Wie viel kostet Fernsehen? – Nein, die Billag verlangt nicht zu viel.

Für die vom Boulevard, der »Wutwoche« und den Rechtsrevolutionären inszenierte Kampagne gegen die Billag gilt, was auch für die Mobilität gilt:
Gerne denken wir über Produkte, die es scheinbar ohne unseren Kauf auch gibt, so, als könnten wir so viel dafür bezahlen, wie uns angemessen scheint. Und zusätzlich erwarten wir, dass wir dann darauf zurückgreifen können, wann wir wollen – und dann gerade für diesen Ausschnitt bezahlen können/müssen.
Die »Gebühren« sind einfach die Kosten des Fernsehens. Es kostet so viel, eine SVP-Schwingshow zu inszenieren. Und es kostet so viel, die Skirennen zu übertragen. Oder die Fussball-WM. Und am Montagabend »24« oder »Desperate Housewives« zu zeigen.
Wer jetzt großartig Aufrufe unterschreibt und sich auf Blick.ch in die Kommentarspalten einträgt, kann vielleicht schnell nachrechnen, wie viel das, was er oder sie an Radio und oder Fernsehen konsumiert, im PayTV und auf DVD kostet.

Das gesagt haben deklariere ich auch noch meine Motivation für diesen Post: Die Qualität der Medien in der Schweiz kann meines Erachtens nur dann gehalten werden, wenn es staatlich finanzierte Medieninhalte gibt. Ich finde, dass Unterhaltung nicht dazu gehören sollte; sondern nur Information – und ich finde auch, dass es nicht mehr zeitgemäss ist, nur Fernsehen und Radio zu subventionieren. Aber ich finde nicht, dass wir zu viel dafür bezahlen.

12 thoughts on “Wie viel kostet Fernsehen? – Nein, die Billag verlangt nicht zu viel.

  1. Zustimmung. Was mich wirklich nachdenklich macht ist die Tatsache, dass man sagt „Ich zahle nicht für TSI“.

    Diese „Solidarität“ ist doch eine typische Eigenschaft der Schweiz.

    Aber ich behaupte ja, OK ich bin ein TV-Junkie, die meisten würden bei den Kosten fürs Fernsehen ein bisschen überregaieren. Sieht man ja an den qualitativen Kommentaren.

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  3. Im Grundsatz stimme ich mit dir überein: Es ist schon in unserem eigenen Interesse, wenn wir einen guten Service Public haben. Nur, was gehört dazu und was nicht? (Ob es die BILLAG wirklich dazu braucht, ist ein anderes Thema…)
    Unter Service Public verstehe ich nicht, dass SF 2 mir die neuesten Serien tagtäglich serviert, wie die von dir genannten „24“ oder auch die „Desperates Housewifes“. Natürlich mag ich solche Serien auch, aber die müssten m. M. n. nicht auf einem offiziellen „Staatskanal“ laufen, den wir notabene ja alle mitfinanzieren. (bei einem „Tatort“ siehts dann wieder anders aus, solche werden ja nun endlich auch hier wieder produziert)
    Dann wäre mir doch lieber, man würde auf diesem Sender jugendgerechte Dokumentationen bringen, damit die, die eh den ganzen Tag vor dem Fernseher hocken, wenigstens noch etwas lernen…
    Dass ich mit meinen Gebühren auch die welschen, italienischen und rätoromanischen Programme finanziere, kann ich noch verkraften ;-) Und auch das ist verständlich, das alle aus Solidarität gleich viel bezahlen.
    Aber, schau dir mal das Programm von SF 1 mal an… Du hast zig Shows mit fast immer den gleichen mehr oder weniger guten C-Promis als Aufhänger (Epiney und Co.). Da hätte man Sparpotential… Ich will nicht wissen, was so ein Moderator verdient…
    Das ganze ist ja nicht nur hier eine grosse Diskussion. Auch im grossen Ländle regen sich die Menschen über die GEZ auf und fragen sich, wofür sie eigentlich bezahlen…
    Und wenn man dann sieht, wie gross das Sparpotential bei der BILLAG durch eine jährliche Einmalzahlung ist (ich glaube irgendwo mal was von 10 Mio. gehört zu haben), dann müsste man sich zu recht fragen warum a) dieses Potential nicht an die Kunden weitergegeben wird in Form günstigerer Gebühren oder b) warum das Geld nicht direkt ans Fernsehen überwiesen wurde, indem man bei der BILLAG die Organisation strafft…
    Qualität ist gewiss vorhanden – allerdings nicht bei allen Sendungen / Sparten. Und auf Sendungen wie „Glanz und Gloria“ sollte ein staatlich finanzierter Sender verzichten (können)… :)

  4. ….. dass der schweizer bürger ein recht auf telemediale information hat wird auch durch den umstand bewiesen, dass bei einer pfändung infolge einer betreibung radio- und fernsehgeräte nur unter gewissen bedingungen gepfändet werden dürfen…..

    ….. somit sollte auch der staat, und nicht solche dubiosen zwischenhändler und mittelsmänner wie die BillAG, die gebühren einfordern vom bürger…..

