Ringier-Interna: Offene Mail an Helmut-Maria Glogger

Offenbar ist auch im Hause Ringier nicht jeder Journalist (und jede Journalistin) begeistert über den begeisterten Blick am Abend-Mailer Glogger. Letzte Woche ist es nun offenbar »ein klein wenig eskaliert«, wie mir zugetragen worden ist.

Das Resultat ist dieses Mail von einem Ringier-Journi an Glogger (und alle anderen JournalistInnen bei Ringier) – das ich gerne hier publiziere:

Sehr geehrter Herr Glogger

Warum habt ihr brillanten Journalisten eigentlich so grosse Angst vor uns nichtsnutzigen Journalisten, die sich ihrer Meinung gar nicht so nennen dürften (wie Sie das vorhin so fein formuliert haben)?

Es behauptet schliesslich niemand, wir würden investigativen Journalimus betreiben. Unser Job ist es News an den Leser zu bringen. Schnell und multimedial. Und wenn Sie das nicht als Arbeit bezeichnen,  wie eben vorhin in unserer kurzen Unterhaltung, dann möchte ich Sie gerne dazu auffordern, unseren Job nur eine Woche lang zu erledigen. Wobei ich – bei allem Respekt – glaube, dass Sie weder technisch dazu fähig wären, noch dem geforderten Tempo standhalten könnten.

Auf der anderen Seite fragen wir „Copy-Paste-Journalisten“ uns, wo das packende, inspirierende, famos formulierte Material unserer hausinternen Edelfedern erscheint? Wider Ihrer Theorie, werter Herr Glogger, lesen wir durchaus ab und zu Zeitungen und Magazine, was selbst uns dümmliche Wesen, die erstaunlicherweise doch fast alle studiert haben, befähigt, journalistische Qualität zu beurteilen. Ergo fragen wir uns in boshaften Momenten: Rechtfertigt die gezeigte Leistung unserer Diven, dass die einen im Newsroom unter Hochdruck und in Schichtarbeit Artikel raushauen, während andere eine Woche Zeit haben für ihre Werke?

Im Normalfall wollen wir unsere Arbeit nicht mit der Ihren gleichstellen. Hin und wieder überkommt uns etwas Neid. Gerne würden auch wir besseren Journalismus betreiben, gewissenhafter recherchieren und unsere Texte vor der Publikation nochmals überarbeiten oder gar einen Rewriter hinzuziehen. Doch dieser Luxus wird uns nicht gewährt. So ist der Deal. Und wir akzeptieren das – offensichtlich im Gegensatz zu Ihnen.

Also, lassen Sie mich meine Einstiegsfrage nochmals – etwas bodenständiger und meinem Niveau entsprechender – stellen: Was ist genau Ihr Problem, Herr Glogger? Weshalb reden Sie bei jeder Gelegenheit uns und unsere Arbeit schlecht?

Hochachtungsvoll, XY*

* – der Name des Absenders/der Absenderin ist mir bekannt.

7 thoughts on “Ringier-Interna: Offene Mail an Helmut-Maria Glogger

  1. Die Information, dass dieses mail nicht nur an den Herrn Glogger, sondern auch an alle anderen Mitarbeiter im Newsroom verschickt wurde (zumindest gemäss meiner Quelle), macht die Geschichte noch etwas pikanter.

