»Anders als wer?« – worüber bloggen, again

Antje Schrupp stellt in einem interessanten Blogpost folgende Thesen zur Diskussion:

  1. Es ist nicht ergiebig, nach dem Unterschied zwischen dem Denken/Handeln »der Männer« und »der Frauen« zu fragen – weil dadurch das Verhältnis von »normal« (Männer) und »anders« (Frauen) reproduziert wird.
  2. Ergiebiger ist es, Differenzen zwischen den Denk- und Handlungsweisen der verschiedenen Frauen zu untersuchen – weil damit Frauen »als politisch handelnde Individuen« gesehen werden.
  3. Die Leugnung einer Differenz zwischen Männern und Frauen (»darauf kommt es heute nicht mehr an«) führt aus männlicher Sicht dazu »das Normal-sein für normal zu halten«, umgekehrt aus weiblicher Sicht damit zu leben, »dass das Anders-sein das Normale ist«.

Diese Thesen gefallen mir. Sie lassen sich leicht auch auf andere soziale Ausschlussmechanismen übertragen (beispielsweise den Umgang mit der LGBT-Minderheit, wo es auch fruchtbarer ist, die verschiedenen Haltungen bspw. von Lesben und Schwulen zu diskutieren, als eine gemeinsame schwullesbische Perspektive zu konstruieren).

* * *

In den Kommentaren zu diesem Post formuliert Frau Stricktier dann eine radikale Kritik am männlichen Bloggen:

Blogs die mir gefallen sind selten monothematisch, aber sehr häufig von Menschen geschrieben, die durch ihre spezielle Sicht auf die Dinge etwas in mir auslösen, das ich nur mit familiar beschreiben kann.

Warum? Weil mich die Art und Weise anspricht, wie über Dinge geschrieben wird, weil ich gerne bei Anke lese, was wie wieder gekocht hat und bei Frau Elise, wie ihre Spülmaschine abgebrannt ist. Oder bei der vorspeisenplatte mitstaune, wie viele tausend Kilometer am Tag sie schon wieder geschwommen ist und bei HappySchnitzel, wie sie in Berlin ankommt.

Weil ich nicht andauernd KrawallTexte/Kommentare lesen will über das böse/liebe Google, das böse/tolle Streetview, die bösen/altmodischen/hinterwäldlerischen Holzmedien und das liebe liebe liebe Internet.
Oder über die böse böse böse Politik, die unwissenden/ungebildeten Politiker. Dieses Betroffenheitsgeschrei „seht her, ICH habe eine Ungerechtigkeit entdeckt, jetzt habt mich bitte alle lieb dafür, dass ICH sie benenne und seht her wie ICH mich einsetze (für euch) und das sogar ins INTERNET reinschreibe.“

Und siehe da: mein Reader hat sich im Laufe der Zeit enorm verweiblicht.

Der zweitletzte hier zitierte Abschnitt gefällt mir sehr – man darf sich fragen, weshalb man bloggt, wenn es immer nur darum geht, die eigene Zugehörigkeit zu den digital natives zu betonen und darzulegen, wie modern/kritisch/nicht-spießig man selbst denkt. Aber das ist einerseits geschenkt, andererseits möchte man wohl manchmal auch etwas aussprechen, was andere aussprechen: Weil es einen beschäftigt.

Aber worüber ich gestaunt habe, ist dass die Konsequenz der Verweiblichung von Frau Stricktiers Feedreader: Sie liest Posts übers »Kochen«, über eine »Spülmaschine«, körperliche Ertüchtigung und einen Umzug. Da kann man sich dann aber schon fragen: Ist das jetzt nicht etwas gar nahe am Klischee – und nicht etwas fern von einer politischen Funktion des Bloggens? Dabei muss Politik nicht heißen, dass man sich auf das bezieht, worüber »PolitikerInnen« sprechen und nachdenken…

6 thoughts on “»Anders als wer?« – worüber bloggen, again

  1. Das Ergebnis der Verweiblichung scheint in gewisser Weise ja der These zu widersprechen, dass Mann und Frau gleich sind.
    Die erscheint mir auch recht unwahrscheinlich. Schließlich haben wir ziemlich verschiedene Körper, der nur durch verschiedene Tätigkeiten entstanden sein kann. Warum sollte sich unser Körper spezialisiert haben, aber unser Gehirn nicht?

