Der Erfolg der Grünliberalen. Und warum er nicht verdient ist.

Eine locker-flockige Videoumfrage von Newsnetz ergibt als Fazit: Man sollte lieber grünliberal als grün wählen, weil »die Grünen fast es zu grün sind« und die Grünliberalen »einfach mehr auf dem Boden« [sind].

Diese Aussagen mögen das Resultat einer medialen Verzerrung sein – so genau möchte man gar nicht wissen, was passiert, wenn Videojournalisten auf der Strasse Meinungen einholen. Aber sie sind – auch im Angesicht der Wahlen im Kanton Baselland – symptomatisch:

  • Die Grünliberalen versprechen grüne Politik die bequem ist. »Liberal« klingt, als könnten wir weiterhin tun und lassen, was wir wollten – während »grün« verspricht, dass alles besser wird.
  • Die Grünliberalen werden als unbelastet wahrgenommen: Sie stehen scheinbar weder auf der linken noch auf der rechten Seite einer zunehmend polarisierten Politik und entsprechen so dem Wunsch nach einer sachorientierten, pragmatischen Politik.
  • Die Grünliberalen sind nicht nur der Zufluchtsort für Linke, welche im Wohlstand nicht mehr bereit sind, den Preis für ihre Überzeugungen zu zahlen, sondern auch für traditionelle MittewählerInnen, welche aufgrund der Orientierungslosigkeit von CVP und FDP nach einer neuen politischen Heimat suchen.
  • Die Grünliberalen können als Partei ohne Geschichte ihre Haltungen zu verschiedenen Themen flexibel anpassen – und können wahlweise eine »grüne« oder eine »liberale« Haltung einnehmen, wenn das bei der Wählerschaft besser ankommt.

Mit anderen Worten: Die Grünliberalen sind eine Partei des Marketings. Sie verkaufen eine Politik, die es nicht geben kann: Umweltschutz bedeutet Regulierung und Verzicht. Und liberale Politik bedeutet Freiheit gerade auch im Umgang mit Ressourcen und mit der Umwelt. Diesen Spagat mag man heute gut verkaufen können – mittelfristig werden aber auch die Grünliberalen die Polarisierung mitmachen müssen und sich auf der einen oder anderen Seite der politischen Landschaft positionieren und entweder für Solidarität oder für einen wirtschaftsfreundlichen Kurs einstehen, sich zwischen dem Umweltschutz und der Senkung von Produktionskosten entscheiden müssen.

20 thoughts on “Der Erfolg der Grünliberalen. Und warum er nicht verdient ist.

  1. mit anderen worten: nur die grünen sind gut. das ist idologie der alten schule, finde ich. das kann heute nicht mehr der punkt sein.
    ich kenne viele liberale, die überhaupt nicht in dein raster passen. und viele grüne, die sehr heuchlerisch sind.
    den grünliberalen vorzuwerfen, dass sie keine geschichte haben, ist etwa so, als würde man das mit dem internet tun – es bringt uns nicht weiter.
    dass umweltschutz nur verzicht bedeutet ist genauso falsch wie deine aussage, dass liberale politik nur pure verschwendung propagiert. es gibt da sehr viele schnittmengen, für die ein entweder/oder zu kurz greifen.

    • Die Ideologie der alten Schule bezieht sich nur auf die Reaktion auf Japan: Wer den Atomausstieg wirklich will, sollte die Partei wählen, die ihn schon immer gefordert hat.
      Die Geschichtslosigkeit werfe ich der Partei nicht vor – m.E. ist das einfach momentan ein Vorteil, weil man sich in Abstimmungen noch nicht festlegen musste.
      Kannst du ein paar Beispiele nennen, wo das entweder/oder nicht gilt und Umweltschutz und liberale Politik sich vereinbaren lassen?

      • Umweltschutz UND liberale Politik – ein Beispiel?
        Energie- statt MWST – http://mwst.politnetz.ch

        Aber es ist richtig, dass Umweltschutz oft Verzicht & Regulierung bedeutet und deshalb liberalen Grundsätzen wiederspricht. Die Frage ist jedoch nicht ein ‚entweder oder‘, sondern eine Frage der richtigen Balance – Das ist was die Grünliberalen versuchen.

      • Danke, das ist ein spannendes Beispiel. Und die Frage, ob es eine solche Balance gibt und diese Balance eine echte, zukunftsorientierte Lösung oder einfach nur ein grünes Mäntelchen für eine bequeme Politik ist, wird sich zeigen… 

  2. ach da gibt es so viele beispiele, ich wüsste nicht wo anfangen und wo aufhören. wie gesagt, es gibt beides. ich kenne liberale oder konservative, die ihre häuser energetisch sanieren. und ich kenne grüne, die ohne wimpernzucken für ein wochenende nach ny fliegen.

    die geschichtslosigkeit ist nicht nur ein vorteil, sie kann geradesogut als nachteil ausgelegt werden. die meisten vorteile können in bestimmten konstellationen zu nachteilen mutieren (und tun das öfter als man denkt, beispiel: superschöne frau findet keinen partner, weil sich keiner traut… ;-). zudem glaube ich nicht, dass das so einfach geht mit diesem positionen-hopping, wie du das glauben machen willst. schon allein deshalb nicht, weil sich die grünliberalen nicht an ein unterdurchschnittlich gebildetes publikum wenden wie etwa die radikalen rechtsaussenparteien.