  2. Sorry, dass ich mich nicht google. Daher auch nicht auf Anregungen Ironismen, Bösartigkeiten und schlicht gut geschriebene Kritik stosse.
    Sorry.
    Nun lese ich gerade einen Hilferuf. Eines Journalisten, der sich „klein“ macht, nur, weil er sich als Copy&Paster diminuiert fühlt.
    Quatsch!
    Es gibt keine journalistischen „Stars“.
    Man könnte bei Kollegen aber vielleicht was lernen: Heiko Gebhardt war jahrelang der kreative Kopf beim Stern. Und? Hat er auch nur eine einzige Idee von den ach so grossartigen, jungen, dynamischen Grosskotz-Eleven erhalten? Nein.
    Ich, nebenbei auch nicht. Nicht eine Idee. Ausser einer: Man müsste eine Kolumne schreiben – von einem Mann. Machomässsig. Das würde doch gelesen!
    Oder die grandiosen Ideen: „Man müsste doch was machen über …“
    Über was? Vor-Recherche? Text-Bild-Idee?
    Nix da!
    Nebenbei: Was haben wir denn gemacht? Wir Blick-SonntagsBlick-Cash-Jounrliaten? Das war ja auch eher ein Newsroom.
    Wir haben eben den Agentur-Scheiss nicht geglaubt! Ja. Es gibt noch das gute alte Telefon. Das selbst vom Ringier-Controlling noch bezahlt wird.
    Ein, zwei Anrufe? Und siehe da: Die News kehrt sich ins Gegenteil. Fasziniert. Und dann – es sei auch gesagt – muss frau/man sich einfach wie ein oberbayerischer Dackel in die Story verbeissen.
    Egal, ob die sofort gedruckt wird.
    Sie wird gedruckt. Wenn Sie hammerhart – und dazu noch gut geschrieben ist.
    Noch ein kleiner Hinweis:
    Die Frage geht ja dahin, das ich „technisch nicht fähig bin“, dem Tempo standhalten zu können.
    Da schwafelt ein wahrlich Ahnungsloser.
    In einer Art auch Ehrenrühriges, dass ich das nicht auf mit sitzen lasse. Sollte es weiter verbreitet werden.
    Hetzlichst
    Ihr

    Hel,mut-Maria Glogger

    !– werde nicht mal
    Sehr geehrter Herr Glogger

    Warum habt ihr brillanten Journalisten eigentlich so grosse Angst vor uns nichtsnutzigen Journalisten, die sich ihrer Meinung gar nicht so nennen dürften (wie Sie das vorhin so fein formuliert haben)?

    Es behauptet schliesslich niemand, wir würden investigativen Journalimus betreiben. Unser Job ist es News an den Leser zu bringen. Schnell und multimedial. Und wenn Sie das nicht als Arbeit bezeichnen, wie eben vorhin in unserer kurzen Unterhaltung, dann möchte ich Sie gerne dazu auffordern, unseren Job nur eine Woche lang zu erledigen. Wobei ich – bei allem Respekt – glaube, dass Sie weder technisch dazu fähig wären, noch dem geforderten Tempo standhalten könnten.

    Auf der anderen Seite fragen wir „Copy-Paste-Journalisten“ uns, wo das packende, inspirierende, famos formulierte Material unserer hausinternen Edelfedern erscheint? Wider Ihrer Theorie, werter Herr Glogger, lesen wir durchaus ab und zu Zeitungen und Magazine, was selbst uns dümmliche Wesen, die erstaunlicherweise doch fast alle studiert haben, befähigt, journalistische Qualität zu beurteilen. Ergo fragen wir uns in boshaften Momenten: Rechtfertigt die gezeigte Leistung unserer Diven, dass die einen im Newsroom unter Hochdruck und in Schichtarbeit Artikel raushauen, während andere eine Woche Zeit haben für ihre Werke?

    Im Normalfall wollen wir unsere Arbeit nicht mit der Ihren gleichstellen. Hin und wieder überkommt uns etwas Neid. Gerne würden auch wir besseren Journalismus betreiben, gewissenhafter recherchieren und unsere Texte vor der Publikation nochmals überarbeiten oder gar einen Rewriter hinzuziehen. Doch dieser Luxus wird uns nicht gewährt. So ist der Deal. Und wir akzeptieren das – offensichtlich im Gegensatz zu Ihnen.

    Also, lassen Sie mich meine Einstiegsfrage nochmals – etwas bodenständiger und meinem Niveau entsprechender – stellen: Was ist genau Ihr Problem, Herr Glogger? Weshalb reden Sie bei jeder Gelegenheit uns und unsere Arbeit schlecht?

    Hochachtungsvoll, XY*

    • Ich bin geneigt, diesen Kommentar als (dann eher schlechten) Scherz hinzunehmen. Falls Sie das aber wirklich sind, Herr Glogger: Können Sie den Schluss etwas präzisieren? Wollen Sie festhalten, dass Sie tatsächlich »dem Tempo« standhalten können, während Sie einen Blogpost kommentieren, der im letzten September verfasst worden ist (und einen Brief beinhaltet, der an den ganzen Newsroom verschickt worden ist)? Und wollen Sie eine Art Drohung aussprechen, oder habe ich das falsch verstanden?

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