Die Lohndebatte ist eröffnet – Wer verdient wie viel?

Die Berner Zeitung berichtet heute über das Lohnsystem beim Bund: »Wer beim Bund wie viel verdient«.

Das sieht dann so aus:

Dazu schreibt Mischa Aebi dann beispielsweise:

Wer beim Bund einfache Putzarbeiten erledigt, wird in der Lohnklasse 1 ein eingeteilt. Sie sieht ein Lohnmaximum von 4600 Franken vor. Dieses erreicht man beim Bund relativ schnell (siehe Kasten): 50 Prozent aller Bundesangestellten sind bei ihrem Lohnklassenmaximum angelangt.

Gegenüber einem Putzmann oder einer Putzfrau in der Privatwirtschaft ist das ein guter Lohn: Gemäss Gesamtarbeitsvertrag für Putzpersonal in der Privatwirtschaft liegt der Minimallohn für einen 48-jährigen ungelernten Raumpfleger mit mehr als sechs Dienstjahren bei gerade mal 3194 Franken – also über 1400 Franken tiefer. Man kann davon ausgehen, dass kaum ein privates Putzinstitut seine Mitarbeiter weit über dem Minimum des Gesamtarbeitsvertrages entlöhnt, sofern es sich nicht um eine höher qualifizierte Putzarbeit handelt.

Mit etwas Recherche findet man heraus: Beim Bund liegt der Anfangslohn bei 44’100 Franken pro Jahr, also bei 3392 Franken pro Monat. Das sind 200 Franken mehr, als der Gesamtarbeitsvertrag vorschreibt.

Die Annahme, beim Bund würde das Putzpersonal automatisch den Maximallohn erreichen, während in der Privatwirtschaft nie mehr als der Minimallohn bezahlt werden, ist eine reine Spekulation.

In diesem Geiste ist der ganze Artikel geschrieben: Es werden maximale Bezüge der jeweils höchsten Lohnklassen aufgelistet – mit denen dann alle LeserInnen ihren Lohn vergleichen und sagen können: »Wer bei KMUs arbeitet, verdient schon deutlich schlechter.«

Der VPOD schreibt hingegen in einer Medienmitteilung (pdf):

Während in der Schweiz verglichen mit 1991 insgesamt die Löhne real um 7 % angestiegen sind, erhielt das Bundespersonal gleichzeitig nur etwa 3 %. Wegen wiederholter Bundessparprogramme müssen immer weniger Angestellte immer mehr Arbeit leisten. Der Arbeitsstress wächst und die Wertschätzung nimmt ab.

So auch Peter Stämpfli auf Twitter:

Interessant wären im Anschluss daran zwei Punkte:

  1. Dass KMUs ihre Lohntabellen veröffentlichen und so die Transparenz herstellen, die beim Bund seit Jahren Standard ist.
  2. Saubere Vergleiche angestellt werden, welche in Bezug auf Qualifikationen, Arbeitserfahrung, Alter, Arbeitsbedinungen und Arbeitsorten übereinstimmen.

So betreibt Tamedia letztlich auf eine perfide Art und Weise Stimmungsmache gegen Bundesangestellte – und damit generell Stimmungsmache gegen die Anliegen von ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften.

Wünschenswert wäre aber Transparenz in Bezug auf Löhne. Sprechen wir darüber – erzählen wir Freunden und Bekannten, wie viel wir verdienen, was wir dafür tun müssen – und fragen im Gegenzug auch, wie viel sie denn verdienen…

Nachtrag: Der Beobachter bietet einen Lohnrechner an, mit dem man den eigenen Lohn mit den Daten von über 100’000 anderen SchweizerInnen vergleichen kann. Anonym…

6 thoughts on “Die Lohndebatte ist eröffnet – Wer verdient wie viel?

  1. Die Spekulation, beim Bund würde das Putzpersonal automatisch den Maximallohn erreichen, während in der Privatwirtschaft nie mehr als der Minimallohn bezahl werden, ist eine reine Spekulation.

    Ersteres ist keine Spekulation, da es beinahe unmöglich ist, keine jährliche Lohnerhöhung zu erhalten. Letzteres hingegen entspricht häufig der Arbeitswirklichkeit, denn wieso sollte ein Arbeitgeber für eine austauschbare Leistung mehr bezahlen, gerade auch angesichts des Lohndruckes durch die Personenfreizügigkeit?

    • Ich kann die Überlegung schon nachvollziehen. Als Arbeitgeber würde ich erfahrenes und gut arbeitendes Personal lieber etwas besser entschädigen als solches, das ich neu einstellen müsste – um in der Überlegung zu bleiben. Aber es ist keine fundierte, durch Recherche belegbare Aussage. Wir denken, es könnte so sein, ja. Aber wir wissen es nicht.

  2. Transparenz sehe ich als eigentliches Thema – leider verzichten viele Arbeitnehmer von sich aus auf Transparenz und schaden sich selbst … dabei kann man von Managern lernen, dass sich Transparenz im Bezug auf die Arbeitsbedingungen in bessern Arbeitsbedingungen niederschlägt. Genauso verzichten viele Arbeitnehmer darauf, sich zu organisieren – ich verstehe die Abneigung gegen die linkslastigen, politisierten und trägen Apparate der grossen Gewerkschaften, aber wieso nicht selbst eine Fachgewerkschaft gründen und gemeinsam die Arbeitsbedingungen verbessern?

    Bei Letztem helfe ich übrigens gerne weiter. Ich mag es, Arbeitnehmern Verhandlungsmacht zu verschaffen … :)

  3. Sehr schöner Post. Aber ich denke, der Bund sollte durchaus ein vorbildhafter Arbeitgeber sein, wie auch Kanton und Gemeinden, und die besten Standards einhalten, an denen sich andere orientieren sollen. Der öffentliche Sektor kann es sich nicht leisten ausbeuterische Löhne zu bezahlen. – Auf transparente Offenlegung der Löhne von KMUs und grossen Konzernen wäre ich auch gespannt. Ich habe letztes Jahr 113’000 Franken versteuert. Habe das einem Kollegen gesagt, der sich überlegte, als Quereinsteiger von der Energiewirtschaft ins Lehrerdasein zu wechseln. Er musste nur müde lächeln, er überlegt es sich nicht mehr. Dabei dachte ich, das sei sehr viel Geld…, wieviel er verdient hatte er grad nicht mehr präsent.

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