Die Boulevardisierung der Islamophobie

In der Schweiz herrschen ideale Voraussetzungen für islamophobe Hetze: Eine Abstimmung wurde gewonnen, mit der man es den Muslimen einmal so richtig gezeigt hat, und zudem wird ein Schweizer in einem muslimischen Land festgehalten. Jede Art von anti-islamischer Stimmungsmache würde einen fruchtbaren Boden finden, doch allein: So weit man sucht, man findet keine negativen Erscheinungen des Islams. Man beschwört zwar Burkas herauf (»Da, eine Burka!« titelt der Tagi), aber man sieht keine, man rechnet mit Terroranschlägen, nach der Abstimmung sowieso, aber keine Terroristen interessieren sich für die Schweiz, und auch sonst passiert nicht das, womit man beim Islam offenbar ständig rechnen muss: Einführung einer neuen Rechtsordnung, Zwangsverheiratung sämtlicher Frauen, religiöse Diktatur, Tötung aller Ungläubigen und Ähnliches. Passiert einfach nicht. Aber irgendwie wissen doch die sich völlig rational gebenden Islamkritiker, dass da irgendwo eine Art Parallelgesellschaft lauert, dass Zwangsverheiratungen an der Tagesordnung sind und gerade wenn man eben nichts davon mitbekommt, die Gefahr am größten ist.

Was also tun, wenn man die Islamophobie noch etwas anheizen will? Richtig: Ihr ein Gesicht geben, wie das das Boulevard schon seit Urzeiten tut. Man gehe wie folgt vor:

  1. Man suche einen Muslim, der a) etwas durchgeknallt aussieht, b) etwas durchgeknallt ist und c) das Rampenlicht sucht.
  2. Man hieve ihn durch ein islamophobes Hetzblatt (die Weltwoche) ins Rampenlicht, so dass dann staatliche Medien (die Arena) nachziehen und letztlich die Sonntagspresse den Steilpass aufnimmt.
  3. Der Öffentlichkeit ist klar, dass es a) den radikalen Islamismus in der Schweiz gibt, b) Islamist und Muslim Synonyme sind und c) jeder, der an den Koran glaubt, die Menschenrechte mit Füssen tritt und lieber heute als morgen eine Frau steinigt.
  4. Man kann die Story beliebig erweitern und zur Kampagne ausbauen: Eine »Konvertitin« taucht ab und auf, die natürlich einer »Gehirnwäsche« unterzogen worden sein muss (Tagi), weil wer würde schon freiwillig zum Islam konvertieren, zudem lebt sie in »muslimischer Käfighaltung«, wie die Weltwoche weiss.

Dazu kann dann abschließend (das Muster dürfte klar geworden sein: man hat keine relevanten Sachverhalte, also spielt man auf den Mann und die Frau) die Weltwoche zitiert werden, die zu Blancho schreibt:

Wer den Studenten und zweifachen Familienvater ohne Einkommen finanziert, ist unklar.

Was mir daran gefällt, ist, dass ebenso unklar ist, wer den »Journalisten und einfachen Familienvater« Roger Köppel finanziert (und damit auch das Hetzblatt Weltwoche) – und warum das nicht transparent gemacht werden kann, wie hier (NZZ), hier (Tagi) und früher schon (2007) in Blogs (Netzwertig von Ronnie Grob u.a.) nachzulesen war.

Like This!

18 thoughts on “Die Boulevardisierung der Islamophobie

  1. Sehr treffend! Deine Anleitung errinert ein bisschen an Hagen Rether, wie man sich einen bösen Moslem bäckt. Ein weitere Punkt vom guten Hagen kommt mir bei der ganzen Debatte in den Sinn, und die FDP bestärkt meine Vermutung: „Wir haben den Moslem so fest im Griff, dass wir nicht merken wie uns die Grundrechte aus den Taschen gezogen werden.“

  2. Soso, Massenvergewaltigungen, Genitalverstümmelungen und Zangsheiraten von Minderjährigen sind keine negativen Erscheinungen?

    Hitler wäre stolz auf Sie gewesen!

      • Auch das ist wohl eine Art zu zeigen, dass man »westeuropäische Zentrum der Intelligenz« ist, wie sich der werte Kommentierende bescheiden bezeichnet: http://intelligert.wordpress.com/

        a) Wo?
        b) Wenn ich Ihrer Argumentation folgen würde, würde ich sagen, in der Zeitung steht ja ohnehin nur das, womit die Interessen der islamophoben Öffentlichkeit befriedigt werden können. Da ich Ihrer Argumentation aber nicht folge, bitte ich Sie, mir doch noch etwas genauere Hinweise zu liefern.

