Anonymität im Internet – es gibt sie immer noch nicht…

Wer denkt, im Internet anonym publizieren oder lesen zu können, muss sich seiner Sache sehr sicher sein. Wenn Amateure wie ich das versuchen, klappt es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht.

Ich bin kein Freund von Facebook-Panik. Es ist nicht für alle möglich, im Internet alles herauszufinden. Es ist auch nicht schlimm, das eine oder andere Bild in Facebook reinzustellen und man darf auch mal einen Kommentar abgeben, den man so nicht auf sein Bewerbungsdossier drucken würde.

Dennoch sollte man generell nicht davon ausgehen, dass man anonym ist. In dieser Meinung haben mich diese Woche zwei Beispiele bestärkt, die ich kurz zusammenfassen möchte:

  1. Unser Computer und unser Browser hinterlassen im Netz eine Art »Fingerabdruck«. Er entsteht dadurch, dass der Browser viele Informationen (Bildschirmauflösung, installierte Plugins etc. ans Internet übermittelt). Viele Konfigurationen sind so einmalig, dass sie zur Identifikation verwendet werden können. Hier kann man seinen Browser testen – meiner ist unter den knapp 2 Millionen getesteten einzigartig.
  2. Ein Autor von Wired hat innert Minuten von 50 anonymen Blogs 7 Autoren identifiziert, die teilweise sensible Themen bearbeitet haben. Er konnte dies, weil die Blogs ihre Statistiken via Google überprüft haben (Details im Artikel).
Ich denke nun nicht, dass die beiden Beispiele erschöpfend sind. Sie sollen einfach zeigen, dass es immer wieder neue Methoden gibt, mit denen man User identifizieren kann. Wer sich anonym im Netz bewegen will, hat immer weniger Möglichkeiten.

Hier gibt es eine gute Anleitung, wie man verhindern kann, dass beim Surfen Daten über einen gesammelt werden. Generell sollte man wohl in die Bibliothek gehen, wenn man wirklich anonym bleiben will.

15 thoughts on “Anonymität im Internet – es gibt sie immer noch nicht…

    • Diese Tor-Geschichte? Davon verstehe ich wenig. Meines Wissens sind da ja einfach bestimmte Inhalte gespeichert, man kann von da her nicht aufs öffentliche Netz zugreifen.
      Tor ist aber auch eine Form von Anonymisierung. Es gibt ja schon Wege (Proxies etc.) um sich anonym zu verhalten – ist aber eher was für Profis… 

      • Profi muss man nicht gerade sein, aber etwas tiefer sich mit dem Thema befassen schon. Man kann aus dem Tor-Netz auf das öffentliche Netz zugreifen, es gibt ja eigentlich nur das eine Öffentliche. Allerdings sind gewisse Ports gesperrt (teilweise für Video-Streaming) und die Performance ist teils lausig. Aber diese Netze helfen z.B. iranischen Bloggern einigermassen unerkannt zu bleiben. Wobei Abhijit Bossotto hat recht die absolute Anonymität ist mit Proxies nicht zu erreichen aber es macht es den Spezialisten schwierig. Es gibt aber immer noch die Möglichkeit ein offenes WLan zu finden, das gibt es tatsächlich immer noch ab und zu … ;-)

      • What Steimi said.
        Zusätzlich: Hier https://www.torproject.org/projects/torbrowser.html.en gibt es ein Tor&Browser-Bundle, bei welchem so gut wie gar keine Möglichkeit besteht es falsch zu verwenden oder zu installieren – auch für N00bs („Diese Tor-Geschichte?“). Soweit ich weiss, gründeten die tatsächlichen Anonymitätsleaks von Tor meistens auf falschen Browsereinstellungen, was nun mit dem bereits konfigurierten Browser verhindert werden kann. Dann wurde eine Diskussion über Leaks entlang der von Steimi erwähnten grundsätzlichen Unmöglichkeit des Gewährleistens absoluter Anonymität über Proxyserver geführt. Die hiervon abgeleitete konkrete Gefahr bestünde aber ziemlich ausschliesslich in der Erscheinung grossflächiger böser Node-Netze, die Potential in sich bärgen, derlei grosse Mengen des Tor-Datenverkehrs über sich abzuspulen, dass die Datenmenge ausreicht um nach Auswertung Rückschlüsse auf User zu machen. Andere Schwachstellen bzw. deren Ausnutzung und Überwindung hatten, soweit ich das ein wenig mitgekriegt zu haben meine, immer eher den Anschein von Laborproblemen, welche v.A. von akademischen Interesse sind. Solange also kein Grund zur Annahme einer evil corporational schurkenstaatlichen scientological Infiltrierung besteht, lässt sich mit Tor sicher und anonym und auch einfach surfen..? (Grund zur Annahme gäbe es hierfür natürlich genug. Meine Deep-Web-CIs meldeten aber gerade, dass die Luft nicht weniger rein sei als sonst (kA, sehe aber wirklich allgemein wenig Tor-Kritik oder etwas wie Leak-Opfer-Stellungsnahme))

        Selbstverständlich ist Surfen mit dem Torbrowser etwas deprimierend und auch langsam. Aber in die Bibliothek geh ich noch lange nicht!!1

        Womöglich liess sich den Zeilen bereits entnehmen, dass ich Tor solid finde, gute Erfahrungen damit gemacht habe und für unterstützenswert halte. Given the fact, dass so far die einzig relevante, dem System inhärente Bedrohung die Ausgeliefertheit gegenüber einem grossen Überwachungs-Exitnodenetz ist, erscheint doch in Anbetracht der Einfachheit der Massnahme, welche zur Gefahrenminimierung durchgeführt werden kann, Tor mitnichten potentiell stabil und nachhaltig! Einfachheit der Massnahme: Grossen, bedrohlichen Exitnode-Netzen müsste Exitnode-Gegengewicht geboten werden.
        Macht dieses ansehnliche Lehrbuchbeispiel eines *direkten Zusammenhangs* nicht gleich Lust, sich mit einer eigenen TorNode zu beteiligen und Tor stabiler zu machen?

  1. Hinweis: ipv6 kommt mit einer sog. Privacy Extension daher, bei der bestimmte Teile der Adresse bei jeder Aktivierung der Netzwerkschnittstelle völlig neu erzeugt werden. Allerdings ist dies nicht bei allen Betriebssystemen standardmäßig aktiviert.

  2. Grundsätzlich sollte man sich m. E. vom Gedanken verabschieden, dass man überhaupt anonym sein kann. Irgendwo gibt es immer einen Tracker oder ein Server, der irgendwelche Daten über mich und mein Verhalten aufnimmt. Die unzähligen Möglichkeiten, z. B. über mehrere Proxies zu gehen, erschweren das ganze nur, sie machen es nicht unmöglich, die Herkunft herauszufinden (an irgend einen Server wird die Anfrage ja geschickt…)

    Ich glaube, in unserer heutigen Zeit ist vollkommene Anonymität leider nicht mehr möglich. Das würde höchstens gehen, wenn man irgendwo abgeschottet auf einer Insel leben würde, ganz ohne Technik. Aber diese Insel hat Google Earth bestimmt auch schon erfasst :-)

  3. Ob man die vollkommene anonymität je erreichen kann ?? Auch wenn es technisch machbar wäre. Es ist zu viel Mensch im Spiel. Menschen machen Fehler. Wie auch immer, man kann versuchen es den Verfolgern und Profilerstellern möglichst schwer zu machen. Auf der Webseite http://anondat.com kann man viel Hintergrundwissen sowie Tips und Tricks nachlesen.

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