Pressdisplay und PressReader – die Schweizer Zeitungen auf dem falschen Fuss erwischt

Wie der Beobachter meldet, kann man mit dem Dienst von Pressdisplay die wichtigen Schweizer Zeitungen (u.a. die NZZ, die NZZ am Sonntag, den Tages Anzeiger, die Bilanz, Finanz und Wirtschaft) komplett im Internet und auf dem iPad oder iPhone lesen (dafür gibt es die Anwendung PressReader [iTunes-Link]; die Anwendung gibts aber auch für Blackberry und Windows Mobile – also für alle mobilen Geräte, praktisch).

Pressdisplay bietet eine Economy-Option an, die pro Monat $10 kostet – also rund 120 Franken pro Jahr. Der Beobachter schreibt dazu:

Doch Newspaper Direct hat die Möglichkeiten der digitalen Ver­marktung der Produkte konsequenter umgesetzt als die Schweizer Verlage. Auch der neue Leiter Digitale Medien bei der NZZ, Peter Hogenkamp, bezeichnet das Angebot als «in der Tat zu günstig». Kein Wunder: Allein für die Online-Ausgabe der NZZ müssen Leser heute 368 Franken im Jahr bezahlen, wenn sie das Abo bei der NZZ kaufen. Bei News paper Direct erhalten sie für 120 Dollar noch eine Sonntagszeitung nach Wahl dazu.

Offenbar meinten die Schweizer Verlage, die Newspaper Direct würde nur den Druck ihrer Zeitungen in Hotels anbieten – der Vertrag erlaubt aber offenbar auch die Distribution übers Internet.

Ich habe das Abo gelöst und bin begeistert. Hier noch ein Screenshot der Anwendung auf dem iPad:

10 thoughts on “Pressdisplay und PressReader – die Schweizer Zeitungen auf dem falschen Fuss erwischt

  1. Philippe Wampfler: «Ich habe das Abo gelöst und bin begeistert»: Bravo. Super. Du bist mein Held.Weiter so. Du solltest dich jedoch nicht wundern, wenn die Zeitungen dank Schmarotzern wie Philippe Wampfler immer mehr Geld verlieren, wenn deshalb die Qualität der Zeitungen immer schlechter wird, wenn Zeitungen sterben wie die Fliegen usw.

    «Auch Peter Hogenkamp bezeichnet das Angebot als in der Tat zu günstig»: Das sagt wirklich alles. Weg mit dem Unfug!

  2. Bobby California:
    1. Bin ich ein Schmarotzer, wenn ich ein perfekt legales Angebot nutze?
    2. Selbstverständlich habe ich Printabos von mehreren Schweizer Zeitungen – und ärgere mich trotzdem, dass die Qualität immer schlechter wird.
    3. Tatsächlich habe ich die Vermutung, es hängt nicht von meiner Bereitschaft zu zahlen ab, ob Qualität geliefert wird, sondern von der Bereitschaft der Verlage (z.B. Tamedia), Qualität anzubieten.

  3. Wampfler > «Bin ich ein Schmarotzer, wenn ich ein perfekt legales Angebot nutze»: Yessir. «Perfekt legal» ist nicht gleich bedeutend mit «fair», und es ist auch nicht gleich bedeutend mit «nachhaltig». Somebody will have to pay the price. Warum ist das so verdammt schwierig zu verstehen?

    «Ich ärgere mich trotzdem, dass die Qualität immer schlechter wird»: Du kannst dich über dich selber ärgern. Denn das Erschleichen von Leistungen führt nach allen Gesetzen der Logik dazu, dass den Zeitungen die Mittel fehlen, um Qualität zu liefern. Pressdisplay ist mitschuldig an dieser Misere.

