Was ist eigentlich das Problem mit der SP?

Zuerst ein Disclaimer: Ich bin nicht Mitglied der SP, wähle nicht nur SP und habe eine Reihe politischer Haltungen, die sich nicht mit den offiziellen SP-Positionen decken. Ich mache auch keine Werbung für die SP.

* * *

Wenn man sich vor den Wahlen so umhört, hat man den Eindruck, es gäbe für Leute wie mich ein Problem, die SP zu wählen. Ich meine damit gebildete, offene, urbane, vernetzte, ethisch reflektierende Menschen.

Ich verstehe das Problem nicht. Man mag politisch andere Ansichten als die SP haben: Eine große Armee wichtig finden, den Umgang mit Schwarzgeld moralisch vertretbar, Repression ein taugliches Mittel, auch um Migrationsprobleme zu lösen – oder staatlich verordnete Bildung, Solidarität und Fairness eine problematische Freiheitsbeschneidung. Man kann auch das politische Programm der SP untauglich finden. Oder ihre PolitikerInnen inkompetent.

Mein Eindruck ist aber, dass es nicht darum geht. Vielmehr überlegen sich Leute, wen sie wählen sollen, die – rational überlegt – gerade die SP wählen müssten. Das aber nicht wollen. Und ich frage mich: Warum eigentlich nicht?

10 thoughts on “Was ist eigentlich das Problem mit der SP?

  1. die sp ist immer intelektueller und elitärer geworden. die menschen, für diejenigen sie eigentlich politisieren sollte, verstehen nicht mehr, was die sp sagt. im gegenzug versteht die sp auch nicht, was ihre basis sagt. der parteileitung wurde das bei den letzten umfragen zur ausschaffungsinitiative bewusst. ein grosser teil der basis sprach sich für den gegenvorschlag, etliche aber auch für die initiative aus. bis zur publikation dieser ergebnisse hatte die sp keine ahnung von dieser entwicklung.

    das selbe gilt für den eu-beitritt, den sie im parteiprogramm verankerten. wer kann in der aktuellen situation noch wirlich ernsthaft einen eu-beitritt anstreben?!

    und zuletzt sei noch das personalien-klische erwähnt. die meisten exponenten der sp sind ewige studenten, vollberufspolitiker oder lehrer. alles leute, die nie in der privatwirtschaft gearbeitet haben und die sorgen der meisten leute am eigenen leib gespürt haben.

    das ergibt folgendes ergebnis: die sp kann man nicht wählen weil sie komplett an der realität vorbeipolitisiert.

    • Das mögen Gründe sein, die den Schwund des Wählerpotentials der SP erklären können. Die Menschen, die ich meine, haben damit wohl kein Problem: Sie lehnten auch den Gegenvorschlag ab, finden die EU kein allzu schlechtes Konzept und erwarten von fähigen PolitikerInnen nicht, dass sie in der Privatwirtschaft gearbeitet haben. Im übrigen sehe ich nicht auf vielen Listen HandwerkerInnen – bei der SP aber schon.

  2. Zu weit links? Ein Tick zuviel Staatsgläubigkeit?
    Ich würd ja lieber was zwischen Mitte und Links wählen, aber die Grünliberalen sind in der Sozialpolitik unbrauchbar…

  3. die sp ist eine unverzichtbare politische kraft. die sich in kantonen, in der sie in die regierung eingebunden ist (ähnlich auf bundesebene) zuweilen gebährdet, als müsste sie die bürgerlichen hardliner mit bürgerlichen programmen übertrumpfen. also ganz bestimmt nicht zu links politisiert. jedenfalls werde ich sp-politiker, welche den oben erwähnten gegenvorschlag unterstützt haben, ganz bestimmt nicht mit meiner stimme belohnen. für alle anderen gilt: strengt euch an bis am 23 oktober.
    @limi: kann mir nicht vorstellen, dass du je sp gewählt hast.