      • Naja, aber wenn ich jetzt ein Beispiel bringen würde, dann käme von ihnen doch genau eine von diesen beiden Antworten:

        a) Das ist ein Einzelfall.
        b) Das hat nichts mit dem Islam zu tun.

        Ich nenne ihnen trotzdem eine negative Erscheinung: Dass ich mir im Staatsfernsehen von einem Dummschwätzer anhören lassen muss, dass die Steinigung der Frau ein Menschenrecht sei.
        Oder dass ich auf Meinbild.ch wegen dem Profil http://koran.meinbild.ch mehrere Todesdrohungen erhielt und wahrscheinlich immer noch erhalte. Dabei hab ich den Profilnamen lediglich gewählt, weil er zu meinen anderen Profilen, Konan und Kanon passte (die inzwischen gelöscht wurden.)
        Oder das plötzlich auch Christen wieder meinen verlangen zu dürfen, dass man tunlichst darauf achtet, ja keine religiösen Gefühle zu verletzen.

        Die Zeitungen sind übrigens keineswegs islamophob. Wenn zum Beispiel, wenn überhaupt, über Massenvergewaltigungen von muslimischen Jugendbanden im Banlieue berichtet wird, achtet man ganz genau, dass die Religionszugehörigkeit, obwohl für die Tatmotivation sehr wichtig (Es sind ja nur westliche Schlampen) nicht erwähnt wird.

    • Ich zitiere: »Massenvergewaltigungen, Genitalverstümmelungen und Zangsheiraten von Minderjährigen«

      Und Blancho hat nicht gesagt, die Steinigung der Frau sei ein Menschenrecht.

      Ich habe nie bestritten, dass es Muslime gibt, welche idiotische, kriminelle etc. Dinge tun. Aber es gibt erstens auch Christen, Atheisten, Juden und und und, die ihnen in nichts nachstehen, und zweitens rechtfertigt das nicht Hetze gegen den Islam und Muslime als Religion, genau so wenig wie die Tatsache, dass ein Mörder blond gewesen ist, Hetze gegen Blonde legitimiert.

      Unsere Einschätzung der Medien ist wohl nicht ganz dieselbe; Sie dürften mir aber recht geben, dass sie momentan nicht darum bemüht sind, den Islam als tolerante, menschliche Religion darzustellen.

      • Es ist interessant, wie sie genau das tun, was sie anderen unterstellen: undifferenzierte Schwarz/Weiss-Malerei. Es bestehen diverse Probleme mit dem Islam, den wir mit anderen Religionen längst überwunden, bzw. gar nie hatten. Jegliche Kritik am Islam als Hetze abzutun hilft niemanden. Die einige Hetzjagd, die ich wahrnehme, ist jene der Linken auf Islamkritiker (eg Hirsi Ali, Kelek).

        Nein, ich gehe mit ihnen überhaupt nicht einig. Obwohl der Islam keine tolerante, menschliche Religion ist, versuchen die meisten Massenmedien ihn als einen solchen zu porträtieren.
        Und ich verstehe auch nicht ganz, wieso sich Massenmedien darum bemühen sollten, ein falsches (humanistisch, tolerant) Bild des Islams zu vermitteln. Sie können doch nicht ernsthaft verlangen, dass Massenmedien ihre journalistischen Pflichten verletzen?

        Haben sie ein Beispiel über eine unwahre, negative Berichterstattung was Islam anbelangt?

      • Meine Beispiele stehen im Post: Sie zeigen, dass in einer Kampagne der Eindruck erzeugt wird, führende Muslime seien intolerant und staatsbedrohend. Dieser Eindruck ist ein negativer.
        Die Kritik am Islam ist deswegen eine Form von Hetze, weil selektiv Wahrnehmungen von Bestandteilen dieser Religion als ihr Fundament bezeichnet werden und Differenzen eingeebnet werden, als gäbe es sie nicht. Und ich denke nicht, dass ich in irgendeiner Form schwarz-weiß male: Für mich ist es eine zentrale Errungenschaft von fortschrittlichen Demokratien, eine Form des Zusammenlebens gefunden zu haben, in der der Glaube eines Individuums es nicht an der Teilnahme an dieser Gemeinschaft berechtigt oder hindert. Hinter diese Errungenschaft treten die Menschen, die ich als HetzerInnen bezeichnen würde, zurück: Indem sie so tun, als wäre der muslimische Glaube ein Hindernis dabei, sich an den Rechtsnormen dieser Länder zu orientieren. Dabei sprechen wir – und diese Verwechslung gehört systematisch und bewusst zu dieser Hetze dazu – nicht von fundamentalistischen Gläubigen, weil die sich, egal was ihr Glaube ist, nie einer weltlichen Rechtsordnung unterstellen… 

