Ausländerkriminalität und Statistik: Zwei Beispiele

Die Rede über die Kriminalität von Ausländern (Ausländerinnen spielen da oft eine untergeordnete Rolle) hängt ab von dumpfen Bauchgefühlen, welche schwer in Argumente überzuführen sind – und von Statistiken. Statistiken scheinen Argumente sehr gut belegen zu können, sind jedoch, wenn es es um Ausländerkriminalität geht, meist schwer verständlich.

Ein Beispiel findet sich in der schönen neuen WoZ: Dinu Gautier zeigt in »Der Afrikaner an und für sich« (S. 2) auf, wie tendenziös Katia Murmann vom Sonntag mit Statistiken gearbeitet, als sie verkündete, Afrikaner seien die kriminellsten Ausländer. Beispielsweise hat sie eine Verdachts- anstatt eine Verurteilungsstatistik verwendet und anstatt Verbrechen alle Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch angeschaut. Zudem kommt es immer darauf an, wie man über Statistiken spricht. Dinu Gautier hält fest, dass Menschen aus Angola, Nigeria und Algerien (die drei Länder an der Spitze der seltsamen Murmann-Statistik) für 190 Taten verdächtigt werden – SchweizerInnen hingegen für 11’777. So relevant ist das, also, für unsere Sicherheit.

Ein weiteres Beispiel ist das Buch von Kirsten Heisig, der »Richterin Gnadenlos«, die das Problem der Jugendgewalt in Berlin analysiert. Zu den von ihre verwendeten Statistiken merkt Christian Pfeiffer, einer der angesehensten Kriminologen Deutschlands, im Cicero vom September 2010 an:

Wenn der deutsche Max vom deutschen Moritz angegriffen wird, beträgt die Anzeigequote 19.5%. Sie steigt hingegen auf 29.3%, wenn es sich beim Täter um den türkischen Mehmet handelt. Bei der umgekehrten Konstellation, dass ein junger Migrant von einem deutschen Täter angegriffen wird, sinkt sie dagegen auf 18.9%. Junge Deutsche haben also ein erheblich niedrigeres Risiko als junge Migranten, wegen ihrer Taten eine Strafverfolgung zu erleben.

Und weiter:

[Die Unterschiede zwischen jungen Migranten und jungen Deutschen] verschwinden völlig, wenn wir nicht mehr länger Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern deutsche Jugendlichen mit solchen jungen Migranten, die denselben sozialen Verhältnissen entstammen, die keine innerfamiliäre Gewalt erlebt haben, die die Normen der Machokultur ablehnen und schulisch mindestens den Realschulabschluss anstreben.

Das Fazit aus diesen Überlegungen: Entscheidend sind bei der Kriminalität die sozialen Verhältnisse der TäterInnen, nicht ihr Migrationshintergrund oder aber ihre Nationalität. Ansetzen müsste man also bei diesen sozialen Verhältnissen, wenn Kriminalität denn überhaupt ein Problem ist – ich bin der dezidierten Meinung, dass Kriminalität und Jugendkriminalität nicht zu den 10 dringendsten Problemen der Schweiz gehören, weil die Kriminalitätsrate sehr tief liegt.

2 thoughts on “Ausländerkriminalität und Statistik: Zwei Beispiele

  1. Zwei Dinge zum Bedenken:
    1.) Die Kriminalstatistik des Bundesamtes für Polizeiwesen sollten herunterladen und lesen, bevor Sie über die Journalistin von Sonntag herziehen. Diese zählt tatsächlich wie von Ihnen moniert nur Strafanzeigen und nicht Verurteilungen. Das ist ein schwerwiegender Mangel in unserem Justizwesen. Im Kanton Bern zum Beispiel erfährt nicht einmal die Polizei, ob im Nachgang zu den Ermittlungen ein Täter verurteilt wurde.

    2.) Bei den Delikten gegen Leib und Leben sind mehr als 50% der Täter Ausländer. Bei 200 Tötungsdelikten pro Jahr sind in 120 Fällen Ausländer die Täter. Die bei weitem häufigste Tatwaffe sind Hieb- und Stichwaffen in 70 Fällen. In dann kommt Strangulieren, Würgen und erst an dritter Stelle mit 30 Fällen werden Schusswaffen eingesetzt. Ca. 90 der Tötungedelikte führen zum „Erfolg“. In den anderen Fällen überlebt das Opfer den Tötungsversuch.

    Ca. 12 bis 15 Personen pro Jahr werden mit Schusswaffen getötet.

    Die ganz allermeisten Delikte mit Schusswaffen werden von Ausländern aus den immer gleichen fünf Staaten begangen. Die Angehörigen dieser Nationalitäten dürfen in der Schweiz legal keine Schusswaffen besitzen, weil diese Nationalitäten im Waffengesetz ausdrücklich mit einem Verbot belegt sind.

    Zu behaupten, das sei drum nur wegen dem sozialen Hintergrund und nicht wegen dem Herkunftsland ist Augenwischerei. In dem Fall herrschen in den betreffenden Ländern eben soziale Zustände, welche der Kriminalität förderlich sind. Also sind wir grad gleichweit bei Ihrem schönen Zirkelschluss.

  2. Das Thema Kriminalität ist ein Problem der Gesellschaft und der Politik. Wenn ein ausländischer Mitbürger in Deutschland staffällig wird, sollte man ihn nach Verbüßung seiner Strafe (und wenn es auch nur Sozialstunden sind) in sein Heimatland „abschieben“, mit einem lebenslangen Einreiseverbot in die Bundesrepublik belegen. Ist der Täter noch minderjährig und seine Familie lebt in Deutschland sollte man die komplette Familie mit ausweisen (soll heissen Vater und Mutter, sowie alle minderjährigen Kinder.)
    Erziehung beginnt nicht im Kindergarten oder in der Schule sondern innerhalb der Familie. Erzieherische Maßnahmen den Schulen, Erziehern, Betreuern, Polizisten und letztendlich Richtern und der deutschen Justiz aufzubürden kann keine Lösung sein.
    Das mag jetzt sehr Ausländerfeindlich klingen, soll es nicht sein. Es gibt genug deutsche Kriminelle, und da habe ich auch eine nicht ganz rechtskonforme Lösungsmöglichkeit. Aber das ist hier ja nicht das Thema.

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