Wie schießt man einen Penalty richtig?

Der Vorwurf an Blogs, mal wieder von Blog-Kritiker Bobby California geäußert, Printmedien nicht zu ersetzen, sondern nur wiederzukäuen, was diese schreiben, mag auf den ersten Blick auch auf diesen Beitrag zutreffen. Kaum schreibt die NZZ was über Penalties, nehme ich das Thema auf. Natürlich wusste ich schon was über Spieltheorie und Penalties und natürlich werde ich mich hüten, den Artikel wiederzukäuen – und doch sehe ich nicht wirklich, was das Problem daran sein soll, einen Hinweis auf einen Artikel zu garnieren oder mit einem Kommentar zu diesem Artikel zu garnieren: Schließlich will ich mit diesem Blog kein Geld verdienen und habe auch nicht den Anspruch, dass ihn die Leute statt der NZZ abonnieren sollen. (Zudem zeigt gerade dieser Artikel, dass die NZZ momentan neben der WoZ das einzige Schweizer Printmedium ist, für das man bezahlen sollte.)

* * *

Das gesagt zum Problem: Wie sollte man einen Penalty schießen? Grundsätzlich – so:

Der klassische Panenka war der entscheidende Penalty im Finale der EM 1976 – und offenbar der erste Penalty der so in die Mitte geschossen worden ist.

Die Spieltheorie des Penalties besagt:

(1) Der Schütze und die Torwart sollten eine Strategie wählen, bei der ihre Trefferquote unabhängig von der Richtung ihrer Richtungswahl ist.

Grund: Gäbe es eine Seite, bei der z.B. der Schütze sicherer wäre, dann könnte der Torwart diese Asymmetrie ausnutzen.

(2) Idealerweise wird die Richtung vor dem Schuss zufällig gewählt, wobei u.U. gewisse Richtungen mit höherer Wahrscheinlichkeit vertreten sein sollen.
(2a) Insbesondere die so genannt »natürliche« Seite sollte von einem Schützen häufiger gewählt werden (natürlich = die Seite des Fusses, mit dem er schießt).

Dann nämlich kann verhindert werden, dass eine Strategie für die Analysten des gegnerischen Teams erkennbar wird. Die Studien von Ignacio Palacio-Huerta zeigen, dass besonders erfolgreiche Spieler (er nennt Buffon und Zidane) sich gerade so verhalten, als würden sie die Richtung zufällig wählen.

(3) Wie diese Studie zeigt, wir die Mitte als Option von Torwarten offenbar systematisch unterschätzt und sollte häufiger in Betracht gezogen werden.

Und vielleicht zum Schluss noch eine sehr allgemeine Bemerkung, die bei diesen Untersuchungen eines »Nullsummenspiels« (Torwart und Spieler können gleich viel verlieren bzw. gewinnen – und immer wenn der eine verliert, gewinnt der andere) oft vergessen geht:

(4) Wenn man nicht aufs Tor schießt, trifft man sicher nicht.

5 thoughts on “Wie schießt man einen Penalty richtig?

  1. Den Artikel habe ich heute auch mit Vergnügen gelesen! Vor Kurzem kam bei nano das Thema Fussball und Wissenschaft (http://www.3sat.de/nano/flash/nanokick2010/nanokick2010.html), mit sehr schönen Formeln. Ein weiterer Faktor für die Theorie ist in dieser WM vielleicht auch der „Jabulani“, der ein zu perfekter Ball und für den Goalie daher unberechenbar sein soll (http://www.nzz.ch/nachrichten/sport/aktuell/sporttickerdepartment/urnnewsmlwwwsda-atsch20100608brz005_1.5992287.html; auch heute nochmals in der NZZ). Und am Ende gewinnen die Deutschen.

  2. Philippe Wampfler > «Ich sehe nicht wirklich, was das Problem daran sein soll, einen Hinweis auf einen Artikel zu garnieren»: Es ist kein Problem. Ich habe in meinem Blog nur die Praxis des Wiederkäuens mit Ronnie Grobs Anspruch, «die neue Zeitung» sein zu wollen, abgeglichen (und dabei habe ich gezeigt, dass viele Blogs nicht die neue Zeitung, sondern die ALTE Zeitung sind, eben die wiedergekäute Zeitung von gestern). Mir wäre das Wiederkäuen herzlich egal, wenn die Ronnie Grobs dieser Welt nur endlich auf ihr Geschwätz verzichten würden von wegen «die Zeitungen haben dank den Blogs ihre Deutungshoheit verloren».

    Doch ist sogar mir inzwischen aufgefallen, dass man nicht alle Blogger in einen Topf werfen kann. Das Philippe-Wampfler-Blog ist eines der wenigen Blogs, dessen Autor sich die Mühe macht, eigene Gedanken zu formulieren. Deshalb taucht das Philippe-Wampfler-Blog auch nie in meinem Blog auf: weil’s hier nichts zu kritisieren gibt. Wie Du z.B. La Binswanger kommentiert hast, das war einsame Spitze. Deshalb trifft meine Wiederkäuer-Kritik nicht im Geringsten auf dieses Blog zu. Und wer so produktiv ist wie Philippe Wampfler, darf auch ab und zu mal etwas wiederkäuen.

    «Schließlich will ich mit diesem Blog kein Geld verdienen»: Ronnie Grob schon (er hat mit Kachingle schon ein paar Dollars verdient).

    «… und habe auch nicht den Anspruch, dass ihn die Leute statt der NZZ abonnieren sollen»: Ronnie Grob schon (siehe oben).

  3. Es gibt nur eine Möglichkeit, einen Penalty zu versenken: Die klassische Pogi Beinhart-Variante: Volle Kanne Spitzguge flach links unten. Die Variante trifft sogar ab und zu recht oben in den Angel…..

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