Tisch legen müssen, scheint für mich dagegen zu sprechen, dass Köppel (wen er mit »wir« meint, ist mir nicht ganz klar geworden) zur Transparenz »gern bereit« ist.

Er wiederholt damit ein ähnliches Spiel, wie das Helmut-Maria Glogger heute im Blick am Abend spielt: Der Tagi-Chefredaktor Res Strehle dürfe nur dann das Nettogehalt von Roger Köppel publizieren (Maurice Thiriet schreibt, es betrage über 400’000 Franken netto), wenn er gleichzeitig auch sein eigenes Gehalt offen lege. Damit müsste wohl auch Glogger selbst sein Gehalt publizieren – und ich meines:

Es wäre doch ganz einfach: Mal mit gutem Beispiel vorangehen. Legen Sie doch die Karten auf den Tisch, Herr Köppel. Nur so setzen Sie die anderen unter Druck.

* * *

Mittlerweile ist es Donnerstag, deshalb muss ich hinzufügen, dass die heutige Weltwoche eine zweite Antwort enthält, und zwar in der Kolumne von Kurt W. Zimmermann. Zimmermann behandelt das Thema Besitzverhältnisse in den Medien konkret und abstrakt. Interessant in ist dabei, dass er ein anderes Gehalt nennt, als Thiriet im Tagesanzeiger:

Zuerst zum Konkreten. Als Roger Köppel 2006 die Weltwoche kaufte, musste er nach meinen Informationen gegenüber dem Verkäufer Tito Tettamanti eine fünfjährige Sperrfrist eingehen, während deren er nicht an Dritte ver- kaufen durfte. Dafür sicherte Tettamanti die Bankkredite ab, weil keine Bank einem Journalisten einfach so zwölf Millionen leiht. Seit 2007 hat Köppel jährlich zwischen ein und zwei Millionen Franken verdient und die Kredite zu gutem Teil zurückzahlen können. Levrat und Darbellay dürften enttäuscht sein: Das Blatt gehört heute seinem Herausgeber. Wenn er jetzt verkaufen würde, läge sein Profit bei etwa fünfzehn Millionen.

Nun zum Generellen. Hier haben für einmal die Populisten recht. Medien können nicht Transparenz bei Dritten verlangen, sich diesem Gebot aber in eigener Sache verweigern.
Medienhäuser müssen heute schon ihre «namhaften Beteiligungen» öffentlich machen, wobei als «namhaft» mehr als rund zehn Prozent des Aktienkapitals gelten. Dieselbe Regelung erscheint auch gegen innen sinnvoll. Ich würde ein Gesetz unterstützen, wonach Medienhäuser all ihre Aktionäre benennen müssen, die mehr als zehn Prozentihres Kapitals halten. Wünschenswert wäre auch Transparenz über Kredite, Aktienrechte und Bürgschaften. Aber das werden die Branchengrössen wie Tamedia, Ringier und NZZ nicht zulassen.
Medien müssen laut sein. Darum brauchen sie keine stillen Teilhaber.

7 thoughts on “Eine Art Antwort der Weltwoche

  1. Pingback: Fragen an die Weltwoche – eine offene Mail | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

  2. Ich halte nicht viel von roger koeppel, muss ihm aber zum teil recht geben.
    Er ist zur zeit nicht verpflichtet, die besitzverhaeltnisse der weltwoche detailliert offen zu legen. Wenn, dann sollten tatsaechlich alle medienhaeuser dazu verpflichtet werden. Das gebietet das gleichbehandlungsgebot. Und das waere nicht: die andern muessen zuerst, dann werden wir auch. Sondern: alle, also muessen wir auch.
    Ein kleiner aber feiner unterschied.

    • Rechtlich stimmt das sicher. Wenn es ein Gesetz geben sollte, dann muss das für alle gelten.
      Aber diese Argumentation gilt nicht, wenn man vorgibt, kein Problem mit einer Offenlegung zu haben. Es gibt ein massives Interesse an dieser Offenlegung. Wenn also nichts gegen sie spricht, braucht es dazu ja kein Gesetz… 

  3. Man kann durchaus der Ansicht sein, dass die Besitzverhältnisse von Medienunternehmen offengelegt werden müssen, damit nachvollziehbar wird, welche Interessen hinter den einzelnen Publikationen stehen. Dies kann durchaus einen Einfluss auf die Berichterstattung haben und somit auf den öffentlichen Diskurs. Aber viel dringender und wichtiger wäre dies für die Finanzierung von Parteien und politischen Kampagnen. Und diesbezüglich tun sich die Herren Parteipräsidenten, die jetzt eine Lex Weltwoche fordern, ja nicht gerade hervor, obwohl der Einfluss auf politische Entscheide dort massiv grösser ist als über irgendwelche Medien.

  4. Ich teile die Meinung nicht, dass man über andere Personen nur Informationen veröffentlichen darf, wenn man diese Informationen auch über sich selbst veröffentlicht. Aber bei einem Journalisten halte ich für fragwürdig, wenn er den Lohn des Chefredakteurs und Verlegers einer anderen Publikation veröffentlicht, aber offensichtlich nicht in der Lage oder willig ist, diese Angaben vom eigenen Chefredakteur und Verleger einzufordern …

    Zimmermanns Angabe verstehe ich übrigens nicht als Lohn von Roger Köppel, sondern als Gewinn – Arbeitnehmer Köppel, Eigentümer Köppel und Unternehmen Weltwoche sind zu unterscheiden.

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