Warum ein Staat stark sein soll – ein Beispiel aus der Männerrechtsdebatte

Auf dem qualitativ hoch stehenden Blog zur Direkten Demokratie konnte man letzte Woche einen Beitrag von Ronnie Grob lesen, in dem er Folgendes postuliert (oder fragt):

Ist ein starker Staat wirklich ein Staat, der es nötig hat, hohe Steuern zu verlangen?
Ist nicht vielmehr ein Staat, der sich effizient organisiert und darum nur wenig Ressourcen von seinen Bürgern einfordert, stark?

Viele Ressourcen führten bei einem Staat sofort zu Ineffizienz, so Grob, »zur persönlichen Bereicherung, zur Vetternwirtschaft, zur Verfälschung von Statistiken und Bilanzen«.

In meinem Kommentar dazu habe ich schon angemerkt, dass der Staat gewisse Probleme besser – d.h. fairer und effizienter – lösen kann als private Anbieter von Lösungen. Ein Beispiel dazu liefert diese Woche Antje Schrupp in ihrem Blog »Aus Liebe zur Freiheit«.

Schrupp fordert, die Kinderversorgung oder den Unterhalt von Kindern von der biologischen Erzeugung von Kindern zu trennen. Konkret: Alle Steuerpflichtigen sollen über progressive Steuern einen Beitrag zum Unterhalt von Kindern leisten, der dann denjenigen ausbezahlt wird, die die Kinder betreuen und versorgen.

Schrupp bezieht sich auf die Klage von Vätern, jahrelang für den Unterhalt von Kindern aufkommen zu müssen, zu denen sie nur eingeschränkt Kontakt haben (können oder wollen) – aber auch auf die Problematik, dass Kinder heute oft in Haushalten aufgezogen werden, in denen nicht alle an der Erziehung Beteiligten (z.B. Stiefeltern) an der Zeugung des Kindes beteiligt waren.

Die Frage, die sich stellt, ist natürlich: Warum soll das Versorgen von Kindern zu einer staatlichen Aufgabe gemacht werden? Die Antwort wäre ganz einfach: Es besteht ein öffentliches Interesse daran, wie z.B. auch an der Finanzierung von staatlichen Schulen. Kinder, welche mangelhaft versorgt werden (Ernährung, Betreuung etc.), werden mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Belastung für die Allgemeinheit.

Zudem ist die Entscheidung, selbst keine Kinder aufziehen zu wollen – und deshalb auch nicht für das Aufziehen von Kindern bezahlen zu wollen – nur dann konsequent umsetzbar, wenn die so Entscheidenden auf sämtliche Vorteile verzichten könnten, welche Nachwuchs ihnen verschafft.

Bildquelle: Brandon Cripps, Flickr. CC BY-NC-SA.

7 thoughts on “Warum ein Staat stark sein soll – ein Beispiel aus der Männerrechtsdebatte

  1. Das öffentliche Interesse erschöpft sich aber keinesfalls darin, dass eine gute Versorgung durch Ernährung, Bildung, … die Kinder nicht zu zukünftigen Sozialfällen macht.
    Eine Gesellschaft kann ohne Kinder nicht leben, da sie es sind, die einmal die AHV, die Betreuung der Pflegefälle, … übernehmen müssen.

  2. „…wenn die so Entscheidenden auf sämtliche Vorteile verzichten könnten, welche Nachwuchs ihnen verschafft.“
    Der Konjunktiv deutet es wohl schon an: Es kaum möglich auf die Vorteile (und Nachteile) zu verzichten, welcher der Nachwuchs anderer Leute bietet. Ich denke da nur schon an die Güternachfrage, welche der Nachwuchs produziert… kinderlose Arbeitnehmer müssten also prinzipiell einen niedrigeren Lohn erhalten und kinderlose Arbeitgeber dürften ihre Produkte nicht an jüngere Personen verkaufen.
    Andererseits sei noch bemerkt, dass kinderlose Mitbürger schon heute über ihre Steuern den Nachwuchs anderer Leute mitfinanzieren – dies blieb im Artikel gänzlich unerwähnt. Der „Unterhaltsbeitrag“ wäre also eine weitere Zwangsabgabe für die Kinderlosen.
    Auch unberücksichtigt blieb, dass heutzutage viele Paare ungewollt kinderlos sind. Nach ihrem unverschuldeten „biologischen Versagen“ (= Sterilität) will man sie also auch noch finanziell dafür bestrafen? – Ziemlich hart…

    • Danke für diese Ausführungen. Grundsätzlich könnte aber auch ein kinderloses Paar eine Versorgungsgutschrift erhalten – wenn es ein Kind adoptiert oder (mit-)versorgt. Auch Großeltern etc. könnten meiner Meinung nach in den Genuss solcher Vorschriften kommen können.

  3. Im Sozialstaat ist das doch schon längst umgesetzt. Wenn jemand nicht in der Lage ist, sein Kind zu erziehen, schaltet sich das Jugendamt ein und das Kind wird in ein Heim gebracht. Ein Kind aus freien Stücken der Gemeinschaft zu überlassen, ist allerdings noch nicht möglich, das stimmt wohl.

