Zu den Verschwörungstheorien um 9/11

Äußere Verformung des WTC7-Gebäudes

Äußere Verformung des WTC7-Gebäudes, vgl. Wikipedia (Wiki-Media Commons)

Dass sich die Terroranschläge vom 11. September 2001 zum zehnten Mal jähren, ist Grund genug für viele Menschen, Verschwörungstheorien wieder aufzuwärmen und abstruse Behauptungen zu wiederholen, die längst falsifiziert worden sind. So z.B. der Historiker Daniele Ganser, der gestern im Tages-Anzeiger eine falsche Darstellung der 9/11-Untersuchung als eine lückenhafte Form der Aufarbeitung präsentieren konnte und Theorien der zweifelhaften Truther-Bewegung unkritisch wiederholte.

Ich möchte nicht auf Details eingehen (auch nicht in den Kommentaren), sondern lediglich darauf hinweisen: Es gibt auf Wikipedia für jede der so genannt »offenen Fragen« eine klare Erklärung und einen Untersuchungsbericht. Die Frage, was am 11. September 2001 passiert ist, ist nicht offen: Terroristen haben in den USA verheerende Anschläge verübt.

Verlockend an Verschwörungstheorien sind mehrere Aspekte der menschlichen Psyche (vgl. auch den Wikipedia-Eintrag dazu):

  1. Grundsätzlich sind wir wohl alle Verschwörungstheoretiker – in dem Sinne, als dass wir einfache Erklärungsmodelle haben, mit denen wir uns Zusammenhänge unterkomplex erklären und an die wir auch dann glauben, wenn es Evidenz für das Gegenteil gibt. William Gibson schrieb:

    Conspiracy theories are popular because no matter what they posit, they are all actually comforting, because they all are models of radical simplicity.

  2. Was die Geheimdienste der USA im Zusammenhang mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak getan und verbrochen habe, ist Anlass zu großer Beunruhigung und kann moralisch und staatsrechtlich nicht gerechtfertigt werden. Diese Tatsache wird mit dem scheinbaren Anlass für diese Taten verschmolzen – mit 9/11.
  3. 9/11 führte zu einem Perspektivenwechsel in der westlichen Welt – nach den etwas orientierungslosen 90er-Jahren gab es plötzlich wieder ein Feindbild. Solche Feindbilder sind immer Konstruktionen und wer diese Konstruktionsmechanismen versteht, könnte sie so stark verallgemeinern, dass plötzlich auch massive Terroranschläge in New York zu dieser Konstruktion beigetragen haben könnten.
Wenn man zugibt, dass islamistische Terroristen vor 10 Jahren Anschläge in den USA verübt haben, dann billigt man weder die amerikanischen Kriege noch ist man unkritisch, lässt sich manipulieren oder Ähnliches. Vielmehr ist man bereit, differenziert zu denken und glaubwürdige Beweise zu akzeptieren.

3 thoughts on “Zu den Verschwörungstheorien um 9/11

  1. Ich kenne Daniele, er ist ein sehr seriöser Mensch. Glaubst du wirklich, die Wahrheit findet sich auf Wikipedia? Mich interessiert am meisten diese Frage: Wer ist für die Put-Optionen auf die Airlines vom 9/11 verantwortlich?

    • Seine akademische Laufbahn belegt, dass er ein seriöser Mensch ist.
      In dieser Diskussion unterschlägt er aber den sehr seriösen Untersuchungsbericht zu WTC7, auch zu den Put Optionen gibt es eine klare Aussage als Resultat der Untersuchung: Eine Einzelperson hat diese Optionen gekauft. Zu spekulieren, ob diese Person Insiderwissen hatte, ist müssig. Es gibt keine seriöse Publikation, in der stichhaltig belegt wird, dass da ein Verbrechen dahintersteht.
      Und ja: Ich denke, Wikipedia bildet die „Wahrheit“ besser ab als jedes andere Medium – wenn man die Dokumente, auf die es verweist, mitberücksichtigt.

  2. Pingback: Findet sich auf Wikipedia die Wahrheit? | Philippe Wampfler bloggt.

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