Antifeminismus – abschließende Betrachtungen

Vor ein paar Tagen habe ich ein paar Probleme aufgelistet, mit welchen die Bewegung, die sich »Antifeminismus« nennt, zu kämpfen hat. Nämlich: Anstatt konkret Probleme des Rollenbildes »Mann« zu beschreiben und Lösungsansätze aufzuzeigen, fokussiert diese Bewegung auf etwas, was sie selbst »Feminismus« nennt, was aber mit dem, was »Feminismus« war oder ist, herzlich wenig zu tun hat.

Wie sich in diesem humorvollen Artikel von Joel Bedetti zeigt, haben die Vertreter des Antifeminimus‘ wohl noch ganz andere Probleme.

Dennoch möchte ich die Diskussion in den Kommentaren zu meinem letzten Post aufgreifen und einige Punkte kommentieren:

  1. Das Problem der Quote.
    In den Kommentaren heißt es:

    Die Quote schafft ja gerade Ungleichbehandlung und zwar alleine aufgrund von Geschlecht! Ausserdem wird den Frauen somit das alleinige Privileg, alleine aufgrund von ihrem Geschlecht über das Gesetz in eine Position zu kommen.

    Eine konstruierte, nicht bewiesene (Ungleichverteilung ist nämlich kein Beweis!) Ungleichbehandlung aufgrund von Geschlecht von Frauen wird durch eine reale Ungleichbehandlung der Männer ersetzt!

    Zunächst fordert »der Feminismus« nicht per se eine Quote – vielmehr ist die Quote heute in Deutschland ein wirtschaftliches Bedürfnis, das deshalb von der CDU/CSU aufgegriffen wird, weil es der Wirtschaft nützt, nicht aber unbedingt »den Frauen«. Man lese dazu Antje Schrupps aufschlussreichen Kommentar.
    Der Logik im oben stehenden Zitat möchte ich dennoch widersprechen: Es gibt nicht realere und weniger reale Formen von »Ungleichbehandlung«. Diskriminierungen sind immer real, insbesondere für die davon Betroffenen. Quoten sind nicht ein Instrument, um diese Formen von Diskriminierung aus der Welt zu schaffen, sondern ein Mittel, den lange Zeit diskriminierten Gruppen dabei zu helfen, Fuss zu fassen. Ob dieses Mittel ideal ist, kann ich nicht beurteilen. Aber wenn in Deutschland Frauenquoten von 40% gefordert werden, kann ich kein Problem hinsichtlich einer Diskriminierung von Männern dabei sehen.

  2. Die Feststellung, die Gleichstellung und Emanzipierung der Frauen gehe zulasten der Männer, ist logisch bedingt: Wenn Männer mehr Rechte/Chancen als Frauen hatten bzw. haben – dann haben sie im Verhältnis zu den Frauen weniger Rechte, wenn diese gleich viel Rechte haben. Das ist nicht ein Problem des Feminismus, sondern ein Problem der jahrhundertelangen Unterdrückung der Frau.
  3. In der aktuellen P.S. hält Markus Ernst Müller treffend fest:

    Was mich jedoch irritiert ist, dass man(n) heute anscheinend die Diskriminierung der Männer behaupten kann, ohne ausgelacht zu werden. Drei Punkte, gebetsmühlenartig repetiert, reichen als Belege dafür: Die Militärpflicht, das höhere Rentenalter der Männer und die Praxis beim Sorgerecht.

