Presserat: Meine erste Beschwerde

Nach einem heiteren Tag auf den Skis – beschwere ich mich durchaus ernsthaft bei Schweizerischen Presserat: Der Abdruck von Briefen von Eltern an ihre Babys, die sie an einer Babyklappe abgeben durch Das Magazin gehört zum ethisch Verwerflichsten, was ich in den letzten Jahren in Medien gelesen habe.

Hier also meine Beschwerde (Ergänzung 16. 2.: Da ich die Beschwerde in Hardcopy einschicken muss, habe ich sie leicht überarbeitet, die eingeschickte Versionen findet sich hier):

Sachverhalt:
Am 6. Februar 2010 hat »Das Magazin« der TAMEDIA nach einer kurzen Einleitung (http://dasmagazin.ch/index.php/alles-uber-meine-mutter/) vier Briefe abgedruckt, welche der Einleitung zufolge in der Babyklappe in Lübeck (Deutschland) abgegeben worden sind. Einer dieser Briefe wurde zuvor (am 27. Dezember 2009) in Deutschland schon von Bild am Sonntag abgedruckt (http://www.bild.de/BILD/news/2009/12/27/brief-einer-mutter/an-ihr-weggebenes-baby-babyklappe.html).
Die Briefe wurden von Eltern oder einem Elternteil von Babys verfasst, welche an der betreffenden Babyklappe abgegeben worden sind. Aus den Briefen lässt sich weder die Identität der Babys noch die der Mutter (bzw. des Vaters) rekonstruieren; es handelt sich aber um äußerst intime Briefe in denen die Beweggründe für das Vorgehen der Eltern dargelegt werden.
Begründung:

Persönliche Briefe dürfen nur mit dem Einverständnis der Verfasser und der Adressaten der Briefe abgedruckt werden – um ihre Privatsphäre zu schützen (Punkt 7 der Erklärung des Presserats). Die Entscheidung von Eltern, ein Kind wegzugeben, gehört zu den privatesten Entscheidungen, die überhaupt möglich sind. Eine Veröffentlichung solch intimer Gedankengänge (welche als Brief an eine lebende Person verfasst worden sind), verletzt m.E. sowohl die Privatsphäre des Babys (siehe auch Punkt 7.4)  als auch die der Eltern – es sei denn, die Redaktion von Das Magazin kann geltend machen, sowohl die Einwilligung der Eltern als auch diejenige der gesetzlichen Vertreter der Babys eingeholt zu haben.

Darüber hinaus wird die Menschenwürde eines Kindes (Punkt 8 der Erklärung), welches von seinen Eltern nicht aufgezogen werden kann oder dessen Eltern sich dieser Pflicht entziehen wollen, massiv beeinträchtigt – auch wenn dies anonym geschieht.
Im konkreten Fall kann m.E. kein Recht der Öffentlichkeit auf Information geltend gemacht werden. In den Briefen ist keine Information enthalten, nach welcher ein konkretes öffentliches Interesse verlangt, zumal es sich um Personen handelt, die öffentlich nicht bekannt sind. Eine sachliche Berichterstattung über das Phänomen »Babyklappe« hätte dieselben Informationen enthalten können, ohne die Briefe abdrucken zu müssen.

7 thoughts on “Presserat: Meine erste Beschwerde

  1. Pingback: Sadomasojournalismus gerügt « Journalistenschredder

    • Peter Stawowy, Betreiber vom Flurfunk Dresden und Inhaber von stawowy media, ist audferdem auch Dozenta0am Institut ffcr Kommunikationswissenschaft der TU Dresden und ueretrichtnt dort im Rahmen von Seminaren fcber Journalismus. Immer wieder finden daher auch Blogbeitre4ge, die im Rahmen dieser Seminare von StudentInnen geschrieben wurden,a0auf den Seiten vom Flurfunk Dresden. So auch heute wieder: Der menschenverachtende Schnapsburger – Mf6glichkeiten als Dresdener Bfcrgerjournali

  2. Wirklich degoutant mit solchen persönlichen Zeugnissen die Verkaufszahlen zu steigern. Ich bin sehr gespannt auf die Antwort! Du hast ja sehr genau begründet. Find ich super.

  3. Pingback: »Der Presserat tritt nicht auf die Beschwerde ein« « Ws Blog

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