    «Tatsächlich habe ich die Vermutung, es hängt nicht von meiner Bereitschaft zu zahlen ab, ob Qualität geliefert wird, sondern von der Bereitschaft der Verlage (z.B. Tamedia), Qualität anzubieten»: Und ich habe tatsächlich die Vermutung, dass die Erde eine flache Scheibe sein könnte… Spass beiseite: Es ist doch gopfriedstutz eine banale Milchbüchleinrechnung, und es braucht weiss Gott nicht viel Grips, um zu verstehen, dass die Verlage nur so lange in der Lage sind, Qualität zu liefern, als die Produktion mit Einnahmen finanziert werden kann.

    Aber wenn jemand ums Verroden daran glauben will, dass die Erde eine flache Scheibe ist, dann kann man ihn auch mit den besten Argumenten nicht davon abhalten.

  4. Was sind genau die guten bzw. »besten« Argumente?
    Ein paar Unklarheiten:
    1.) Wie bestimmst du den Wert der Texte, welche z.B. von der NZZ nicht online bereitgestellt werden, aber per Pressdisplay gelesen werden können?
    2.) Warum ist es fair, wenn jemand in einem Hotel so viel zahlt, um die NZZ ausgedruckt zu bekommen – bei mir jedoch unfair, wenn ich die NZZ so auf dem iPad lese?
    3.) Warum zahle ich seit Jahren gleich viel für den Tagi und die NZZ – die Zeitungen werden aber immer dünner und beschäftigen immer weniger gut ausgebildete JournalistInnen?

    Hier noch mein Vorschlag: Für den Content bezahlt die Werbung. Für den Druck und die Distribution der Leser. Wer Internet nutzt und also einen Teil der Distributionskosten bereitstellt – müsste günstiger an den Content kommen als per Printabo. $120 scheint mir da tatsächlich ein recht fairer Preis zu sein.

  5. «Wie bestimmst du den Wert der Texte, welche z.B. von der NZZ nicht online bereitgestellt werden, aber per Pressdisplay gelesen werden können»: Ich verstehe den Sinn dieser Frage nicht.

    «Warum ist es fair, wenn jemand in einem Hotel so viel zahlt, um die NZZ ausgedruckt zu bekommen – bei mir jedoch unfair, wenn ich die NZZ so auf dem iPad lese»: Weil der Hotelgast das Angebot nur einmal oder nur ein paar Mal im Jahr nutzt, aber Philippe Wampfler sich täglich als Schmarotzer betätigt. Deshalb ist es unfair. Der Hotelgast tut den Zeitungen nicht weh (weil er morgen wieder weg ist), aber der tägliche Schmarotzer trägt dazu bei, dass die Rechnung nicht mehr aufgeht.

    «Warum zahle ich seit Jahren gleich viel für den Tagi und die NZZ – die Zeitungen werden aber immer dünner und beschäftigen immer weniger gut ausgebildete JournalistInnen»: Weil die Inserateeinnahmen wegbrechen. Das dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Das ist keine Rechtfertigung zum Schmarotzen. Denn je mehr Schmarotzer auf den Plan treten, umso stärker erodieren die Einnahmen, und um so weniger Journalisten können die Zeitungen anstellen. Und wenn das so weiter geht, gibts bald auch für Schmarotzer nichts mehr zu lesen.

    «$120 scheint mir da tatsächlich ein recht fairer Preis zu sein»: Sogar Peter Hogenkamp findet, der Preis sei unfair.

    • Ich meine: Die NZZ lässt mich sehr viele Texte gratis per App oder Netz lesen – ich „schmarotze“ ergo nur die anderen Texte.

      Peter Hogenkamp arbeitet für die NZZ.

      Aber ernsthaft: Wie viel sollte ich deiner Meinung nach für den Content einer Tageszeitung zahlen? Ohne Druck, ohne Distribution – aber mit Inseraten.

      (Meine Meinung: Printabopreis – Druckkosten – Distributionskosten + Online-Infrastruktur = ca. $120.)

  6. Philippe Wampfler > «Ich schmarotze nur die anderen Texte»: Ja, aber auf die kommt es an, weil die «anderen Texte» eben nicht gratis sind.