    Dazu kommen noch die »Quartiere« in Wien, in denen nur Frauen wohnen dürfen, sowie die »Männersteuer«. Zu diesen Punkten kann man aus heutiger Sicht Folgendes festhalten:
    a) Die Wehrpflicht ist ein alter Zopf und wird in den nächsten 10 Jahren verschwinden.
    b) Die Rentenalter gehören angeglichen – ein Prozess, der in der Schweiz aber noch Jahre dauern wird, weil tendenziell die Rentenalter aus volkswirtschaftlichen Überlegungen angehoben werden müssen (also dasjenige der Frauen erhöht werden muss).
    c) Die Praxis beim Sorgerecht führt zu Fällen, in denen Väter ungerecht behandelt werden – basiert aber auf der Tatsache, dass Frauen hauptsächlich die Betreuung der Kinder übernehmen. Warum sollten Väter, welche sich nicht um ihre Kinder kümmern, generell auch das Sorgerecht erhalten? [Und noch eine Bemerkung zur Schweiz: Wenn man im Konkubinat lebt, ist es problemlos möglich, das gemeinsame Sorgerecht für gemeinsame Kinder zu erhalten.]
    d) Es handelt sich um einen Wohnblock, in dem auch Männer wohnen dürfen.
    e) Die Männersteuer ist gemäß den Zitaten in diesem Post eine weitere Idee, die faktische Ungleichheit der Geschlechter durch eine staatliche Intervention (in einer anderen Form) aufzuheben. Wir sprechen von einer Idee – nicht einer Tatsache. Genau so ist es eine Idee, dass Frauen zur Unterhaltung der Männer attraktiv aussehen sollen. Oder, dass Frauen gut kochen, bügeln und putzen sollten. Oder, dass Frauen weniger gut autofahren können als Männer. Alles Ideen.

  4. Welcher Feminismus?

    Ihr solltet euch mal mit dem HEUTIGEN Feminismus beschäftigen und nicht mit einem fiktiven Feminismus vor 50 Jahren.

    So die Forderung in den Kommentaren. Verwiesen wird dabei auf Matusseks »Die vaterlose Gesellschaft« und seine Sichtweise auf den Feminismus, oder aber auf schwedische Übersetzungen von SCUM. Es tut mir Leid, Herren Antifeministen: Ich glaube noch immer nicht, dass Sie auch nur die leisteste Ahnung haben, was FeministInnen gedacht haben oder aber heute denken – und wie leistungsfähig und fortschrittlich feministische Theorie ist. Vielleicht sprechen Sie nur über konkrete Veränderungen, welche dem Feminismus zugeschrieben werden können: Z.B. ein Bewusstsein für sexuelle Gewalt gegen Frauen, ein Bewusstsein für die Arbeit, welche Frauen im Haushalt und bei der Betreuung von Kindern ohne Anerkennung und ohne finanzielle Entschädigung leisten. Eine Sensibilisierung für das Problem, dass Männer Familie und Karriere selbstverständlich vereinbaren können, Frauen selbstverständlich nicht. Oder aber mindestens die periodische Erwähnung der Tatsache, dass Frauen immer noch weniger verdienen (für die gleiche Arbeit) als Männer.

    Vielleicht wollen auch Sie konkrete Arbeit leisten. Dann fordere ich Sie auf:
    a) Beziehen Sie doch Expertinnen und Experten in ihre Arbeit ein.
    b) Schlagen Sie Wege vor, wie Männer aus ihrem »ungesunden Lebensstil« ausbrechen können.
    c) Zeigen Sie jugendlichen Homosexuellen vor, wie sie ihre sexuelle Präferenz würdig leben können.
    d) Verdeutlichen Sie, dass Ihnen an der Betreuung von Kindern liegt – nicht aber an einem abstrakten Sorgerecht.
    e) Sprechen Sie über Gewalt von Frauen an Männern – aber auch über (sexuelle) Gewalt von Männern an Frauen.

8 thoughts on “Antifeminismus – abschließende Betrachtungen

  1. Ich kann diese Typen wirklich nicht ernst nehmen. Ich bezweifle nicht, dass sie selber schwierige Geschichten erlebt haben und sich ungerecht behandelt fühlen, aber was sie politisch von sich geben strotzt vor Unwissen und Absurdität.
    Was die Feministinnen in den 80 Jahren forderten und zum Teil auch erreicht haben, hat sich für alle Frauen UND für die Männer und Kinder positiv ausgewirkt.
    Wir wollten eine andere Form des Zusammenlebens mit unseren Männern, wir wollten Anerkennung für soziale Reproduktion und unsichtbare Arbeit usw., du hast das ja alles erwähnt, Philippe. Die meisten jungen Männer trauen sich heute die Sorge um ihre Kinder, auch Babies, durchaus zu. Sie wollen nicht mehr nur anschaffen und Versorger sein. Auch das ist eine Errungenschaft des Feminismus. Grundsätzlich bleiben Frauen beruflich nach wie vor unter der gläsernen Decke, aber im zwischenmenschlichen und privaten Bereich haben wir viel erreicht – für ALLE.

