Fw: Bitte weiterleiten..

Heute habe ich eine Mail mit obigem Titel erhalten. Sie war adressiert an 143 Emailadressen, die alle einsehbar waren.

Dann folgen 10 weitere Adressblöcke mit je ca. 150 Mailadressen (150 scheint so die ungefähre Anzahl Mailadressen zu sein, die man so in seinem Adressbuch hat – die Dunbar-Zahl, wen wundert’s).

Dazwischen stehen dann Kommentare wie dieser:

bitte ganz unde läse! glaub zwar nöd dra aber wänns würkli so isch sägi nöd nei zum gäld und uf die 5 minute chunts ja jetzt au nüme druff ah öbis wiiterschicke oder nöd ;)

Oder:

ja däm fall probieret mers au mal us…
ebe verlüre chamer ja nüt… ;-)

Oder:

hahaha, wer nichts wagt, der gewinnt nichts ;-)))
drum witersleite!
good look ;-)

Und sogar in Standardsprache (oder so):

bitte lesen
wenn das stimmt wäre das ja leicht verdientes geld.
wenn nicht habe ich 5 minuten meiner zeit für einen seich investiert.
da habe ich doch schon mehr zeit für einen grösseren seich benötigt.
probiert es aus

Und dann kams:

Nehmt das Ernst!!
Normalerweise sende ich keine Nachrichten dieser Art, aber diese Nachricht kommt von einer sehr guten Freundin, meiner Freundin, diese ist Anwältin und es scheint eine interessante Möglichkeit zu sein.
Wenn Sie sagt, dass es funktioniert, dann funktioniert es auch.
Jedenfalls kann man nichts dabei verlieren.

Folgendes hat sie mir erzählt:
Ich bin Anwältin und ich kenne das Gesetz. Das ist eine Tatsache..
Täuscht euch nicht, AOL und Intel halten ihre Versprechen aus Angst, vor Gericht gebracht und mit Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert zu werden, so wie es Pepsi Cola mit General Electric vor kurzem gemacht hat.

Liebe Freunde, haltet dies bitte nicht für einen dummen Scherz.

Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen. Wenn ihr darauf nicht reagiert, könnte es Euch später leid tun. Windows ist noch immer das am häufigsten genutzte Programm. Microsoft und AOL experimentieren gerade mit diesem per e-Mail versandten Text (e-mail beta test) Wenn ihr diese Mail an Freunde versendet, kann und wird Microsoft zwei Wochen lang euren Spuren folgen.
Für jede Person, die diese Nachricht versendet, zahlt Microsoft 245 Euro.
Für jede Person, der ihr diese Nachricht geschickt habt und die sie weiterleitet, bezahlt Microsoft 243 Euro. Für die dritte Person, die sie erhält, bezahlt Microsoft 241 Euro.

Nach zwei Wochen wird sich Microsoft mit der Bitte um Bestätigung der Postanschrift an Euch wenden und euch einen Scheck schicken.

Mit freundlichen Grüßen
Charles S. Bailey General Manager Field Operations 1-800-842-2332 Ext..
1085 or 904/245-1085 or RNX 292-1085

Ich habe dies für Betrug gehalten, aber zwei Wochen, nachdem ich diese Mail erhalten und sie weitergeleitet hatte, bat mich Microsoft um meine Postanschrift und ich habe einen Scheck über 24800 Euro erhalten.
Ihr müsst antworten, bevor dieser Test beendet wird. Wenn jemand von euch diese Möglichkeit hat, sollte er sie nutzen. Für Bill Gates sind dies Ausgaben für eine Werbekampagne. Bitte sendet diese Nachricht so Vielen Leuten wie möglich. Ihr solltet mindestens 10000 Euro erhalten.

Wir wären ja bei der Weiterleitung dieser Mail nicht behilflich, wenn nicht auch für uns etwas dabei herausspränge.
Eine Bekannte meines Vaters hat sich vor einigen Monaten hier eingeklinkt.
Als ich sie zuletzt besucht habe, hat sie mir ihren Scheck gezeigt.
Die Summe betrug 4324,44 Euro als Gesamtleistung.

Freundliche Grüsse

Urs XXX

¢  ¢  ¢  ¢  ¢  ¢  ¢

Stadt Luzern
Immobilien

Dazwischen mehrfach Einschübe wie dieser:

Nun mag eine solche Angelegenheit bedenklich sein für Arbeitgebende wie Bellini oder die Stadt Luzern – weil ihre Mitarbeitenden zwar hübsche Disclaimer mitverschicken, aber ihre Mail-Accounts für das Verschicken von idiotischen Hoax-Mails missbrauchen und so Firmenkundendaten (bzw. -Mailadressen) an Leute wie mich verschicken, die jetzt diese ca. 1500 Mailadressen jemandem weiterverkaufen könnten.

Viel interessanter scheint mir jedoch die Aussage zu sein, man dürfe 5 Minuten investieren, selbst wenn die Aussicht auf Erfolg verschwindend klein sei (die vernichtend kleine Erfolgschance zeigt sich an den Formulierungen der Mails, an den unwahrscheinlich hohen Beträgen, an der mangelnden Logik des Geschäftsvorschlags etc.)

Nun rechnen wir mal:

Fall 1: 5 Minuten umsonst investiert
Kosten: 5 Minuten Arbeitszeit, also ca. 5 Franken.
Wahrscheinlichkeit: 99.99% (tatsächlich viel höher)

Fall 2: 5 Minuten sinnvoll investiert
Gewinn: Ca. 15’000 Franken (so genau weiß man das ja nicht)
Wahrscheinlichkeit: 0.001% (tatsächlich viel weniger)

Erwartungswert: -5 Franken + 1.50 Franken = -3.50 Franken.

Fazit: Wenn man sich entscheidet, die Mail weiterzuleiten, kann man vernünftigerweise damit rechnen, 3 Franken 50 zu verlieren.

Was zeigt das?

  1. Menschen vergessen Wahrscheinlichkeitsrechnung, wenn es um hohe Beträge geht.
  2. Menschen denken, 5 Minuten ihrer Zeit sei nichts wert.

3 thoughts on “Fw: Bitte weiterleiten..

  1. Auch ich habe diese Mail ab und zu erhalten. Von Freunden! Vor längerer Zeit. Sie kursiert noch immer! Fragen über Fragen! Wer hat das gestartet? Weiss Bill Gates davon und ist es ihm egal? Haben noch keine Arbeitgeber Schritte unternommen gegen schludrigen Datenumgang und Zeitverschwendung am Arbeitsplatz? Wie heisst diese tolle Anwältin? Wenn sie sagt es funktioniert, dann funktioniert es auch!Ist das legal?
    Ohne Anstrengung viel Geld zu bekommen ist wohl immer reizvoll, und magisches Denken, die grosse Bereitschaft, wider alle Vernunft an etwas zu glauben, ist stark. Aber da kauf ich mir doch lieber ein Swisslos oder fülle den Lottozettel aus und belästige meine Freunde! nicht mit Spam.

    • Auf diese Frage läuft das alles raus, natürlich – und man könnte sofort den Zusammenhang zwischen Geld und Zeit ad absurdum führen.
      Die Berechnungsmethode basiert aber auf diesen Begründungen – es kommt auf fünf Minuten nicht an, weil ich damit vielleicht sehr viel Geld erhalten kann.

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