    «Wie viel sollte ich deiner Meinung nach für den Content einer Tageszeitung zahlen»: Ich habe dazu keine Meinung, ich bin kein Verleger. Und wenn ich im Restaurant eine Pizza esse, dann fragt mich der Wirt auch nicht, wieviel ich dafür zahlen will. Nur bei den Medien kommen Schlaumeier auf die Idee, den Preis selber festlegen zu wollen. Was zeigt, dass besagte Schlaumeier die Medien gering schätzen.

    Du solltest, statt den Preis von Zeitungsabos zu berechnen, sofort aufhören, öffentlich zu jubilieren, wie raffiniert du die Zeitungsverleger um einen Teil ihrer Einnahmen bringen kannst. Denn Schmarotzen trägt dazu bei, dass die finanzielle Basis der Zeitungen immer schlechter wird. Und wenn das so weitergeht, gibt es bald auch für Philippe Wampfler nichts mehr zu schmarotzen. Und um Schmarotzertum handelt es sich ganz offensichtlich, wenn Nicht-Hotelgäste ein Angebot «nutzen», das für Hotelgäste entworfen wurde.

  7. Doch – du hast eine Meinung. Weil dein Ausdruck, ich schmarotze, ja beinhaltet, dass ich zu wenig für das bezahle, was ich konsumiere.
    Ich »jubiliere«, weil ich endlich einen Weg gefunden habe, das zu können, was ich schon lange wollte – nämlich die komplette NZZ auf dem iPad lesen. Wie erwähnt bezahle ich für ein Printabo und kann auch per Weblogin alle Artikel abrufen.
    Zudem bin ich nicht der Meinung, dass ich zu wenig bezahle – schon nur deshalb, weil ich nicht denke, die NZZ will Hotelgästen ihre Zeitung günstiger anbieten als anderen Lesern, sondern sie selbst hält $120 für einen vernünftigen Preis für ihren Content, will aber keinen Einbruch bei den ebenfalls ihr gehörenden Druckunternehmen in Kauf nehmen und zögert deshalb mit einem ähnlichen Angebot in der Schweiz.

    Und noch ein Wort zum Pizza-Vergleich: Ich finde einen Preis fair, der ungefähr dem Aufwand des Pizzabäckers entspricht. Genauso finde ich für ein journalistisches Produkt einen Preis angemessen, der dem Aufwand entspricht. Und ich bin der Meinung, diesen zu zahlen. Meine Berechnung habe ich oben dargelegt – wenn du mir weiterhin vorhalten willst, ich »schmarotze«, dann bitte ich mir zu zeigen, in welcher Hinsicht ich mit $120 pro Jahr weniger für den Content bezahle als PrintabonnentInnen.

    Und falls du weiterhin von mir persönlich denken solltest, ich wolle hart arbeitende JournalistInnen, wie du sicher einer bist, um ihre Brötchen bringen: Die 530.- Franken ProWoz-Jahresabo zahle ich auch. http://www.woz.ch/abo/abo_prowoz.php

  8. «Wie erwähnt bezahle ich für ein Printabo…» Sag das doch gleich. Diese Information sehe ich hier zum ersten Mal. Weiter oben steht nur: «Ich habe das (Hotel-)Abo gelöst und bin begeistert.» Aus dem Satz «selbstverständlich habe ich Printabos von mehreren Schweizer Zeitungen» lässt sich nicht automatisch schliessen, dass Du ein Printabo der NZZ hast.

    «Sie selbst hält $120 für einen vernünftigen Preis für ihren Content»: Schmunzel… Dieser Preis, in dem auch eine Sonntagszeitung inbegriffen ist, ist für Hotelgäste gedacht und genügt kaum, um zwei Redaktionen (NZZ, Sonntagszeitung) zu finanzieren.

    «Meine Berechnung habe ich oben dargelegt»: Schmunzel… wenn das eine Berechnung sein soll… eine Berechnung kann man nur machen, wenn man die konkreten Zahlen für Redaktionskosten, Druckkosten, Einnahmen usw. kennt.

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