Warum ich nur für News und Hintergrundlektüre nur noch Twitter brauche

In einem meiner letzten Blogposts habe ich erwähnt, dass ich für meine tägliche News- und Hintergrundlektüre nur noch Twitter verwende. In einem Kommentar wurde ich gefragt, wie denn das funktioniert: Deshalb hier diese Anleitung.

 

1. Was ist Twitter?

Twitter ist nichts als eine Sammlung von Kurztexten (nicht länger als 140 Zeichen). Jeder angemeldete User kann selber solche Texte (so genannte Tweets) erstellen, aber auch lesen. Dazu »folgt« man anderen Usern, deren Tweets interessant sein könnten. Tweets erhalten sehr oft Links zu Bildern oder Webseiten. Es ist sinnvoll, Twitter nicht nur auf dem Computer, sondern auch auf mobilen Geräten zu benutzen.

Es gibt viele Twitterer, die Twitter dazu benutzen, ihren Tages- und Wochenablauf zu dokumentieren – und ihrer Leserschaft jeweils mitteilen, wann Montag ist, wann es schneit und was sie gerade zum Znacht essen. Man kann sie aber gerne ignorieren, wenn man möchte – und sich auf die Quellen konzentrieren, welche interessante Inhalte bereitstellen.

 

2. Wie sehen News- und Hintergrundartikel auf Twitter aus?

Hier drei Beispiele:

Man sieht: Die 140 Zeichen lassen nur eine Ahnung darüber zu, worum es im Text selber geht. Man informiert sich also nicht per se via Twitter, sondern über die darin verlinkten Artikel, die den Artikeln auf den Online-Portalen und oft auch denen in den gedruckten Zeitungen entsprechen.

 

3.  Was ist der Vorteil von Twitter?

Würde man nicht Twitter nutzen, könnte man
a) Zeitungen abonnieren
b) Feeds im RSS-Feedreader abonnieren
c) Booksmarks verwenden, um Newsportale regelmässig anzusehen.

Twitter hat in Bezug auf diese Möglichkeiten folgende Vorteile:

  • Informationen aus allen Kanälen (auch aus internationalen)
  • genaue Auswahl von Themen: viele Newsportale wie die FAZ und die Zeit bieten nach Themen getrennte Twitterkanäle an
  • aktuellste Form der Newsbeschaffung
  • personalisierte Empfehlungen – man weiß, wer und warum einen Text empfiehlt
  • direkter Zugang über JournalistInnen: viele twitternde JournalistInnen kommentieren die eigene Arbeit und ermöglichen einen persönlichen Zugang zu Informationen

 

4.  Fragen und Antworten

Muss man immer alle Texte sofort lesen?
Mit Instapaper kann man Links für eine spätere Lektüre markieren und sie dann auf dem Gerät lesen, auf dem man sie lesen möchte (oder auch ausdrucken…)

Muss man auch selber twittern – oder kann man nur lesen?
Es ist völlig unnötig, selber Tweets zu verfassen. Twitter basiert generell nicht auf gegenseitigen Freundschaften, sondern auf einseitiger Leserschaft: Nur weil ich bei der FAZ mitlese, liest die FAZ natürlich nicht bei mir mit.

Wie findet man interessante Twitter-Konten, denen man folgen kann?
Ich folge momentan 175 Konten. Ich lese fast alle Tweets, zumindest überfliege ich sie. Wenn man regelmäßig Tweets liest, kommen immer auch Tweets von Konten vor, denen man nicht folgt. Dann kann man probehalber mal eine Weile lang lesen, was die Leute twittern – und so entscheiden, ob sie längerfristig lohnend sind.

Gibts auch Nachteile?

  1. Nicht alle interessanten Print-Artikel sind online verlinkbar. Aber auch die werden auf Twitter erwähnt. Nicht alle können dann SMD oder Swissdox online abrufen und die Artikel nachlesen. Doch dieser Nachteil wird m.E. dadurch aufgewogen, dass man viel mehr Publikationen lesen kann.
  2. Twitter transportiert traditionell technik- und interenetaffine Artikel und spricht eine gebildete Elite an. So kann eine gewisse Einseitigkeit entstehen.
  3. Man muss sehr aufpassen, dass man seine Quellen immer wieder überprüft und anpasst. Es passiert gern, dass man unliebsame Twitterer abstellt – und so verpasst, was Leute mit einer anderen Gesinnung denken.
  4. Overkill – man kann so viel lesen, dass man vielleicht nicht mehr mitkommt. Man darf sich nicht scheuen, auch einmal ein paar Stunden Tweets zu ignorieren.
  5. Gratiskultur: All das kostet nichts, das heißt, die JournalistInnen, welche wichtige Arbeit leisten, erhalten kein Geld dafür. Das ist tatsächlich ein Problem – für gute Texte will ich etwas zahlen. Ich hoffe und erwarte, dass mir die wichtigsten Newsportale dafür auch die Möglichkeit geben.

So, das kann man nun diskutieren…

4 thoughts on “Warum ich nur für News und Hintergrundlektüre nur noch Twitter brauche

  1. Vielen Dank für diese ausführliche Dokumentation. Bis jetzt war ich der „Bookmark-Typ“ der regelmässig Newspages abgegrast hat. Mal schauen wie mir Twitter so zusagen wird.

  2. „Ich hoffe und erwarte, dass mir die wichtigsten Newsportale dafür auch die Möglichkeit geben.“

    -> in der Zwischenzeit kann der Autor ja für jeden guten Text einen Franken an das Rote Kreuz spenden. Dort ist das Geld allemal besser aufgehoben als bei Tamedia&Co ;)

  3. Pingback: Warum man statt Twitter, RSS für News und Hintergründe brauchen sollte | medienzeuge

  4. Pingback: Leserfrage: Richtig informiert sein im digitalen Zeitalter | Schule und Social Media

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