    • Von den Personen aus gedacht verstehe ich das durchaus – ich kenne sehr vernünftige Grünliberale. So war das nicht gemeint – eher von der Sache aus gedacht.
      Wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt. Mag gut sein, dass ich mich täusche und in zwei Jahren auch grünliberal wähle.

  3. Ich schätze an den Grünliberalen die Nähe zur Wissenschaft. Die Grünen sind mir manchmal zu dogmatisch, zu fortschrittsfeindlich. Die Grünliberalen sind mir dafür manchmal zu tiefe-Staatsquote-gläubig. Wobei ich den Eindruck habe, dass dies vor allem die Stadtzürcher GLP betrifft.
    Der GLP ihre Berechtigung abzusprechen, halte ich aber definitiv für verfehlt. Grün und liberal ist kein grösserer Widerspruch wie z.B. grün und aussenpolitische Öffnung. Politik ist immer ein Abwägen von sich widersprechenden Interessen – ausser man verfällt in eine Dogmatik.

    • Danke für diese Bemerkungen. Evtl. bin ich tatsächlich zu stark von der stadtzürcher GLP beeinflusst.
      Den Gedanken, dass eine grüne Position generell anfällig für Widersprüche ist, kann ich gut nachvollziehen – eine grüne Partei müsste u.U. ähnlich wie eine Piratenpartei funktionieren und sich nur auf einen Aspekt konzentrieren.
      Politik ist immer Interessensabwägung, zugegeben. Aber ich halte den Widerspruch zwischen grün und liberal für beträchtlich. Wenn ich bei Leuten nachfrage, höre ich immer diffuse Statements über »Anreize«. Und mein Post war wohl einfach Ausdruck einer Verunsicherung in Bezug auf die Gewichtung dieser Faktoren.

  4. Die Debatte hier verläuft seltsam schwammig. Da kommt einer und behauptet, ganz viele echt grüne Liberale und «verlogene» Grüne zu kennen, ohne konkret zu werden. Und Kohlenklau ist, mit Verlaub, viel zu konziliant gegenüber solchen Einwürfen.
    Man müsste jetzt endlich mal die Begriffe auf ihren Inhalt abklopfen. «Liberal» bezeichnet eine Haltung, die auf staatliche Eingriffe möglichst verzichten will und den Unternehmern möglichst viele Freiheiten zugestehen will. Da ergibt sich notwendigerweise ein massiver Widerspruch zu grünen Anliegen. Denn die Unternehmen sind nicht freiwillig bereit zu wirklich umweltfreundlichem Wirtschaften. Das geht nur, wenn der Staat klare Vorschriften erlässt. Und diese Vorschriften fürchten die Grünliberalen wiederum wie der Teufel das Weihwasser. Da ändert es nichts daran, wenn irgendwelche Liberalen sich ein grünes Mäntelchen zulegen und zB ein Elektroauto kaufen, weil das angeblich wahnsinnig umweltfreundlich sei.
    Die Grünliberalen, die ich kenne, sind denn auch total kompatibel mit der bürgerlichen Politik. Und Martin Bäumle, der Erfinder der Grünliberalen, hat sich in Dübendorf mit einer radikalen Sparpolitik profiliert. Das ging so weit, dass Dübendorf die Finanzierung einer anständigen Tramwartehalle in Stettbach ablehnte, so dass die öV-Benützer dort jetzt nass werden… Darüber muss man diskutieren, nicht über angebliche Bekannte vom Bugsierer.
    Philippe, du hast ein wichtiges Thema angeschnitten, bleib dran!

    • Ich habe hier sachliche Argumente vorgebracht. Ich sehe keine beleidigenden Worte in meinem Diskussionsbeitrag. Worte wie «heuchlerische Grüne», «Troll», «Höseler». Ich verwende nie solche Begriffe. Wer so grobschlächtig «argumentiert», soll sich bitteschön nicht über angebliche Beleidigungen (welche?) von anderen Diskussionsteilnehmern beschweren.
      Ich habe darauf hingewiesen, dass sich die Diskussion weiter oben im Kreis bewegte und dass nicht die fruchtbare Debatte entstehen konnte, die das von Philippe angesprochene Thema verdient hat. Ich habe den Grund dafür darin gesehen, dass man zuwenig über das Programm und die Politik der grünliberalen Partei gesprochen hat, und dass man stattdessen Klischees in den Raum stellte, von denen man nicht weiss, ob sie real existierenden Personen zuzuordnen sind oder ob sie frei erfunden sind (Grüne, die übers Wochenende nach NY jetten – wer macht das? oder Liberale, die die Fassade ihres Hüsli isolieren, wie edel – oder das sexistische Klischee von den superschönen Frauen, die angeblich keinen Mann finden – welche Frauen?)
      Ich beziehe meine Kenntnisse über die Grünliberale Partei hingegen von real existierenden Parteimitgliedern, die im Kantonsrat sitzen oder dafür kandidieren. Leute, die kein Hehl machten über ihre Bewunderung von Christoph Blocher. Leute, die sich mokieren über die 2000-Watt-Gesellschaft, weil diese «nicht finanzierbar» sei. Ich bin vermutlich auch der einzige hier, der mit Martin Bäumle per du ist. Was nicht heisst, dass ich jede seiner Positionen gut finde. Ich weiss aber, dass er schon vor 20 Jahren sagte, die Grünen seien keine linke Partei. Darüber sollten wir sprechen. Über die Politik der Grünliberalen und über ihr Programm. So wie es Markus Meury getan hat. Nur so kann eine sinnvolle Debatte entstehen.

