Warum ich keine alten Männer wähle.

63% des Nationalrates waren 2007 über 50 Jahre alt – und mehr als 70% des Nationalrates sind Männer. Wenn man das überschlägt, kommt man zum Schluss, dass über 40% des Nationalrates aus alten Männern besteht. (Man entschuldige meine saloppe Verwendung des Adjektivs »alt« – ich meine hier genauer: älter als 54.) Die genauen Daten könnte man hier abrufen, leider funktioniert diese Filtersuche bei mir nicht.

Ich habe nichts gegen alte Männer und viel gegen Pauschalurteile. Niemand ist ein schlechter Politiker, weil sein Jahrgang kleiner als 1960 ist. Und niemand ist ein schlechter Politiker, weil er ein Mann ist. Aber die Männer dieser Generation(en) argumentieren aus einer privilegierten Position: Sie sind sich gewohnt, beruflich und politisch bestimmen zu können. Mehr Gewicht zu haben als Jüngere und mehr Gewicht zu haben als Frauen. Sie konnten sich auf einen lebenslangen beruflichen Aufstieg verlassen, kommen und kamen in den Genuss großzügiger Sozialleistungen und konnten Militärdienstage als Networking und Karrieregarantie nutzen. Kurz: Sie laufen Gefahr, die Welt in der sie leben, zu idealisieren, weil sie zu denen gehören, die es am besten haben. Und sie laufen auch Gefahr, sich selber zu überschätzen, weil sie von außerordentlich guten Bedingungen profitieren konnten, die sie selber nicht geschaffen haben.

Politische Arbeit muss auch von Menschen gemacht werden, die diesen Hintergrund nicht teilen. Die erlebt haben, was es heißt am Rande der Gesellschaft zu stehen, beruflich, finanziell, familiär unter Druck zu stehen. Das sind jüngere Menschen und weibliche. Und die werde ich deshalb dieses Jahr wählen. Und mir wünschen, dass die Schweiz es schafft, 40% Frauen zu wählen.

19 thoughts on “Warum ich keine alten Männer wähle.

  1. Deine Argumentation Philippe kann ich nicht teilen. Es ist wieder einmal eine typisch linke Position, wenn man älteren Leuten politische Rechte entziehen möchte, weil diese angeblich mehr Vermögen und Geld haben. Ich halte diese Argumentation für abstrus und falsch. Erstens gibt es auch ältere Menschen die weniger Vermögen haben und arm sind und jüngere Menschen wie Carl Hirschmann, die viel Vermögen haben und reich sind. Zweites ist man immer so alt wie man sich fühlt. Irgendwo habe ich irgendwann gelesen, dass Leute, die 15 Jahre älter sind, als Alt empfunden werden. Dass heisst, dass für den 15 Jährigen bereits der 30 Jährige alt ist und für den 30 Jährigen der 45 Jährige alt ist usw. Ich halte dieses subjektive Empfinden für relativ.

    Somit halte ich natürlich auch Alterslimiten für politische Ämter oder Berufe für falsch. Sie werden der persönlichen Biographie und der Verfassung eines Menschen nicht gerecht. Solange sich jemand gut fühlt und er seinen Job richtig macht, soll er sich solange für die Allgemeinheit einsetzen dürfen wie ihm das gefällt. Jemanden aufs Abstellgleis zu schicken weil er eine bestimmte Altersgrenze überschritten hat, ist unmenschlich und totalitär. Zudem können wir es uns in einer Gesellschaft, die überaltert gar nicht leisten. Es wäre sogar dumm, auf das Wissen und die Erfahrung von älteren Mitmenschen freiwillig zu verzichten. Ausserdem gehören ältere Menschen zu unserer Gesellschaft und ein demokratisches Recht mitzubestimmen.

    Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Menschen, die aktiv sind und sich über Generationen hinweg mit verschiedenen Menschen abgeben gesünder sind, fitter sind und länger Leben. Willst du Philippe uns ein besseres und aktiveres Leben vorenthalten nur weil wir älter werden?

