Helmut-Maria Glogger und seine »Schnellschüsse«

Wie schlecht unser Erinnerungsvermögen an und für sich ist, zeigt sich nicht nur, wenn wir auf die Schnelle sagen sollen, wer an der letzten WM im Halbfinal stand und wie die Partien ausgingen – sondern auch, wenn wir uns vorstellen müssen, was für Gebäude vor Neubauten in uns bekannten Städten standen – oder was im Blick am Abend vor Helmut-Maria Gloggers Kolumne auf der Rückseite zu lesen war (ah, jetzt fällts mir ein: Dieser Michèle Roten-Abklatsch von einer Frau, die ewige brünstig so tat, als gäbe es sie…).

Ein paar Worte zu »Glogger mailt«: Generell keine schlechte Idee. (Aber auch keine neue: Dasselbe tut Franz Josef Wagner mit seiner Kolumne „Post von Wagner“ in der „Bild“-Zeitung seit längerem.) Man beauftrage einen »Journalisten«, der – so vermute ich – auch persönlich ein unangenehmer Zeitgenosse ist, in Text und Bild ein absolutes Arschloch zu geben; am liebsten auf der politisch inkorrekten Gender-Ausländer-Weltwoche-Seite. Das kann man dann wahlweise »Provokation«, »Satire« oder »das sagen, was alle denken, aber nicht zu sagen wagen« nennen – und voilà: Billig ist die letzte Seite gefüllt, denn verdienen darf so ein Journalist nicht wirklich viel.

Ab und zu resultiert das dann auch in einer Presseratsbeschwerde, die dann auch gutgeheißen wird (Beschwerde durch Daniel Binswanger) – wobei die Verteidigungsstrategie des Blick am Abend bemerkenswert ist:

Die Leserschaft der Gratiszeitung nehme die Kolumne «Glogger mailt …» als «Schnellschuss» war und nicht als «tiefschürfende, hochreflexive und differenzierte Auseinandersetzung mit einem Kernproblem der Gegenwart». Insofern seien der Inhalt und die Haltung «ohne Anspruch auf Verbindlichkeit für andere».

Sprich: Was da steht, ist blanker Nonsense und die Leserschaft weiß das auch. (Vielleicht dürfte man dann fragen: Warum publiziert man denn diese »Schnellschüsse«?) — Glogger selbst reagiert – wie zu erwarten war – dümmlich.

Hier noch ein paar weitere Reaktionen auf die Mails von Glogger – und, auch wenns nichts nützt, noch einmal die Bitte an den Blick am Abend: Lasst doch einen Schimpansen zufällig auf ein Keyboard tippen und veröffentlich davon so viele Zeichen, wie ihr braucht. Glogger könnte eure Zeitungen sicher auch in die Kästen füllen oder die nicht gelesenen abholen oder so.

P.S.: Noch diese Frage sei erlaubt: Heißt der Mann wirklich »Helmut-Maria« oder nennt er sich einfach so?

7 thoughts on “Helmut-Maria Glogger und seine »Schnellschüsse«

  1. Danke für den Link!

    Als ich Glogger’s Antwort auf die Kritik des Presserats gelesen habe, freute ich mich, dass anscheinend nicht nur ich der Ansicht bin, die du in deinem Post hier noch verdeutlicht hast.

    Na ja, dann müssen wir uns halt in Zukunft weiterhin über seine Kolumnen im BaA aufregen. Einfach nicht beachten. ;-)

  2. Pingback: Ringier-Interna: Mail an Helmut-Maria Glogger « Ws Blog

  3. Was mich am meisten aufregt, ist, dass es diesem Blödschwätzer so leicht fällt, sich als cool und überlegen zu präsentieren. Seine Ergüsse sind nicht nur stilistisch von der Konsistenz halbverdauter Leberwurst, er scheint auch komplett unfähig, einen
    Gedanken zu hinterfragen, bevor er ihn auf die Menschheit brunzt. Wenn das der journalistische Hauptgang ist, den die wählende Mehrheit sich zu Gemüt führt, wundert es kaum, wieviel Ressentiment und Hass in diesem Land immer wieder durch die Volksseele wabert. Was für ein Jahrhundert-Widerling.

  4. Habe ihn mal erlebt, wie er einen Journalistenschüler vor versammelter Blick-Mannschaft lächerlich machte. So was grosskotziges, arrogantes und schnodriges habe ich noch nie erlebt. Ausserdem ging er an den Redaktionssitzungen allen auf den Wecker mit seinen minutenlangen Ausführungen über irgendwelche Royals und Promis, die er natürlich alle persönlich kannte. Aber irgendwie ist das wieder einer, über den eine schützende Hand ausgebreitet ist.

  5. der blick am abend ist zu 90 % schwachsinn, was glogger schreibt ist vielfach lustig und müsste genauer thematisiert werden in seriösen zeitungen. es gibt zu viele leser-Innen die glauben man, frau müsste wissen was eine ehemalige, blond-gefärbte tussi,z.b. miss CH ,wenn die schwanger, einen neuen freund oder sonst ein wehwehchen hat. Es ist eben das massenbewusstsein, der werbemüll, der zeitgeist was ringier am abend möglich macht.
    GAST

  6. Als Schweizer empfehle ich dieses Presseerzeugnis so zu geniessen. Zuerst den Comic, dann den Sport, anschliessend die Wetterkarte und am Ende die Farbfotos anschauen. Arbeiter werden dieses Produkt am Ende in einen qualitaetsmaessig nichtbemaengelbaren Karton weiterverarbreiten, Zur Freude aller.

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