Newsportale und Kommentare – ein Vorschlag

Jeder und jedem Online-Medienutzenden der Schweiz ist klar, dass Kommentare auf Newsportalen eine schwierige Angelegenheit sind: Selten beziehen sich die Kommentierenden auf die konkreten Inhalte der Artikel, sie beabsichtigen meistens, einen eigenen Standpunkt durchzusetzen und die Diskussion wird sehr schnell unübersichtlich und nimmt eine Eigendynamik an – was dazu führt, dass das Lesen der Kommentare für Lesende keinen Mehrwert bietet. Exemplarisch steht dafür der Mamablog von Newsnetz – dessen Diskussionen sich innerhalb einer Community abspielt, welche ausschließlich mit sich selbst beschäftigt ist (und nicht mit den Themen). [Vgl. auch meinen Durchschnittswähler-Blog.]

Die Medienwoche hat sich in zwei Artikeln damit auseinandergesetzt und Zitate von Verantwortlichen aufbereitet: »Jeden Tag Krawall« und »Wenn der Leser ausrastet«. Fazit: Die Kommentare verursachen viel Arbeit und wenig Befriedigung, bringen aber wertvolle Klicks, weil Kommentierende Seiten immer wieder aufrufen. Zudem machen die Artikel klar, dass nur Lesen und Löschen von Kommentaren keine adäquate Bearbeitung darstellt, für mehr die Zeit aber nicht reicht.

Meiner Meinung nach müssten Newsportale deshalb unter ihren LeserInnen mit »Powerusern« zusammenarbeiten – gut informierten Menschen, welche ihre Positionen gut formulieren können und die Perspektiven der Portale ergänzen können. Die Kommentare dieser Poweruser würden dann stets zuoberst angezeigt (u.U. mit der Möglichkeit, dass auch andere Kommentare nach oben gevotet werden können). Ein solches System könnte bewirken, dass die ersten Kommentare (die den Lesenden gleich angezeigt werden) sowohl einen Mehrwert beinhalten als auch den Eindruck erwecken, dass hier eine gehaltvolle Diskussion geführt wird, an der sich nur beteiligen kann, wer wirklich etwas zu sagen hat (und nicht »Krawall« machen will).

Um noch ein konkretes Beispiel anzufügen: Gawker.com hat einen Featured-Thread, bei dem eine Diskussion angeboten wird, der User aber zusätzlich auch alle Diskussionen anzeigen lassen kann. Das fände ich eine großartige Möglichkeit. Vgl. z.B. hier.

4 thoughts on “Newsportale und Kommentare – ein Vorschlag

  1. Ich bin gegen ein Voting-System. Denn es garantiert nicht, dass nur die guten Beiträge von informierten Leuten nach oben kommen. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass dank dem Voting-System einfach die populären Kommentare und die Kommentare von Leuten, die viele Anhänger mobilisieren können nach oben kommen. Gute Poweruser zu finden, die über genügend Freizeit verfügen ist auch nicht einfach.

    • Das Voting-System müsste clever sein – nicht jedem User eine Stimme geben, sondern solchen mit einer hohen Reputation (viele hoch stehende Beiträge) mehr Stimmgewicht als anderen. Und ich denke schon, dass es viele Poweruser gibt, die da mitmachen würden.

  2. Das Gawker-System ist interessant. Hat das keine deutschsprachige Newsseite?

    Bei Reddit funktioniert das Voting-System hervorragend – wobei das auch eine in sich geschlossene Gesellschaft ist. Dort werden vor allem humorvolle Beiträge nach oben gevotet – Krawallmacher merken schnell, dass sie mit den üblichen dummen Kommentaren nicht weit kommen.

    Newsseiten sollten diesem Voting-System zumindest mal eine Chance geben. Ich wette, das gäbe dem ganzen eine neue Dynamik. Ich wäre froh drum.

    PS. Was der Normalleser übrigens nicht weiss: Viele Kommentarschreiber wissen haargenau, dass sie nicht veröffentlicht werden, schreiben aber trotzdem ihren Senf, um so – vergeblich – die Redaktion zu beeinflussen.

  3. Pingback: Online-Kommentare: Die tägliche Qual | Medienkritik Schweiz

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