    • Ich will niemandem Rechte entziehen und plädiere auch nicht für eine bestimmte Alterslimite – obwohl ich eine solche für Exekutivämter durchaus für diskutierenswert halte, aber aus anderen Gründen.
      Ich wähle niemanden, um dieser Person ein längeres Leben zu ermöglichen. Sondern ich wähle Menschen, die dafür sorgen, dass es den Menschen in der Schweiz wohl ist und die sich mit den Sorgen der SchweizerInnen auskennen und sie nicht ausnützen.
      Und ich schreibe niemandem vor, wie er oder sie zu wählen hat. Ich präsentiere hier meine Überlegung – im Wissen darum, dass andere andere machen. Und das ist gut so.

  2. Nochwas Philipp, was ist eigentlich mit alten Frauen? Frauen wie Susanne Leutenegger-Oberholzer wählst du dann trotzdem? Es ist sexistisch, wenn man Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert oder bevorzugt. Genau das tust du mit deinem Beitrag aber. Siehe auch Titel. Auch so eine typisch linke Position, trifft das Klischee eines linken Mannes jedenfalls zu 100%.

    • Ich bevorzuge Frauen aus zwei Gründen:
      1.) Sind sie im Nationalrat im Vergleich zur Bevölkerung untervertreten.
      2.) Haben sie in den letzten Jahrzehnten sozial die unbequemere Position gehabt als Männer – und haben sie in meiner Einschätzung noch heute.
      Ich wohne nicht im Kanton Baselland, deshalb stellt sich mir diese Frage nicht.

      • In der Schweiz leben mehr Frauen als Männer. Der Frauenanteil beträgt 50.7%. Kann hier nachgelesen werden: http://goo.gl/veR4R

        Bezogen auf die Bevölkerungszusammensetzung haben Frauen also genau die gleichen Chancen gewählt zu werden wie Männer. Dies selbst dann, wenn Männer keine Frauen wählen würden.

        Es gibt meiner Ansicht nach andere Gründe weshalb die Frauenquoten in Exekutivpositionen und in der Politik tiefer sind. Einerseits müssen Karrierefrauen oft zwischen Kindern und Karrriere wählen. Dies weil die Anforderungen an Führungskräfte höher ist als an einfache Angestellte. Andererseits dürfte es auch daran liegen, dass Frauen harmoniebedürftiger sind als Männer. Politik und Führungspositionen sind jedoch alles anderes als Streichelzoos. Man muss einstecken können und eine dicke Haut haben.

        Ich bin strikt gegen Quoten. Wer fähig ist, der braucht keine Quoten. Mir ist das Geschlecht von Kandidaten egal. Ich wähle Leute, die fähig sind und meine Meinung vertreten.

        Die haltlose Behauptung, dass Frauen in den letzten Jahrzehnten eine unbequemere Position inne hatten bestreite ich mit Nachdruck. Männer werden gerade bei Sorgerechtsstretigkeiten systematisch benachteiligt. Der jüngste Streit um die Erhöhung des Unterhaltsgelds der SP-Nationalrätin Chantal Galladé zeigt, wie viele Frauen Männer ausnutzen. Galladé verdient als Nationalrätin über TCHF 100 und ist mit einem SP-Rechtsprofessor zusammen, der ebenfalls Spitzenverdiener ist. Trotzdem verlangt sie auf Alimente einen Teuerungsgleich von CHF 50.00. Für mich absolut daneben! Typisch links. Zudem: Seit den 1968er Jahren sind Männer in der Defensive. Viele Männer sind verwirrt, weil sie den widersprüchlichen Bedürfnissen von Frauen nur noch bedingt gerecht werden können und dabei einen so hohen Aufwand betreiben müssen, dass sie sich fragen ob es sich überhaupt noch lohnt einer Frau den Hof zu machen. Aus irgendeinem Grund muss die Prostitution in unserem Land ja dermassen florieren.

      • Ich habe nichts von einer Quote geschrieben.
        Diese ganzen Sorgerechtsgeschichten kann ich nicht mehr hören. Würden sich Männer an der Kinderbetreuung beteiligen, erhielten sie auch Sorgerechte. Auch schön wäre es, wenn sie sich ans Gesetz hielten – auch Galladés Ex-Mann. Wieviel sie verdient ist völlig irrelevant: Er schuldet ihr dieses Geld.

