Über Gemeingüter.

Trete ich aus meiner Haustür, kann ich in vier Richtungen in die Welt schreiten. Das tue ich an gewissen Tagen mit einem vollen Abfallsack in der Hand. Diesen werfe ich dann in den nächst gelegenen »Züri-Sack-Container«. Eine nicht ganz konfliktfreie Angelegenheit: Obwohl die Container der Stadt Zürich gehören und ich sie dadurch finanziere, dass ich einen Gebührensack einwerfe, sind gewisse Hausbesitzende der Ansicht, der zu ihrem Haus gehörende Container dürfe nur von Menschen benutzt werden, die ebenfalls zu diesem Haus gehören. Das schlagende Argument ist dann jeweils der Boden, auf dem der Container steht: Für den bezahle ich nämlich tatsächlich nichts mit meinem Gebührensack.

Dieser Boden gehört also anderen Menschen. Und er gehört ihnen, weil sie ihn gekauft haben. Von einer Person, die ihn auch gekauft hat usw. Und woher hatte die erste Person, die diesen Boden gekauft hat, den Boden? Sie hat ihn sich – so nehme ich an – genommen. Wenn man aus der Perspektive der Gemeingüter oder Commons denkt, mutet es seltsam an, dass Grundstücke jemandem gehören können.

Was sind Commons? (Ich beziehe mich fortan auf den Gemeingüter-Report der Böll-Stiftung.) Grundsätzlich braucht es drei Bestandteile:

Kurz gesagt: Gemeinschaften legen Regeln fest, wie mit Ressourcen umgegangen werden soll. Diese Ressourcen stammen aus verschiedenen Bereichen:

Es sind also nicht primär materielle Güter wie Boden, sondern auch gedankliche (die gleichwohl eine materielle Basis haben).

Die Idee wäre, dass ein Bewusstsein für Gemeingüter eine gerechtere Gesellschaft schafft, in der nachhaltiger gelebt wird.

Eine bekannte Kritik an dieser Vorstellung stammt von Garrett Hardin, der sie »the tragedy of the commons« oder die »Tragik der Allmende« nannte:

Jedermanns Eigentum ist niemandes Eigentum.

Mit anderen Worten: Wenn die Gemeingüter nicht in Privatbesitz übergehen, wird sich niemand um sie kümmern, weil niemand ein genügend großes Interesse daran hat. Hardin hat jedoch übersehen, dass Gemeingüter in einem sozialen Kontext stehen und mit Regeln verwaltet werden – so wird sichergestellt, dass es ein Interesse daran gibt, die Gemeingüter zu pflegen und zu nutzen.

Aus einer etwas anderen Perspektive wirft Peter Joseph in seinem neusten Zeitgeist-Film »Moving Forward« einen Blick auf das Problem (auf »CC« drücken für deutsche Untertitel):

In einer Besprechung auf Newsnetz formuliert René Staubli den hier relevanten Zusammenhang wie folgt:

Ist es sinnvoll und ökologisch zu verantworten, dass jeder Mensch danach trachtet, ein Stück von jedem Gut zu besitzen, wie das heute der Fall ist? Ohne Rücksicht darauf, ob und wie oft er es verwendet? In der neuen Zivilisation gilt ein anderes Prinzip: Wenn jemand ein Gut nur eine Stunde pro Tag beansprucht, braucht er es nicht zu besitzen, denn andere könnten es ebenfalls nutzen. Nicht das Eigentum steht im Zentrum, sondern die Zugriffsmöglichkeit auf die Dinge, die man benötigt. Dieses Prinzip ist uns längst bekannt: Wir gehen in die Bibliothek, leihen uns ein Buch aus und bringen es dann wieder zurück.

3 thoughts on “Über Gemeingüter.

  1. hab jetzt den film nicht geshen, aber zum thema allgemeingüter und ihre verwaltung: der nobelpreis in wirtschaftswissenschaften ging 2009 an elinor ostrom. sie „habe gezeigt, ‚wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann‘, heißt es in der Würdigung der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften“, schreibt wikipedia dazu.

  2. Pingback: Über Gemeingüter. | Akademie Integra

  3. Pingback: Wie der Kapitalismus geflickt werden kann – oder über eine zu wenig beachtete Idee | Philippe Wampfler bloggt.

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