      • Ich kann fast nicht glauben, das jemand diese absolut harmlose 0815-Berichterstattung als Kampagne bezeichnen kann. Da ist ja nicht mal ansatzweise etwas islamophobes zu vermerken. Der Islam ist intolerant und staatsbedrohend, wie jeder einigermassen Gebildete weiss. Wenn du sich dieser Eindruck bei dir also einstellt, liegt das daran.
        Es erstaunt, wie wenig du über den Islam in der Schweiz (und allgemein) weisst: Hisham Maizar (Präsident der FIDS) fordert Teileinführung der Scharia. Er vertritt die Mehrheit der Muslime hier und ist Fundamentalist.

        Differenzen einebnen? Wer hat denn im Vorherigen Post gleich Juden, Atheisten, Christen und Muslime in einen Topf geschmissen? Ich glaube das warst du.

        Die Muslime werden bei uns ja in keiner Art und Weise gehindert, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Im Gegenteil, sie geniessen ja jetzt bereits schon Sonderrechte, von denen normale Menschen nur träumen.

      • Es tut mir Leid: Mir scheint eine sinnvolle Diskussion schwierig – unter diesen Bedingungen. Ständig werden meine Aussagen verzerrt (z.B. habe ich nicht verschiedene Gruppen in »einen Topf geschmissen«, sondern gesagt, dass die Eigenschaft, kriminell zu sein, nicht religionsabhängig ist) und mich beleidigt.

        Die Wahrnehmung, »der Islam« sei intolerant und staatsbedrohend genießt in Ihrer Argumentation den Status eines Axioms – weshalb auch mein Hinweis, es gebe verschiedene Strömungen im Islam, keine Beachtung findet. Auch die Teileinführung der Scharia muss man dann nicht differenziert betrachten und sich fragen, was Maizar wirklich meint (http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/scharia-gerichte_fuer_die_schweiz_1.1606772.html), was die Idee genau besagt – und warum sie so etwas Bedrohliches hat.
        Ich denke, das Resultat wird Folgendes sein:
        Sie bekämpfen den Islam mit beleidigenden (»http://intelligert.wordpress.com/2010/04/23/anregung-zum-nachdenken/) Voten aus der untersten Schublade, wohl weil Sie eine Form von Bedrohung wahrnehmen – und ich kann keine Bedrohung erkennen, hingegen mache ich rassistische Hetze aus, in der Zusammenhänge konstruiert werden, die so in der Realität nicht vorliegen.
        Und wir beide denken wohl, der andere hat Unrecht und seine Methode ist die falsche – dabei können wir es wohl bewenden lassen.

      • Ja, sie haben recht. Ich würde ja auch nicht mit jemanden diskutieren, der behaupten würde, Faschismus sei nicht bedrohlich, weil es verschiedene Strömungen gibt. Sie lügen, beschimpfen und beleidigen, dass selbst Goebbels vor Neid anlaufen würde. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

  3. Und ganz wichtig: Die Geschichte muss immer schön weitergedreht werden. Mindestens so lange, wie sich damit Klicks, Auflage usw. bolzen lassen.

    Da wird dann auch schon mal im BlaA eine alevitische Kurdin zur Islamkonvertitin erklärt.

  4. Sehr schöner Beitrag.

    Diese ganze Hetzjagd ist teilweise wirklich skurril. Auch Roland Koch wollte beim Wahlkampf in Hessen ein Burkaverbot für Schülerinnen einführen.
    Leider gibt es keinen einzigen Fall einer Burka tragenden Schülerin.

  5. bin beim googlen auf diesen blogeintrag gestossen. aktueller denn je! danke für ihren mut öffentlich gegen unrecht einzustehen und die dinge beim namen zu nennen! ich kämpfe seit jahren in den eigenen reihen wie auch unter-muslimen genau für diesen ansatz. aber leider wollen viele leute aus bequemlichkeit nicht hinter die fassaden schauen. weiterhin viel kraft, mut und gute inspirationen beim bloggen! :-)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s