Der iPhone 4-Launch in der Schweiz: Ein Rant.

Das wird kein langer Text, man darf sich keine Links und ausgereiften Argumente versprechen – ein schlichter Rant, oder gut Deutsch: eine Diatribe.

Ich bin begeistert von Apple-Produkten. Sie fühlen sich richtig an, sie hochwertig verarbeitet, ermöglichen effizientes Arbeiten und lassen sich auch noch zu einem vernünftigen Preis weiterverkaufen. Ich werde wohl in den nächsten zehn Jahren nur Laptops und Telefone von Apple benutzen, weil ich damit am besten tun kann, was ich tun will.

Und ja, die Geräte kosten etwas, aber sie sind ihren Preis wert.

Was aber total unverständlich ist, ist die Inszenierung des Launches von neuen Geräten. Während iPads zwar gehypt wurden, gab es beim Start genügend Geräte, dass man auch als Mann am ersten Verkaufstag in ein Geschäft gehen konnte und eine kaufen konnte. Schließlich war man bereit, für ein Gerät, das niemand braucht, gegen 1000 Franken auszugeben – sehr nett, dass Apple diese Geräte auch verkaufte.

Der Verkaufsstart des iPhone 4 in der Schweiz ist aber nur noch lächerlich: Bis einen Tag vor dem Verkaufsbeginn wissen sämtliche Akteure nicht, wie wo und zu welchem Preis man das iPhone wird beziehen können. Sämtliche relevanten Homepages (Apple, Mobilanbieter) können nicht vernünftig eingerichtet werden, Mitarbeitende haben keine Ahnung; vor den Geschäften werden Schlangen erzeugt, vor den Apple-Shops stehen 10 Security-Mitarbeiter in Anzügen und am Samstag ist der Spuk vorbei: Es gibt keine Geräte mehr.

Come on, Apple. Wenn ihr es nicht hinkriegt, genügend Geräte zu liefern, dann verkauft gar keine. In der Schweiz besitzen 1 Million Menschen ein iPhone. Wie viele wollen wohl ein neues kaufen? Bitte hört auf, so zu tun, als tätet ihr jemandem einen Gefallen, der eure Produkte kauft. Oder als seien Menschen Helden, die vor Läden übernachten, um dann als erste ein Gerät kaufen zu können.

10 thoughts on “Der iPhone 4-Launch in der Schweiz: Ein Rant.

  1. Ein paar Minikommentare:

    1.Komisches Gefühl zu Wissen das Apple genau das erreicht hat was sie wollten:Gratis-PR und Hunderte von MEnschen die am Releasetag wie Herdentiere diese Massenpsychologie in sich hineinsaugen.

    2.Kein Wunder sind die Brötchen ausverkauft wenn der Bäcker nur 5 Brötchen backt.

    3. Die Mitarbeiter sämtlicher Stores sind ebenfalls Leidtragende (nehme ich mal an). Sie wissen nicht wann was kommt und können keine Infos geben.

    4.Vor den Läden warten 50 MEnschen und kein Mitarbeiter sagt dass es nur noch 3 Geräte gibt.

    Ich habe mir das vor 2 Jahren angetan -> nie wieder. Am Samstag in aller Ruhe zu Sunrise gegangen um zu reservieren und überraschenderweise am Dienstag abholen können.

  2. Philippe Wampfler > Als ich die Ankündigung «Rant» las, war ich auf alles mögliche vorbereitet, aber nicht auf das.

    «In der Schweiz besitzen 1 Million Menschen ein iPhone. Wie viele wollen wohl ein neues kaufen»: Keine Ahnung. Wenn es hierzulande tatsächlich eine Million Eiphones gibt, dann würde ich davon ausgehen, dass diese Million Menschen im Moment kein neues Telefon braucht, weil sie schon eines hat. Das Eiphone wird in Europa seit zweieinhalb Jahren verkauft. Die meisten Schweizer Eiphones werden also höchstens ca. zwei Jahre alt sein. Diese Leute brauchen also genau genommen zum jetzigen Zeitpunkt kein neues Eiphone, weil sie schon eines haben, das vermutlich noch ganz gut funktioniert, angesichts des zarten Alters.