  2. „Quoten sind nicht ein Instrument, um diese Formen von Diskriminierung aus der Welt zu schaffen, sondern ein Mittel, den lange Zeit diskriminierten Gruppen dabei zu helfen, Fuss zu fassen. “

    Wenn man es sich leisten kann Stellen über Quoten zu besetzen und nicht nach Qualifikation, kann das nur eines bedeuten: Für die Stelle ist von vorne herein nie eine sonderliche Qualifikation oder Fähigkeit erforderlich gewesen. Ein weiteres Problem von Quoten ist es, dass es nicht klar ist welches Quotenkriterium nun das dringlichste ist. Wer Quoten als Mittel fordert, um lange diskriminierten Gruppen zu helfen, der muss neben Quotenfrauen auch Quotenmigranten, Quotenbehinderte usw. einsetzen, beziehungsweise eine entsprechende Dringlichkeitsliste erstellen.

    • Die Annahme wäre ja die, dass bei Systemen ohne Quote der beste Bewerber oder die beste Bewerberin die Stelle bekommt. Diese Annahme ist umstritten – wäre sie wahr, dann wären Quoten tatsächlich problematisch.
      Die Aussage, dass verschiedene diskriminierte Minderheiten Quoten als Mittel benutzen oder fordern könnten, ist absolut richtig, wie ich finde.

  3. Liebe Britta,

    ich bin froh nicht zu „ALLEN“ zu gehören die in den Genuß von dem was der Feministinnen zwischenmenschlich und privat „erreicht“ haben kommen.

    • Das verstehe ich nicht. Sie leben in diesem Falle in einer Welt mit festen Rollenbildern, von denen man nicht abweichen kann? In einer Welt, in der es absolute Tabus in Bezug auf Lebensführung, Sexualität und Berufsleben gibt?

  4. Feste Rollenbilder sind eine Sache. Allerdings zeigt die Biologie immer mehr, dass durchaus Unterschiede zwischen den Geschlechtern vorhanden sind, die diese Rollenbilder begünstigen.
    Die Theorie im Feminismus ist da eher wackelig. Beauvoirs Annahmen sind wahrhaftig nicht mehr der Stand der Technik und was Judith Butler an Theorie aufbaut bezieht sich zu einem nicht geringen Teil auf den doch recht überholten Freud bzw. Leute die sich auf ihn berufen. Foucaults Geschlechtertheorien, nachdem es um Konstruktion und Macht geht passen auch nicht zur modernen Biologie.
    Schon einfache Prinzipien der Evolutionstheorie wie etwa die sexuelle Selektion sind mit der Queertheorie nicht vereinbar, weil sie vererbare Attraktivitätsmerkmale für jedes Geschlecht voraussetzen und Anzeichen für sexuelle Selektion gibt es beim Menschen genug.
    Insofern gibt es schon einiges gegen den Feminismus zu sagen.

  5. Ich würde eine Frau, die durch Quoten an den Job gekommen ist nicht ernstnehmen…weder als Kollegin noch als Chefin.

    Ich nehme Frauen, dank dem Opfer – Feminismus sowieso nicht mehr für voll…sie rangieren für mich zwischen kleinen Kindern (Prinzesschen) udn geistig Behinderten. Unselbstständig und nur am jammern, quengeln…

  6. Frauenquoten sind doch super!
    Ich bin für mindestens 40% Frauen in:
    -der städtischen Müllabfuhr
    -der Kanalisationsreinigung
    -Handlangerjobs in Küchen
    -billige Malocher auf dem Bau

    Ach so! Ihr wollt bloss 40% in den Vorständen! Na da bin ich aber dagegen…!

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