    • So absolute und starke Unterschiede sehe ich nicht – m.E. handelt es sich eher um sehr feine Abstufungen, welche wir sozial gerne deutlicher hätten und so die Geschlechter Verhaltensweisen lehren, welche die Unterschiede verhärten: Stimmlage, Gang, Kleidung etc.

      • Schau dir mal an welche Wirkung Testosteron so hat.
        Ich zitiere mal aus der Wikipedia:

        Ein hoher Testosteronspiegel fördert das Entstehen bzw. die Steigerung von sexuellem Verlangen (Libido) und generell Antrieb, Ausdauer und „Lebenslust“, sowie dominante und aggressive Verhaltensweisen.

        Männer haben 10 Mal soviel Testosteron wie Frauen.

        Dann der Gehirnaufbau:
        Zum Beispiel haben Frauen ein anderes Verhältnis von grauer zu weißer Substanz, Frauen haben ein komplexeres Faltenmuster im superiofrontalen und parietalen Kortex, das Gehirnvolumen ist unterschiedlich, Geschlechtsunterschiede in der Größe des Neokortex sind bereits schon wenige Jahre nach der Geburt sichtbar, Sexualhormone entfalten während der frühen Gehirnentwicklung unumkehrbare Wirkungen auf die Gehirnmorphologie, es zeigen sich anatomische Sexualdimorphismen vor allen in Hirnregionen, in denen die Dichte der Androgenrezeptoren sehr hoch ist. Weitere Unterschiede sind im kortikalen Subregionen vorhanden. Bei Männern ist das Planum temporale, dass mit Sprachprozessen in Verbindung steht, auf einer Gehirnseite größer (links oder rechts), während bei Frauen diese Asymetrie deutlich geringer ist oder ganz fehlt. Genau anderes herum ist es beim Sulcus centralis. Der Corpus callosum, der die beiden kortialen Hemosphären miteinander verbindet, zeigt Geschlechterunterschiede, alle Bereiche im Gehirn, die Rezeptoren für Sexualhormone haben unterscheiden sich erheblich zwischen Mann und Frau. Männer und Frauen verarbeiten auch Pheromone im Gehirn anders. Die Amygdala ist bei Männern deutlich größer als bei Frauen(vgl Lautenbacher, Gehirn und Geschlecht – Neurowissenschaft des kleinen Unterschiedes zwischen Mann und Frau). Es zeigt sich auch, dass ein Auswahl bestimmter Gehirnregionen sich zwischen den Geschlechtern anders auswirkt. Männer haben zB häufig spezialisiertere Bereiche, so dass ein Ausfall dieser deutlichere Schäden hinterläßt.

        Es zeigen sich erhebliche Unterschiede im sprachlichen Bereich und im Bereich des räumlichen Denkens. Männer schneiden zB bei mentalen Rotationstest deutlich besser ab als Frauen. Frauen schneiden in der Feinmotorik und der Sprache besser ab als Männer. Männer sind auch an beiden Seiten des Intelligenzbereiches häufiger vertreten. Es gibt mehr männliche Idioten, aber auch mehr männliche Genies.

        Wenn Frauen und Männer nicht unterschiedlich sind, warum dann dieser verschiedene Aufbau?

      • >>Männer haben 10 Mal soviel Testosteron wie Frauen.
        Falsch. Es gibt keine kategorialen Unterschied im Hormonhaushalt der Geschlechter. Inwiefern bezieht deine Statistik bspw. Frauen mit ein, die hormonell verhüten? Mit welchen alleine schon die Pauschalität deiner Aussage untergraben wird?
        Denkst du von dir selbst, dass du jemand anderes wärst, wenn du unter dem Einfluss von Hormonen stehen würdest?
        Meinst du alle hormonell verhütenden Frauen sind nicht mehr die gleichen wie vorher?

        Der Unterschied zwischen „Sprache“ und „räumliches Denken“ ist biologisch im Übrigen nicht materialisierbar.. oder wie denkst du, sollte sowas aussehen?

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