    Wer schon ein Eiphone hat und jetzt glaubt, die neuste Version dieses Telefons kaufen zu müssen, und sich dann auch noch über lange Lieferfristen bitter beklagt, ist in meinen Augen ein bedauernswertes Opfer eines Konsumterrors, der immer groteskere Züge annimmt.

    Soweit mein Rant.

    • Das stimmt: „Opfer des Konsumterrors“ trifft es. Aber gibt es unter uns viele, die das in keiner Hinsicht sind? (Mit dieser Frage will ich diese Form des Konsums nicht verteidigen – ich hab schon geschrieben, dass es bei Apple um Geräte geht, die niemand braucht, und auch dass es sich um den Gegenwert einer Tonne Reis handelt.
      — Und doch geht es in meinem Post mehr oder weniger um die Organisation des Verkaufs eines Gerätes, das ca. 200’000 SchweizerInnen kaufen möchten.

  3. Und in meinem Kommentar geht es um die Opfer des Konsumterrors, die sich beklagen über «die Organisation des Verkaufs eines Gerätes, das ca. 200’000 SchweizerInnen kaufen möchten». Wie sagt man so schön: Deine Sorgen möchte ich haben.

  4. Anmerkung am Rande: Es hat mich etwas enttäuscht, dass der Verkaufsstart in der Schweiz so spät ist, zweitrangig, obwohl’s in der Schweiz wohl eine der weltweit höchsten iPhone-Dichten gibt. (in dem Massstab, Zahlen gibts afaik keine offiziellen)

  5. >>Wer schon ein Eiphone hat und jetzt glaubt, die neuste Version dieses Telefons kaufen zu müssen, ist in meinen Augen ein bedauernswertes Opfer eines Konsumterrors, der immer groteskere Züge annimmt.

    Mein Vertrag ist ausgelaufen, und ich bin ein Technikfreak. Jeder gibt sein Geld irgendwie so aus wie es ihm passt. Hauptsache jeder ist doch glücklich oder? Eine solche pauschale Aussage wie „bedauernswertes Opfer“ mag evtl auf ein paar zutreffen, finde ich aber generell eine kurzsichtige Ansicht. Nur weil man etwas nicht mag/versteht muss man es nicht verurteilen Bobby.

  6. a > Der Kauf eines Telefons, das man nicht braucht, belastet die Umwelt enorm, und das stört mich. Toleranz ist gut, hat aber ihre Grenzen. Um es mit Herbert Marcuse zu sagen: «Toleranz kann nicht falsche Worte und unrechte Taten schützen, die demonstrierbar den Möglichkeiten der Befreiung widersprechen.»

  7. >>das man nicht braucht
    also ich brauche es jeden Tag. Wie kannst du pauschal über soviele Benutzer urteilen ob sie etwas brauchen oder nicht? Diktatorische Züge im Blut? Mich stört auch das Hunde manchmal Kleider tragen und zum Hundefrieseur getragen werden, trotzdem mahce ich darum aber keinen Aufstand.

    Was hat das mit Toleranz zu tun?
    Du scheinst mir ein jemand zu sein, der ganz strinkt einem Anti-Konsum/Anti-Apple Muster folgt was nicht besser ist als hirnloses Konsumieren.

  8. Gemeint war natürlich «brauchen» im Sinn von «benötigen», nicht im Sinn von «benützen». Wer schon ein Eiphone hat, «benötigt» das neue Eiphone objektiv gesehen nicht. Falls er dennoch glaubt, eines zu «benötigen», ist er ein Opfer des Konsumterrors. Ich hab ja nichts dagegen, wenn sich jemand ein Eiphone kauft, der noch keins hat. Ich bin auch überhaupt nicht anti-Apple, ganz im Gegenteil, bei mir zuhause kommt für mich nichts als Apple in Frage. Das ist eine Frage des Stils.

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