  5. Vielen Dank Philippe Wampfler, bin ziemlich mit Dir einverstanden. Auch in Baselland und Basel-Stadt läuft’s so: Die Grünliberalen fahren totale Sparpolitik, die schlussendlich auch den öffentlichen Verkehr und engetische Sanierung betreffen, also der Umwelt schaden.
    Wenn wir z.B. wirklich das Klima schützen wollen, dann kommen wir um eine Änderung unseres Lebensstils nicht herum. Die bisherige Freiwilligkeit hat jedenfalls nur einen Bruchteil dessen bewirkt, was nötig ist, um den CO2-Ausstoss zu senken. Und die Wissenschaft würde uns auch schon länger zur Verfügung stehen, wenn wir nur wollten…
    Ich habe das Gefühl, die Grünliberalen verkaufen uns eine bequeme Illusion, aber das hilft nicht weiter. Wir brauchen radikalere Veränderungen. Der Grünliberale Weg ist deshalb für mich eine ärgerliche Verzögerung auf diesem Weg. Müssen wir im Klimaschutz nun wirklich noch mehr Jahre verlieren, bis man merkt, dass wir nicht um unbequeme Wahrheiten und Einschränkungen herumkommen?
    Es geht auch nicht darum, zu sagen, die Grünen sind die Guten (und immer kohärenten) und die Grünliberalen die Bösen. Sondern nur darum, was wirklich funktioniert und was nicht.

    • Soweit ich verstanden habe, ist das Diskussionsthema hier die Grünliberale Partei, nicht das Verwenden von Pseudonymen. Bei Leuten wie Ugugu hat dich das Pseudonym nie gestört, also braucht es dich bei mir auch nicht zu stören, es sei denn, dass hinter deinem obsessiven Gezeter über mein Pseudonym andere Beweggründe stecken. Können wir jetzt über die Grünliberalen diskutieren?

    • Diese Geschichte mit Bobby California wurde schon oft diskutiert – ich denke auch, dass wir sie hier nicht vertiefen müssen. Er diskutiert engagiert, teilt aus und steckt ein: Das reicht mir. Auch wenn ich mir wünschen würde, er würde seinen Namen hinschreibe – und den Verdacht hege, dass seine JournikollegInnen ohnehin wissen, wer hinter dem Pseudonym steckt.

  6. @bobby
    du kannst diskutieren was du willst, für mich ist dieser thread gestorben. vergiss ugugu, diese uralte leier ist nur noch kindisch. es geht um DEINE transparenz und sonst gar nix. DU kackst hier und in anderen blogs hinter einem anonymen deckmantel reihenweise leute an. da kann ich selbst deine manchmal klugen gedanken nicht mehr ernst nehmen. und sowas nennt sich journalist, pfff…

    @phillippe
    muss ich sehr wohl vertiefen. ich lasse mich von diesem anonymen schurni (wenn er denn einer ist) weder hier noch in anderen blogs seriell in die schuhe scheissen. ich werde dagegenhalten, bis der olle basher enttarnt ist. dann sehen wir weiter. wie weit auch du dir deine threads von bobby versauen lassen willst, bleibt natürlich dir überlassen.

    • Ich stehe voll und ganz hinter Hr. Wampfler ’s Meinung.
      Betreffend bugsierer’s Aussagen gegen bobby: Auch wenn ich sonst noch keinen Thread gelesen habe, so wirkst hier eher du, bugsierer, wie einer, der Leute – in diesem Fall bobby – „ankackt“. Bobby hat ja nur seine sachliche Meinung dazu abgegeben, worauf du kindisch und argumentlos zurückdonnerst.

      • versteh ich gut, dass dieser eindruck bei dir entsteht. und zugegeben, ich donnere drauflos. allerdings nicht ohne grund, leider fehlt dir wohl der überblick über bobbys bashingkarriere der letzten drei jahre, in der er mich und eine handvoll andere blogger seriell diskreditiert.

  7. Mein Senf: Grünliberalen sind getarnte Kapitalisten, die hoffen, der Ritt auf der grünen Welle wird sie zum Cayenne – pardon – überteuerten Elektromobil führen. Und so behaupte ich: Machte gestern das Atom reich, ist es heute Wind&Sonne. Klar: Mit Umweltschutz hat ein solches Gebaren nichts zu tun.

  8. Pingback: Die Zeit der politischen Widersprüche | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s