  3. @Alexander
    «Viele Männer sind verwirrt, weil sie den widersprüchlichen Bedürfnissen von Frauen nur noch bedingt gerecht werden können und dabei einen so hohen Aufwand betreiben müssen, dass sie sich fragen ob es sich überhaupt noch lohnt einer Frau den Hof zu machen.»
    Wo habe ich das neulich schon mal gelesen? Ah ja, in einer Besprechung des Pamphlets «2083. Eine europäische Unabhängigkeitserklärung». Könnte 1:1 daraus stammen. Kommt offenbar immer aus der selben Ecke. Von Männern, die nicht verstehen können, dass sich die Zeiten geändert haben. Die Privilegien nachtrauern, die ihre Väter und Grossväter noch hatten, einfach, weil sie XY-Chromosomenträger sind.

    Männer profitieren doch auch von den veränderten Rollenmodellen, sie können heute auch eher Teilzeit arbeiten und sich um ihre Kinder kümmern – was dann – Philippe hat es ja auch schon gesagt – sich auch bei eventuellen Sorgrechtstreitigkeiten zugunsten der Männer auswirkt. Männer brauchen nicht mehr die «ganze Last» des Familienernährers zu tragen, weil Frauen heutzutage auch Berufsausbildungen machen dürfen. Das ist doch auch für Männer vorteilhaft? Ich seh’s Problem nicht? Abgesehen von der Konkurrenz, klar. Die ist jetzt natürlich grösser.

    Ich bitte auch um eine Erklärung, was der Satz «ob es sich überhaupt noch lohnt einer Frau den Hof zu machen» bedeutet. Wann würde es sich denn «lohnen»? Und was sind «widersprüchliche Bedürfnisse»?

  4. @Alexander Die Argumentation von Philippe ist klar. Du erweiterst lediglich die Thematik.

    Eine Alterslimite im Parlament wäre zu diskutieren: Jemand, der noch 15Jahre in der Schweiz/Welt zu leben erwartet, entscheidet bestimmt teilweise anders als jemand, der sich der Tragweite persönlich bewusst ist, dass sein Entscheid über 40/50 Jahre funktionieren sollte…

  5. Ich habe keinen 70+ Pfarrer Sieber gewählt und ich werde keinen 70+ Blocher wählen…

    Klar braucht es eine Mischung von Jung und Alt im Parlament, doch ich habe eine klare Obergrenze für Neuwahl und die liegt bei knapp 55 Jahren. Bei Wiederwahl bin ich bei entsprechendem Engagement gerne bereit auch einem 65 jährigen nochmals einen Turnus zu gewähren. – Ich begründe dies genau so wie Wampfler & switzamSamuel.
    Auch wichtig finde ich eine genügende Repräsentation der Frauen im Parlament. Doch ich versuche dies mehr im Rahmen der sich effektiv zu Wahl stellenden zu erfüllen. Ja, 40% Frauenanteil wäre wirklich schön für die Schweiz – von mir aus auch 50%. Dann sollten aber bitte auch 40% Frauen auf den Wahllisten stehen. Ich werde sicher nicht fähige Frauen von einer Liste streichen („Hausfrau“ als Berufsbezeichnung genügt wirklich nicht meinen Anforderungen – kommt auf nationaler Ebene aber auch eher seltener vor), genau so wenig werde ich aber Frauen bevorzugt zusammensuchen – nun ich werde dennoch darauf achten, dass ich ein bestimmtes Mass (1/3) nicht unterschreite.

  6. Ein anderes Kriterium wären auch mal die Berufsgruppen…. Bitte ihr Schweizer, wählt keine Bauern mehr – nur 3.8% aller Schweizer arbeiten in der Landwirtschaft (die erst noch nur dank Subventionen überlebt), nur schon durch ein einzigen Bauer im Parlament wird diese absolut vernachlässigbare Minderheit masslos übervertreten. Wenn ihr einen schönen Garten haben wollt, dann solltet ihr keine Böcke zu Gärtner berufen.

  7. @raskalnikow: Auch Hausfrauen können fähig sein und deren gibt es vermutlich mehr wie Landwirte und sie werden nicht mal subventioniert. Und deren Probleme drehen sich nicht immer nur um Windeln wechseln und Einkaufen. Schlussendlich erziehen Nur-Hausfrauen die nächste Generation Wähler. Da dürfte deren Stimme durchaus gehört werden.

  8. Pingback: Wieso ich vorwiegend junge Männer wählen werde | ars libertatis

  9. Pingback: Warum ich keine alten Männer wähle – Widerstand gegen die Methode Smartvote | Philippe Wampfler bloggt.

  10. Pingback: Moskau einfach | Journalistenschredder

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