  4. Ich gehöre wahrscheinlich zu jenen Typen, die du meinst, auch wenn ich schlussendlich doch eine SP-Listennummer setzen werden. Ich werde auch alte Männer wählen, wenn es mir sinnvoll erscheint. Aber auf meiner Liste werden auch etliche Leute anderer Listen sein.
    Die SP hat in meinen Augen ein zu abstraktes Programm ( Die FDP übrigens auch). Es fehlt etwas handfestes, etwas das den Durchschnittsbürger anspricht.
    Ein Rezept aus dem Aermel schütteln kann ich hier auch nicht, aber ich glaube die SPler sollten mehr auf den Markt gehen und ihre Leistungen unter die Leute bringen. Sei es, dass man einen Kindergarten gerettet hat oder eine Buslinie in ein Altersheim betreibt oder was auch immer. Vor allem müssten es Leistungen für alle sein – so ist ja auch der Wahlspruch der SP.

  5. Zur SP kommen mir Bilder von Heerscharen an unterdrückten Fabrikarbeitern in den Sinn. Nur gibt es diese Wählerschaft gar nicht mehr – und jene die diesem Bild am nächsten kommen wählen (aus Bildungsmangel?) lieber SVP.
    Ist es bei der SP nicht ähnlich wie bei den Kirchen? Die eigentliche Basis, die eigentliche Klientel stirbt langsam aus. Jene von dir angesprochenen „gebildete, offene, urbane, vernetzte, ethisch reflektierende Menschen“ sind doch eine verschwindend kleine Gruppe, welche kaum ein Gewicht bei Wahlen haben (ja klar, als Meinungsmacher haben sie in den Zeitungen schon ein gewisses Gewicht).
    Auch denke ich bei der SP sofort an den unsäglichen Beamtenstaat Deutschland – wo alles und jedes gesetzlich geregelt ist, wo Amt und Wirtschaft unendlich weit von einander entfernt sind. Mehr als einmal habe ich von Selbstständigen gehört:“Von zehn Schweizer Beamten hast du mit einem ein Problem – üblicherweise findet man eine für beide Seiten gangbare Lösung; von zehn Deutschen Beamten aber hast du mit neun ein Problem – die Beamten pochen in der Regel stur auf ihre Paragraphen“.
    Beide Aspekte (Fabrikarbeiter-Klientel und Bürokratenstaat) sind nur emotionale Bilder und entsprechen (hoffentlich) nicht den Bemühungen der realen SP. Aber die Bilder und Emotionen sind in den Köpfen – auch bei mir – drin.

  6. Weil die SP wirtschaftsfeindlich und realitätsfremde Vorschläge bringt. Begrüssenswert ist ihr Einsatz für eine bedürfnisorientierte Armee (oder zumindest gegen die masslose Geldverschwendung im Falle der Kampfflugzeuge). Weiter stossen mich „Polteris“ wie Wermuth ab, denen es mehr um Eigenprofilierung und Lautstärke geht (siehe seine Facebookpostings, die oft das Niveau von SVP-Provokationen streifen), statt um konkrete, REALITÄTSBEZOGENE Lösungsansätze für Probleme dieses Landes.

    • Wermuth ist ein Politiker, der ein Spiel mitspielt, das der Politik letztlich schadet – da bin ich völlig einverstanden. Aber solche Köpfe gibt es in jeder Partei in der einen oder anderen Form.
      Darf ich nachfragen: Welche (konkreten) Vorschläge der SP halten Sie für realitätsfremd?

    • Zusatz: Ich als junger Mensch habe Interesse an zukunftsträchtigem Ressourcenumgang und einer weitvorausschauenden Wirtschaftspolitik, von der schlussendlich neben der momentanen Arbeitssituation auch die zukünftige AHV abhängig ist . Die SP setzt sich in Umweltfragen zwar gegen Atomkraft ein, bietet jedoch selbst keine REALISTISCHEN Lösungen, wie sie denn ersetzt werden könnte. Wirtschaftlich würde mich der Fokus auf wirkliche Probleme (realistische Eindämmung des Finanzmarktwahnsinns, auch wenn hier eine globale Lösung vonnöten ist, beispielsweise eine Transaktionssteuer und ein Verbot von kurzfristiger Währungswetten) mehr interessieren, als Polemik im Stile der 1/12-Lohninitiative (Die realitäts- und märktefremder kaum sein könnte). Deshalb ist für mich die SP nicht wählbar für mich.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s