  5. Und warum sollte ich für die SRG überhaupt zahlen? Die News ist unbrauchbar. Die Produktionen lächerlich im besten Falle, schlecht meistens, Wenn wirklich kümmert der Samstagsjass?
    Die SRG soll privatisiert werden. Wenn jemand die SRG unterstützen will dann könnendie das tun wie in n Public Radio und Public TV in den USA. Alleine Los Angeles mit der doppelten Bevölkerung unterhält etwa 4 oder 6 Public Radio Stationen und TV Stationen. Radio 24 startet auch ohne Bilag, für euch die zu jung sind diese Zeit zu erleben. Die Zeit in der der Bund ein Interesse hat eine offizielle“ Radiostation zu unterhalten ist seit etwa dem 2. Weltkrieg vorüber.

  6. Bin völlig einverstanden – die Forderung ist auf den ersten Blick populär, kommt aber viel zu schrill daher und lenkt von den wirklichen Problemen ab. Billag-Gebühren sind nicht gratis, sonst wären es ja keine Gebühren. Aber es gibt weitaus grössere Budgetposten, die uns belasten: Wohnungen? immer noch teurer, Krankenkassen, immer noch jährlich massive Kostensteigerungen. Die Billag-Gebühren steigen wenigstens nicht.

    Siehe mein Post von letzter Woche zu diesem Thema:
    http://www.raffael-fischer.ch/2011-01/ein-neuer-lieblingsfeind/

    P.S. Für mich bräuchte es die US-Serien am Montagabend auch nicht. Aber wenn ich gute Informationen bekomme und Sendungen, die ich mag, dann mag ich anderen dafür die Unterhaltungsformate, Live-Sportevents und meinetwegen den Oberflächlichen auch Glanz und Gloria gönnen. Service public auf SF-Art heisst eben vielleicht auch, dass jeder was bekommt, wenn schon jeder bezahlt. Ist das wirklich so schlecht?

  7. Im Prinzip ja – aber sollte noch jedeR selbst entscheiden dürfen, ob er Fernsehen bzw. Radio nutzt oder nicht. Sonst sind es nämlich keine Gebühren mehr, sondern Steuern.

    • Das kannst Du selbst entscheiden. Falls Du über ein Auto ohne Radio verfügst, keinen Computer und kein Handy hast, zumindest keines mit Radioempfang oder Internetfähigkeit, keinen Fernseher und kein Radiogerät, musst Du keine Gebühren bezahlen…..

      • Toll und wenn ich für meine Arbeit einen Computer mit Internet brauche? Soll ich also für etwas zahlen, was ich nicht benutze? Hm… So einfach ist das gar nicht mit dem „selber entscheiden“…

  8. Morgen
    Gut geschrieben! Für einmal nicht so polemisch…

    Und wenn man dann sieht, wie gross das Sparpotential bei der BILLAG durch eine jährliche Einmalzahlung ist (ich glaube irgendwo mal was von 10 Mio. gehört zu haben), dann müsste man sich zu recht fragen warum a) dieses Potential nicht an die Kunden weitergegeben wird in Form günstigerer Gebühren oder b) warum das Geld nicht direkt ans Fernsehen überwiesen wurde, indem man bei der BILLAG die Organisation strafft…

    Vielleicht weil das nicht ein Entscheid der Billag ist sondern des Bundesrates? Das Gesetz schreibt klar vor wer, wann, wie viel und WIE Gebühren zahlen muss. Lest Euch das mal durch, dann werdet Ihr sehen, dass die Billag im wahrsten Sinne des Wortes „nur“ ausführendes Organ ist.

    Das Geld wird übrigens an die SRG und die privaten Sendestationen überwiesen. Das war ein Grund, warum auf die Gebührenerhöhung verzichtet wurde.

    Ich für mich sehe da auch noch andere Punkte.. zum Beispiel das Autoradio und die durch dieses Radio empfangenen Verkehrsmeldungen (http://meinereiner.ch/archives/Abo-fuer-Verkehrsmeldungen-1209.html). und, soweit ich weiss empfangen auch die Navigationsgeräte die Verkehrsmeldungen über das Radionetz.

    Wem was gefällt im TV, darüber können wir hier lange streiten. Ich mag 24 auch nicht. Aber ich finde es eine Entspannung, einen Film mal mit nur einer Werbeunterbrechung zu sehen statt mit deren fünf oder sechs.

    Wer es lieber rechnerisch mag… SRG mit ALLEN Kanälen, Radio & TV kostet mich 1.25CHF pro Tag. Jede Zeitung ist teurer.

    • Danke für den differenzierten Kommentar (und das Kompliment).
      Ich möchte nur kurz auf die Bemerkung eingehen, ausnahmsweise schreibe ich nicht so »polemisch«: Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich oft einen angriffigen Tonfall verwende und hab mir auch schon überlegt, ob ich daran etwas ändern sollte. Einerseits provoziert Polemik natürlich Reaktionen und Aufmerksamkeit – und sowas möchte man als Blogautor sicher auch. Andererseits schreibe ich ja keine Zeitung und bin nicht verpflichtet, auf Ausgewogenheit zu achten, sondern versuche Perspektiven stark zu machen und Meinungen zu vertreten. Auch das führt schnell zu einem polemischen Ton. Aber wie gesagt – ob das der richtige Weg ist, weiß ich nicht.

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