Fragen an die Weltwoche – eine offene Mail

Am 16. Januar 2011 habe ich eine offene Mail an die Weltwoche abgeschickt. Mir scheint, einem Medienunternehmen Fragen zu stellen ist die sinnvollere Vorgehensweise als ein Gesetz zu entwerfen, um Transparenz herzustellen.

An: redaktion@weltwoche.ch.

Sehr geehrter Herr Köppel,
sehr geehrte Redaktionsmitglieder

Als medien- und politikinteressierter Mensch nimmt es mich schon seit längerem wunder, wie der Kauf der Weltwoche durch Roger Köppel finanziert worden ist. Konrad Weber hat diese Frage untersucht und bilanziert (pdf):

Roger Köppel hat einen Preis gezahlt , der deutlich unter dem Marktpreis lag. Oder er muss Konditionen haben, die unter denen liegen, die der Markt sonst fordern würde. Oder er muss eine Bürgschaft oder andere Garantien haben. (Das allerdings hat Köppel nach entsprechenden Behauptungen Roger Schawinskis scharf zurückgewiesen.) Wie auch immer: Der Markt allein reicht für die Finanzierung nicht.

Ich kann seine Überlegungen nachvollziehen, mir aber kein Urteil bilden. Deshalb bitte ich Sie, diese Frage in einer Ihrer nächsten Ausgaben zu thematisieren. Vielleicht gibt es gute Gründe, warum Sie diesbezüglich keine Transparenz herstellen möchten – und ich verstehe diese Gründe nicht.

Dann hätte ich noch eine weitere Frage, die damit nichts zu tun hat: Sie, Herr Köppel, verteidigen die Wehrpflicht in der Schweiz vehement, obwohl Sie selbst – so viel ich weiß – keinen Militärdienst geleistet haben. Warum nicht? Ganz allgemein würde ich einen autobiographischen Essay von Ihnen sehr gerne lesen – und ich denke, ich bin damit nicht allein.

Ich freue mich auf die Beantwortung meiner beiden Fragen und grüße Sie freundlich, Philippe Wampfler

Noch ein Hinweis (nur für die Leserinnen und Leser des Blogs, habe ich nicht per Mail verschickt): Maurice Thiriets Kommentar zu den Besitzverhältnissen bei der Weltwoche. 

Edit 18. Januar 2012: Hier gibt es einen Follow-Up-Post.

7 thoughts on “Fragen an die Weltwoche – eine offene Mail

  1. Um was geht es Ihnen mit der Offenlegung der Finanzierung einer privaten Zeitung wirklich? Ist sie wirklich so marktbeherrschend, dass man sie regulieren muss?
    Ich glaube, Sie wollen die Weltwoche einfach weghaben, weil sie nicht Ihr Weltbild passt.

    • Die Weltwoche passt sehr gut in mein Weltbild: Ich habe keine Illusion darüber, dass viele Menschen in der Schweiz die politische Meinung der Weltwoche teilen. Und glauben Sie mir: Das ist ihr gutes Recht. Ich mag freie Meinungsäußerung und ich mag Meinungsvielfalt. Aber ich interessiere mich wirklich dafür, wie Medien funktionieren. Und wie Meinungen zustande kommen. Interessiert Sie die Antwort auf meine Frage nicht auch?
      Ehrlich gesagt, denke ich, es würde die Weltwoche stärken, wenn sie diese Frage beantworten würde. Heute denken viele Menschen, die Weltwoche sei ein »SVP-Parteiblatt« – ohne dafür einen Beleg zu haben. Transparenz zu schaffen wäre m.E. ein strategisch geschickter Zug.

  2. Pingback: Eine Art Antwort der Weltwoche | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

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  4. Daß Eigentümerverhältnisse nicht offengelegt werden ist kein Einzelfall. Wir erinnern uns, wie es war, als Tamedia die Finanz und Wirtschaft kaufte. Damals tauchte Tamedia ganz lange Zeit nicht offiziell auf. Man hatte Angst, daß das Publikum der FuW vergrault werden könnte, weil die Tamedia zu weit links stehe für eine Wirtschaftspublikation. Wenn man so beobachtet, was bei der BaZ passiert ist, sind solche Befürchtungen – egal ob sie heißen „zu weit links“ oder „zu weit rechts“ – durchaus begründet. Ob man deshalb Treuhänder einsetzen soll oder nicht, ist eine zweite Frage. Doch weder in der Schweiz noch international ist sowas unüblich. Ganz im Gegenteil. Nur wird es selten thematisiert, wie etwa im Falle der FuW-Sache, als Tamedia auf diese Art und Weise dort eingestiegen war. Kein Mensch scheint sich daran zu stören…

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