Mehr oder weniger Wettbewerb? – Das Beispiel Kinderkrippen

Philippe Welti ist PR-Berater und Journalist – und »später Vater«. Im Frühjahr frohlockte er noch auf Facebook (»100 andere überholt: Wir sind jetzt auf Platz 1 und haben einen Krippenplatz für den Junior. So schnell geht das manchmal.«) und musste dann einen Alptraum erleben: Die Kinderkrippe »Hardturm«, die sein Sohn kurzzeitig besuchte, wurde von einer Betrügerin geführt und ist mittlerweile geschlossen.

Welti hat diese Erfahrungen in einem Weltwoche-Essay verarbeitet (hier gibts das pdf). Der Titel im Blog ist bezeichnend:

Kinderkrippen: Wettbewerb statt Reglementierung

Welti kritisiert »Intransparenz und Kantönligeist« – beides verhindere einen Wettbewerb zwischen den KiTas. Zudem fordert er ein Krippenrating, aus dem sich die Qualität einer Kinderkrippe ablesen lasse, denn: »Eine schöne Webseite macht noch keine bewilligte Kinderkrippe.«

Dass der Mann PR-Berater bei Stoehlker ist, wirkt in diesem Zusammenhang leicht amüsant: Die grundsätzliche Verwirrung in Bezug auf die Rolle des Staates und die Möglichkeiten von Wettbewerb allerdings weniger. Dazu einige Bemerkungen:

  1. Welti wohnt in der Stadt Zürich. Das Angebot der Stadt und die damit verbundene Qualitätssicherung in subventionsberechtigten Krippen (unabhängig davon, ob man als Eltern subventionsberechtigt ist) ist vorbildlich. Wer eine Krippe wählt, die nicht dazugehört, muss sich zumindest Vorwürfe in Bezug auf die Selektion machen.
  2. In den Kantonen, in denen die größten Missstände bezüglich Krippen herrschen, spielt der freie Markt und der Wettbewerb mit allen Auswirkungen: Die Krippen versuchen, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld zu verdienen. Mit dem Resultat, dass engagierte Eltern im Kanton Aargau meist eine eigene KiTa gründen, wenn sie in einer Gemeinde wohnen, die kein seriöses Angebot unterhält.
  3. Befürworter eines liberalen, von jeglicher Staatsintervention freien Marktes führen Ratingagenturen immer als Möglichkeit an, wie Qualitätsstandards gesichert werden können. Warum gibt es denn in der Schweiz keine Agentur, die ihr Geld damit verdient, ein Krippenrating anzubieten?
  4. Fazit: Es braucht mehr Staat. Genau wie beim Beispiel der Privatschulen stellt man sich in den liberalen Träumen eines schlanken Staates immer hohe Qualität zu einem tiefen Preis vor – und ignoriert ständig die Hinweise, dass ohne den Staat meist tiefe Qualität zu einem hohen Preis angeboten wird. Würden alle Gemeinden wie die Stadt Zürich Krippenplätze subventionieren und die Qualität der KiTas kontrollieren, wäre ein gravierendes Problem der Kinderbetreuung in der Schweiz gelöst.

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