Das sda-Problem und die Qualität der Medien

Urs Paul Engeler versteht entweder von den politischen Abläufen in der Schweiz wenig – oder tut zumindest journalistisch so. Er ist das beste Beispiel für einen Journalist, der sich willig einer Ideologie unterordnet, um letztlich nicht Texte zu verfassen, welche Probleme reflektieren und analysieren, sondern eine Perspektive transportieren, welche gerade verhindert, dass die Probleme in den Blick genommen werden können.

Worum geht es?

Seit Beginn dieses Jahres gibt es nur noch eine Nachrichtenagentur in der Schweiz, die sda. Aus wirtschaftlichen Überlegungen hat sie ihre Konkurrenz aufgekauft – und so ausgeschaltet. Diese Vorgänge wurden kritisch durchleuchtet und analysiert, insbesondere im Medienmagazin Klartext. Niemand, der etwas von Medien versteht, bestreitet, dass eine Situation mit mehreren Nachrichtenagenturen besser ist als eine Situation mit einer.

Urs Paul Engeler will nun gleich zwei Dinge erreichen:

  1. Er versucht einen Zusammenhang zu erfinden, in dem die Monopolstellung der sda im Kontext einer linken Verschwörung stehen könnte.
  2. Könnte die Monopolstellung der sda auch noch etwas mit Kurt Imhof (»altlink«) zu tun haben, der sich kritisch über die Qualität der Schweizer Medien geäußert hat.

Beides gelingt ihm nicht. Seine Methoden sind denn auch denkbar primitiv: Auf die Person spielen. Imhof und de Weck. Und dann noch ein bisschen von dem, was alle wissen: Medien, SF, Tagi, you name it, nur nicht die Weltwoche: Allesamt links.

Urs Paul Engeler schlägt selbst als Qualitätskriterien für Medien »Debatte und Wettbewerb« vor, wirft Imhof mangelnde Kompetenz sowie einen politischen Bias vor: Die Erwähnung der Minarett-Initiative allein habe für den Vorwurf mangelnder Qualität gereicht. Neben der ironischen Pointe, dass gerade der Wettbewerb dazu geführt hat, dass die sda als Monopolistin dasteht (was würde denn eigentlich Herr Engeler zur Lösung des Problems vorschlagen?), verfehlt er so völlig, was Imhofs Studie beabsichtigt oder geleistet hat. (Da Weltwoche-LeserInnen Fakten weniger bedeuten als stramme bürgerliche Parolen, mag ihm das seine Leserschaft verzeihen.)

Hier sei doch noch kurz zitiert, wie denn das Jahrbuch von Imhof die Minarett-Initiative einbezieht:

Die Qualität öffentlicher Kommunikation bemisst sich hinsichtlich ihrer Forumsfunktionan der Meinungsvielfalt, d.h. der Vielfalt und Relevanz der Akteure und Argumente, die zu dieser Vorlage zur Sprache kommen, an der Begründung und wechselseitigen Berücksichtigung dieser Argumente und an der Vermittlung von Hintergrundinformationen.

Hinsichtlich der Integrationsfunktion öffentlicher Kommunikation bemisst sich die Qualität medienvermittelter Kommunikation an der Art und Weise, wie gesellschaftliche Normen und Werte sowie die Fragen der Zugehörigkeit reflektiert und begründet und damit Vereinseitigungen verhindert werden. Problematisch sind im Fall der Minarettinitiative vor allem Pauschalisierungen in der Wahrnehmung muslimischer Akteure.

2 thoughts on “Das sda-Problem und die Qualität der Medien

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