Gender und Das Magazin – Birgit Schmid in Zitaten

Als Beispiel für Frauen, welche feministische Positionen und Probleme kennen, aber in ihrer journalistischen Arbeit diese Kenntnisse teilweise vernachlässigen oder ignorieren, habe ich in meinem Blog Michèle Binswanger schon mehrfach erwähnt – und werde damit nun aufhören (Frau Binswanger ist meiner Meinung nach eine intelligente, humorvolle Journalistin, die auch kritikfähig ist: das soll auch mal geschrieben sein).

Per Tweet hat Michèle Binswanger auf die Magazin-Artikel von Birgit Schmid hingewiesen:

Ein Fall für @kohlenklau: „eine Frau bleibt von Natur aus lieber auf sich gestellt, will sie es schaffen.“ Birgit Schmid in #dasmagazin

Der betreffende Artikel heißt »Der Vitamin-B-Mangel der Frau«. Daraus die Zitate, welche Schmids Position in Gender-Fragen deutlich machen:

Doch heute schliessen Männer Frauen kaum mehr aus, weil sie halt lieber unter sich bleiben. Sondern, so unbequem es klingt: Eine Frau bleibt von Natur aus lieber auf sich gestellt, will sie es schaffen.

Den meisten Frauen bringt das kompetitive Verhalten keinen Lustgewinn.

So gut Frauen auch im familiären und emotionalen Vernetzen sind, der Sinn für «soziales Kapital» fehlt ihnen.

Männer blicken zudem auf eine lange Erfahrung im halb privaten «Buddying» zurück, geprägt durch Militärdienst oder Studentenverbindung. Man steht notfalls für den andern ein, der nicht zwingend der beste Kumpel sein muss.

Aber wenn eigene Vorteile bedroht sind, scheint die Schwesterlichkeit aufzuhören, ob in einem Netzwerk oder einer Arbeitsgemeinschaft. Könnte ja sein, dass der Vorteil, den ich jemandem verschaffe, mir zum Nachteil wird. Die Rivalität wird nicht offen ausgetragen, das tun Frauen weniger: Sie wetteifern ja offiziell nicht. Frontalangriffe sind plump, unfeine Neigungen zu unterdrücken. Man misst sich viel unterschwelliger, dafür unter Einsatz der ganzen Person. Jede Offensive wird persönlich genommen. Klar, verbindet sich dann eine Frau, für die ihre Karriere zum Überlebenskampf wird, lieber nicht in einem weitläufigen Netz. Denn überall lauert potenzielle Gegnerschaft.

Eine Frau will die Beste, Schönste, Einzige sein und geliebt werden.

Spricht man mit jüngeren Wirtschaftsfrauen, so fällt einem überhaupt auf: Sie scheinen oft gar kein so grosses Problem zu haben, als einzige Frau im Verwaltungsrat einer Firma zu sitzen. Als ob sie es irgendwie halt doch geniessen, diesen Sonderstatus zu haben.

Der Text gehört zu dem, was den Niedergang des Tages-Anzeiger-Magazins ausmacht: Thesenjournalimus. Diese These in der rohesten Form: Es gibt wenig Frauen in Führungspositionen. Grund: Frauen sind selber Schuld. Warum? Sie sind »von Natur aus« so, wie man nicht sein sollte, um Führungspositionen zu erlangen. Schluss: Frauen müssen werden wie Männer. Das System lässt sich ja nicht ändern, denn wir leben in der besten aller möglichen Geschäftswelten.

* * *

Dann noch das zweite Beispiel, ein Text, dessen Titel schon alles sagt: »Männer sind im Bett die neuen Frauen«. Um nur ein Zitat zu verwenden:

Die Emanzipation des Mannes würde dann bedeuten: Er muss keineswegs immer wollen müssen.

Wenn das keine tiefgründige Einsicht ist. Danke, Frau Schmid.

* * *

Zu diesen Themen kann man wenig lesen, das durchdachter wäre als die Blogposts von Antje Schrupp. Birgit Schmid hätte z.B. zum Thema Frauen und Karriere Antje Schrupps Kommentare zur Karriereforschung lesen sollen. Dort heißt es in einem Fazit:

Die Zufriedenheit von Frauen ist ja wohl kein Argument. Frauen sollen sich nützlich machen, das war schon immer so. Die Wirtschaft braucht sie eben. Und diese teure Uniausbildung, die können sie doch nicht einfach so im Mittelfeld verplempern. Also: Ab in die Führungsetagen. Ob es ihnen da gefällt oder nicht. Und bloß nicht rummeckern.

Denn, nicht vergessen: Sie strömen nur so auf den Arbeitsmarkt, die Frauen. Sie sind also potenziell gefährlich. Da wollen wir sie gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen lassen. Nicht, dass sich das ausbreitet. Am Ende fällt den Männern auch noch auf, dass sie in ihren Führungsjobs eigentlich gar nicht so zufrieden sind, wie sie immer dachten. Dass ihnen der ganze Drang zum Führertum bloß ansozialisiert worden ist.

