Soll Besitz geheim sein?

Nur ein kurzer Gedanke im Nachgang oder als Begleitung zur Blocher-BaZ-Affäre: Sollte es ein Recht auf geheimen Besitz geben? D.h. sollte es Möglichkeiten geben, mit denen man verschleiern kann, was einem gehört?

Bevor ich die Frage kurz erörtere, eine Replik auf einen Einwand: Ich will damit nicht sagen, die BaZ oder Teile der BaZ hätten Blocher gehört. Darum geht es mir nicht. Aber offenbar gab es in dem Fall Unklarheit darüber, wem die BaZ überhaupt gehört oder wer jemandem einen Kredit für den Erwerb der BaZ gegeben hat. (Ebenso würde es mich interessieren, woher Roger Köppel den Kredit bekam, um die Weltwoche zu kaufen, siehe dieses pdf.)

Zunächst einmal ist ist Eigentum und Besitz dasselbe – mir gehört das, worauf ich sitze, was bei mir ist und was ich kontrollieren kann. Auf einem Spielplatz sieht man schon ein etwas differenzierteres Modell: Zwar dürfen alle Kinder im Normalfall mit allen Spielsachen spielen, die vorhanden sind – doch nehmen am Schluss alle die mit nach Hause, an denen sie Eigentumsrechte geltend machen können. Wie können sie das? Indem sie sie beschriften. Eigentum ist markiert. Es wäre sinnlos, Eigentum nicht öffentlich als solches erkennbar zu machen, weil man es sonst verlieren könnte.

Monopoly, Flickr: Mike_fleming, CC BY 2.0

Wenn ich mir nun überlege, wie ich Eigentum von mir so erscheinen lassen könnte, dass der Öffentlichkeit unklar ist, ob mir etwas gehört oder nicht, komme ich in eine gewisse Verlegenheit. Ich wüsste einerseits nicht, weshalb ich das möchte – andererseits kann ich mir nicht genau vorstellen, wie ich das machen müsste. Ich müsste etwas z.B. verleihen und den Leihenden anweisen, Eigentumsrechte vorzugeben. Die Überlegung erscheint mir absurd.

Andererseits könnte man sich auf die Privatsphäre berufen. Das Recht auf Privatsphäre ist als Freiheitsrecht gegenüber dem Staat ein Menschenrecht. Art. 12 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte lautet:

Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

Die Frage stellt sich nun, ob zu meinem »Privatleben« auch mein »Privatbesitz« gehört. Letztlich verstößt die Deklarationspflicht von Vermögenswerten bei der Steuererklärung nicht gegen Menschenrechte. Die Privatsphäre lässt sich so interpretieren, dass Eigentumsverhältnisse nicht darunter fallen.

Mein Fazit wäre also, dass das Konzept des Eigentums direkt mit der öffentlichen Information über Eigentumsverhältnisse verbunden sein soll. Es gibt für mich keinen Grund, zu verschleiern, was einem gehört – angenommen, man lebt in einem Staat, welchen Eigentumsrechte schützt

 

10 thoughts on “Soll Besitz geheim sein?

  1. Man könnte auch einfach sagen, dass es viele Leute nicht mögen, wenn andere genau wissen, was sie besitzen und dass es keinen schwerwiegenden Grund gibt, alle Leute dazu zu zwingen, öffentlich zu deklarieren, was sie besitzen.

    Oder haben öffentliche Eigentumsregister irgendeinen utilitaristischen Nutzen?

    Davon abgesehen bin ich durchaus der Meinung, dass der Staat die Eigentumsrechte nur unzulässig schützt.

    • Unzulässig oder unzuverlässig? Weshalb?

      Natürlich: Man kann einfach ein entsprechendes Bedürfnis geltend machen. Aber kann man den Schutz eines Eigentums wirkungsvoll geltend machen, wenn man dieses Bedürfnis hat?

      • Pardon. Ich meinte natürlich unzuverlässig. Und das meine ich einerseits, weil die Verbrechensrate nicht so tief ist wie sie sein könnte, andererseits, weil auch Staatsorgane teils Gewaltakte begehen. Polizeigewalt ist dir ja auch ein Begriff.

        Deine letzte Frage verstehe ich nicht ganz. Meinst du damit, dass sich das Eigentum am besten schützen lässt, wenn öffentlich festgehalten wird, wer genau was besitzt?

  2. Philippe, ich denke Du verwechselst Eigentum mit Macht.

    Du brauchst kein Millionär zu sein um in einem bedeutenden Verwaltungsrat sitzen zu dürfen. Umgekehrt kannst Du Millionär sein und dennoch in keinem Verwaltungsrat sitzen und „mächtige“ Entscheidungen fällen.

    Es braucht nicht eine Deklarationspflicht für Eigentum, sondern für die Machtverhältnisse: Wer hält die Zügel in der Hand? Wer hat welche Kompetenzen um worüber entscheiden zu können? Wer ist mit wem (geschäftlich, familiär, politisch, …) verbandelt? usw…

    Damit stellt sich dann auch nicht mehr der Konflikt bezüglich Privatsphäre.

    Eine vollständige Transparenz erscheint mir eher unmöglich. Der „SVP-Übervater“ ist dabei ein gutes Beispiel: Auf dem Papier ist er nur SVP-Vizepräsident, zusammen mit einigen anderen. Innerhalb „seiner“ Partei übt er aber wohl am meisten Macht aus (das Beispiel einer Partei, egal welcher Partei, illustriert übrigens auch gut, dass grundsätzlich nicht Besitz entscheidend ist, denn eine Partei gehört allen Mitgliedern zu gleichen Teilen).