    Wie schätzt Du die Bindung eines Kindes zu seinen Eltern ein? Wichtig oder eher unwichtig?

    Wer soll das finanzieren? Auch jene, die glauben, dass noch mehr Menschen diesem Planeten eher schaden als nützen?

    Welche Probleme löst denn der Staat derzeit „fairer und effizienter“ als die Privatwirtschaft?

    • Es geht ja nicht unbedingt darum, ein Kind der Gemeinschaft zu überlassen – sondern um die Lösung des Problems, wer denn den Unterhalt und die Betreuung eines Kindes finanziert. Diese Finanzierung ist heute an die biologische Zeugung gebunden – eine Koppelung, die man meiner Meinung hinterfragen kann und muss.
      Ich finde, Eltern sind für ein Kind sehr wichtig. Der Vorschlag von Antje Schrupp zielt nicht darauf ab, Eltern ihre Kinder zu entziehen – selbstverständlich haben sie das Recht, ihre Kinder großzuziehen, sie würden sogar dafür entschädigt nach diesem Vorschlag.

      Das Problem der Überbevölkerung (vgl. Jonathan Franzens »Freedom«) ist durchaus eine Überlegung wert. Meiner Meinung nach ist das globale Problem aber lokal gerade umgekehrt: Während es in einer globalen Perspektive sinnvoll wäre, keine weiteren Kinder mehr zu zeugen, so können die Gesellschaften Westeuropas in dieser Form nur funktionieren, wenn es Kinder gibt (siehe Kommentar von raskolnikow oben).

      Probleme, die der Staat in den meisten Fällen effizient löst:
      a) Altersvorsorge
      b) Grundschulausbildung
      c) Zertifizierung von ExpertInnen (z.B. ÄrztInnen, StatikerInnen etc.)
      d) öffentlicher Verkehr und Straßenbau
      e) Schutz der Bevölkerung (Feuerwehr, Polizei etc.)

      Ich könnte fortfahren, höre aber hier auf. Nur ein Beispiel: In Deutschland wurde die Wartung der Autobahn in großen Teilen Privaten übertragen. Diese Übertragung schien vordergründig Geld zu sparen (also effzienter zu sein), führte aber zu Bauarbeiten, welche lange Strecken der Autobahn mit minimaler Spurbreite befahrbar machte und so Unfälle verursachte, welche insgesamt mehr Kosten verursachten und Unsicherheit erzeugten, als Mittel eingespart werden konnten.

      • Überbevölkerung ist ein Scheinproblem, egal wie man den Begriff definiert. Zur Zeit leben ca. 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Die Weltnahrungsmittelproduktion reicht für 15 Milliarden Menschen, manche Studien geben sogar die Zahl von 20 Milliarden an.

        Es ist ein Verteilungsproblem, gleiches trifft auch auf Wasser zu.

        Die Ursachen liegen in unserem Geld- und Wirtschaftssystem und dem Versagen der Politiker.

        In Deutschland haben wir 6 Millionen Arbeitslose. Darunter sind ca. 550.000 Tausend jünger 25 Jahre.

        Eine gute Schulausbildung bzw. Studium, ist schon lange keine Garantie mehr, einen gutbezahlten und sicheren Arbeitsplatz zu bekommen.

        Kinder kosten nicht nur Geld, sondern auch Zeit.

        Eine Arbeitszeitverkürzung in drei Schritten auf 20 Stunden pro Woche würde „Wunder“ bewirken.

      • Da habe ich aber meine Bedenken an diesem „Wunder“. Zielte die Reduktion der Arbeitszeit auf eine bessere Verteilung der tatsächlichen Arbeitszeit auf alle arbeitsfähigen Bürger, wie entschädigte man dann diese weniger Arbeitenden? Mit demselben Lohn obwohl der entstandene Mehrwert pro Kopf nun geringer ist? Bekämen nun diese einen geringeren Lohn, würde dies die Wirtschaft wieder negativ beeinflussen da durch geringere Löhne auch die Ausgaben und die Ankurbelung der Wirtschaft gefährdet wäre.

        Ich stimme aber überein mit dem Wille, der Staat solle Familien (egal ob biologisch oder adoptiert, Grosseltern, etc.) finanziell begünstigen, nicht aber unbedingt kinderlose Paare noch mehr in die Tasche greifen lassen. Statt Private zahlen zu lassen wären bestimmte Steuern für Grossunternehmen eine Variante, die letztendlich davon profitieren wenn ein grosses Angebot an ortsansässigen, gut ausgebildeten Arbeitskräften zur Verfügung steht.

        Leider hat es sich die Schweiz diesbezüglich zu einfach gemacht und anstatt weiter in akademische Ausbildungen zu investieren solche Fachkräfte aus dem Ausland importiert. Ergebnis: verärgerte Schweizer Angestellte über den deutschen Chef, den Arzt aus Tschechien und den brasilianischen Wissenschaftler, etc. Diesbezüglich überrascht mich die einwanderungsfremde Politik der SVP, wo doch diese ständig der Bildung den Hahn zudreht… Nichts als eine Konsequenz ihrer eigenen Philosophie.

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