 

4 thoughts on “Gender und Das Magazin – Birgit Schmid in Zitaten

  1. Es ist schon spät, also wird der Kommentar vielleicht nicht ganz so akkurat, aber kurz gefasst; Erfolgreiche Männer mit Macht wirken auf viele Frauen anziehend; umgekehrt ist oft das Gegenteil der Fall; erfolgreiche Frauen wirken auf viele Männer einschüchternd.
    Also hat Machtgewinn für Männer einen Zusatznutzen, während bei Frauen das Gegenteil der Fall ist.
    Ich weiss, das ist jetzt ganz doofer Biologismus… Und verstehen tu ich das auch nicht (warum finden soviele junge Blondinen alte reiche Säcke attraktiv?) aber offenbar «funktioniert» das so.

    Naja vielleicht doch schon etwas spät…

  2. Ich sehe das Problem schon – das »ist« in einer gewissen Art und Weise sicher so. Mich stört dabei hauptsächlich die Haltung, dass diese Feststellung (ohne biologische Ursachen von sozialen unterscheiden zu wollen) so gemacht wird, als ließe sich daran nichts ändern; oder knapper: Als sei nicht das Problem, dass die reichen alten Säcke als attraktiv angesehen werden, sondern dass die Frauen nicht wüssten, wie sie selber zu reichen alten Säckinnen werden können. Als könnte man »am System« nichts ändern… 

  3. Ich würde mal sagen, da gibt es ganz viele Leute, die wollen das System gar nicht ändern, weil das für sie so ganz formidabel funktioniert – wenn jung und schön sein reicht, einen alten reichen Kerl zu angeln, wozu dann selbst arbeiten?
    Blöd gesagt, warum gegen ein System kämpfen, das einem hilft, wenn man es nur richtig zu nützen weiss? Hast du mal Cedric Wermuth’s äussere Wandlung beobachtet? Da hat sich offensichtlich auch einer gesagt; warum «sinnlos» gegen gewisse Kleidungskonventionen verstossen – wenn es doch viele Dinge einfacher macht, sich an die Umgebung anzupassen, in der man sich bewegt.

    Kann ich nachvollziehen. Das ist wohl bei Frauen noch viel extremer. Wie war das gleich nochmal mit Nathalie Rickli ;-) Sie nutzt ihr Äusseres, weil es funktioniert. Warum sollte sie (und viele andere) ein System bekämpfen, dass ihr nützt?

  4. Es kommt noch schlimmer. Frau Schmid ergiesst sich im letzten Magazin seitenlang, um uns die Denke ihres Freundeskreis näher zu bringen. Banal und absolut frei von Recherche, verallgemeinert zu Thesen- und Meinungsjournalismus.

    Schmid schreibt: „Sich Feminisitin zu nennen macht sich gut. Die Sympathien sind einem sicher.“
    Vielleicht sollte Frau Schmid mal nicht nur ihren eigenen Bauchnabel und andere Kreise als ihre eigenen Freundeskreis befragen. Das tun doch seriöse JournalistInnen, wenn sie über etwas berichten; mit den Leuten reden, sie fragen, was sie von Frauen denken, die von sich sagen, dass sie Feministinnen sind. Und dann darüber berichten. Statt sich an einem netten Abendessen unter ‚friends‘ im eigenen Saft zu wenden und das bestätigt zu finden, was man sowieso schon zu wissen glaubt. Um das dann auch noch ausführlich als der Wahrheit letzter Schluss den LeserInnen zu präsentieren.

    Dass ihr Freundeskreis nicht die Welt ist, scheint Frau Schmid gar nicht in den Sinn zu kommen. Womöglich wendet sie sich tatsächlich zu sehr dem Privaten zu, wie sie selber sagt – ihrem eigenen Privaten. Und das Private von Frau Schmid ist offensichtlich ein ziemlich beschränkter Teil von Welt, ihre Beobachtungen dazu entsprechend frei von Scharfsinn.

    Schade um das, was einmal Recherchejournalsimus mit Tiefgang war. Nun reicht es offensichtlich ganz aus dem eigenen Freundeskreis und der eigenen Befindlichkeit als Mittelklassefrau vom Schreibtisch aus den LeserInnen die Welt zu erklären. Die Probleme, die Frau Schmid da vorfindet, würde auch ich unter Luxus subsumieren. Gemessen etwa an den Vereinbarkeitsproblemen, die Mütter und Väter heute auch in unseren Breitengraden haben (und von denen Frau Schmid aus naheliegenden oder vielleicht auch persönlichen Gründen nichts wissen will), an der Armutsgrenze, an der Alleinerziehende entlang leben oder der misslichen Lage, der Care-Arbeiterinnen ausgesetzt sind, ist die Klage um den zweitbesten Platz im Theater tatsächlich purer Luxus. Nur, es gibt eben auch in Mitteleuropa und in der Schweiz ein paar andere unbequeme Realitäten. Um diese zu sehen, müsste man sich aber aus der warmen Schreibstube in die Welt hinaus bewegen wollen.
    Diese Realitäten ausser Acht zu lassen, ist auch eine Art bezahlter Luxus, den sich nicht viele JournalistInnen leisten können. Frau Schmid offenbar schon. Da frage ich mich, woher eigentlich dieses ganze Ressentiment? Sie hat es doch gut, unsere Frau Schmid…

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