    Es gibt also auch eine Art „unsichtbare“ Macht, welche nicht so einfach offen gelegt werden kann, dies wohl auch weil diese Macht viel mit Respekt zu tun hat und Respekt keine fassbare Angelegenheit ist…

    • Das stimmt: Vollständige Transparenz ist nie möglich. Machtverhältnisse und Hierarchien entstehen in allen Organisationen oft auch unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle.
      Aber ich meine tatsächlich Eigentum. Natürlich sollen auch Ämter deklariert werden – aber mit interessiert hier etwas anderes. Ich denke, Blochers Einfluss auf die SVP ist auch damit verbunden, dass er der Partei und einzelnen Exponenten sehr viel Geld gegeben hat. (Aber natürlich auch damit, dass er ein charismatischer Mensch und im Umgang mit Macht sehr geschickt ist.)

  3. Sie haben geschrieben: Es gibt für mich keinen Grund, zu verschleiern, was einem gehört.
    Ich persönlich, will nicht, dass jemand weiss, was ich besitze. Ich denke, wenn das alle wüssten, bestünde die Gefahr, dass man nach seinem Reichtum bewertet wird. Somit wäre es schwieriger zwischen „echten Kollegen“ und dem Rest zu unterscheiden.
    Gilt Ihre Aussage auch für das Guthaben auf der Bank, Aktien und so weiter? Ich finde, dass es niemanden etwas angeht, wo und wieviel Geldanlagen man hat, z.B bei der BaZ (ausser vielleicht bei der Steuererklärung).

    • Rein theoretisch argumentiert: Wie können Sie beweisen, dass etwas Ihnen gehört, wenn Sie das Eigentum geheim halten?
      Ginge es darum, ein Recht zu haben, zu bestimmen, wonach man bewertet wird, so müsste man auch sein Aussehen, seinen Beruf, seine Sprache etc. geheim halten können. Ich denke nicht, dass das sinnvoll wäre – und verstehe auch nicht, woher die Angst einer »Bewertung« rührt. Ich werde ja nicht falsch bewertet, sondern der Realität entsprechend.
      Warum geht es eigentlich niemanden etwas an, wie viel Geld man auf der Bank hat? Ich meine, das sagt man schnell, weil man sich daran gewöhnt hat. Aber warum wäre es so schlimm, wenn alle wüssten, wie viel Geld die anderen auf der Bank haben?

      • @ Philippe
        Wenn Dir jemand sagt, dass er Müllmann ist, dann bist Du vielleicht in der Lage, ihn nicht anders zu behandeln als wenn er sagen würde, dass er Chefchirurge am Uni-Spital Zürich sei. Aber viele andere machen dennoch einen Unterschied und – seien wir ehrlich – uns allen gelingt es auch nicht immer, keinen Unterschied zu machen.

        Darum wäre es manchmal vielleicht besser, wenn wir gewisse Dinge nicht voneinander wissen, sei es nun der Beruf, den Zivilstand, Trinkgewohnheiten – oder eben das Vermögen.

        Es ist genau das, was ich so toll an Pseudonymen im Internet finde: Sie erlauben, dass von A wie Anlageberater bis Z wie Zuhälter alle auf der gleichen Ebene diskutieren. Sobald aber mehr über eine Person bekannt ist, kommen einerseits Vorurteile, andererseits aber auch Respekt hinzu. Mit letzterem meine ich, dass der eine oder andere sich nicht zu äussern wagt, weil er weiss, das ihm gegenüber die Persönlichkeit XYZ steht.

        Darum: Ja, es gibt gute Gründe, dass nicht immer alle alles wissen müssen. Dazu gehört auch das Vermögen, dessen Offenlegung allein ja auch nicht immer zu einer Offenlegung der tatsächlichen Machtverhältnisse führt. Und umgekehrt müssten die, welche etwas Vermögen haben, sich ständig rechtfertigen müssen, dass sie trotz Vermögen nicht Macht ausüben…

      • Ich verstehe das so: Es soll soziale Kontexte geben, in denen gewisse Eigenschaften oder Fähigkeiten keine Rolle spielen. Also z.B. das Internet, wo mein Körper keine Rolle spielt, der Sportclub, wo mein sozialer Status keine Rolle spielt etc.
        Dem kann ich zustimmen. Globale Transparenz ist wahrscheinlich nichts Wünschenswertes. Aber in gewissen Kontexten spielt eben mein Besitz eine Rolle. Und ich verstehe nicht, warum er global geheim gehalten werden soll.
        Zudem geht es mir um einen grundsätzlichen Widerspruch: Wie ist es überhaupt möglich, Eigentum oder Besitz geheim zu halten? Angenommen, ich lebe in einer primitiven Gesellschaft und besitze 10 Schafe, von denen ich nicht will, dass jemand weiß, dass sie mir gehören. Dann ist dieser Wunsch doch gleich bedeutend mit der Eigentumsaufgabe: Wenn die 10 Schafe nämlich irgendwo grasen und es nicht klar ist, wem sie gehören – dann gehören sie niemandem. Durch welche Techniken und Bemühungen wird es möglich, dass Eigentum gleichzeitig markiert und gleichzeitig geheim gehalten werden kann?

      • Zu Deiner Frage „Wie ist es überhaupt möglich, Eigentum oder Besitz geheim zu halten“: Frag das unsere Banken, den die machen ja genau das.

        Du kannst den 10 Schafen auch eine ID aufdrucken, die nur Du kennst (oder darauf hoffen, dass die Schafe Dich wiedererkennen, sobald sie Dich sehen :-) ).

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