Serien, die ich schaue

Ohne zu einem theoretischen Exkurs anzusetzen, welche narrativen Möglichkeiten Serien (im Gegensatz zu Filmen; oder auch zu Romanen) zur Verfügung stehen (um daraus abzuleiten, dass Serien DAS zeitgemäße kulturelle Format schlechthin sind), liste ich einfach mal auf, welche Serien ich mir anschaue und was ich davon halte. Generell einfach noch die Bemerkung, dass man sich abgeschlossene Serien aussuchen sollte – auf weitere Folgen warten zu müssen, ist mehr als nervtötend.

Police and Thieves

1) The Wire. Sozialstudie, Stadtentwicklung, Beziehungsanalyse, Demontage von Rollenbildern – The Wire ist mehrschichtig, und doch durch die unglaublich genauen Charaktere einprägsam. (Die Macher von The Wire haben ein neues Projekt, Treme.) Hier nur die Sprechweise von Senator Clay Davis:

2) The Sopranos. Call it a tie – The Wire und The Sopranos würde ich jedes Jahr wiederschauen, wenn ich die Zeit dazu hätte. The Sopranos ist eigentlich ein Roman – und die letzte Folge ist ein großer Moment in der Filmgeschichte. Aber ja: Man muss alle vorherigen auch gesehen haben, um sie schätzen zu können.

3) The Shield. Korrupte Polizisten in LA, die sich und ihr Umfeld zerstören. Während einzelne Staffeln großen Zug haben, wird am Schluss das Muster etwas repetitiv.

Drama

1) Damages. Eine ganz moderne Serie, sowohl was die Filmsprache anbelangt als auch das Setting. Glenn Close (die auch in The Shield eine Staffel lang mitspielt) verleiht der Anwältin Patty Hewes Klasse – und eine Art von Aggressivität, die diesen Charakter unvergesslich macht. Eine Anwaltsserie ohne Gerichtsszenen – und mit Anwältinnen, welche das Sagen haben.

2) The West Wing. Die Serie führt einen fiktionalen amerikansichen Präsident (liberaler Demokrat) und sein Team ein. Politisch breit angelegt und klar ausgerichtet – ideal für einen vertieften Einblick in die amerikanische Regierung und ihre Funktionsweise; sensationelle Dialoge. (Und den Machern von »Der große Kater« wäre zu raten gewesen, sich einmal eine Folge West Wing anzusehen, bevor sie einen Film über einen Bundesrat machen.)

3) Breaking Bad. Ein krebskranker Chemielehrer stellt Drogen her. Klingt etwas klischeehaft, ist es aber nicht. Die Serie deckt ein großes Spektrum ab: Suspense mischt sich mit dramatischen, ergreifenden Momenten – um den Zuschauer dann wieder lachen zu lassen.

4) Mad Men. Viel gelobte Serie, vor allem wegen des unvergesslichen frühen 60er-Jahre Stils, in dem sie angelegt ist. Letztlich überzeugt mich aber der Konkurrenzkampf der Werber nicht, die Aktualitätsbezüge scheinen mir platt und die Entwicklung über eine Staffel hinweg zu zögerlich. But then again – ich hab noch nicht alle Folgen gesehen.

5) In Treatment. Die Serie zeigt nichts als einen Psychiater mit seinen Patienten. Was sich formal spannend anhört, ist es gepaart mit an den Haaren herbeigezogenen Geschichten eher weniger.

6) Six Feet Under. Eigentlich (nach Beverly Hills 90210) meine Einführung ins Seriengeschäft. Feinfühlig erzählt mit glaubwürdigen Charakterentwicklungen – und mit dem Tod im Mittelpunkt. Auch Six Feet Under erzählt das, was man früher mit einem Roman erzählt hätte.

Comedy

1) Eastbound & Down. Kenny Powers ist eine Baseball-Legende und unterrichtet nun an seiner alten High School. Zwar recht kurz, kommt aber bald wieder. Selten so gelacht; man muss aber ein Flair für kruden amerikanischen Humor haben.

2) Weeds. Eine Witwe beginnt Gras zu verkaufen – und ist bald mittendrin im Drogengeschäft. Anfangs sehr unterhaltsam, dann bald eher lahm und grotesk, vor allem auch in der 5. Staffel.

3) Stromberg. Der Pseudodokumentarstil gets me every time. Stellenweise etwas zäh, aber immer wieder erfrischende Darstellung des »Bullshits« dem wir täglich ausgesetzt sind.

4) Arrested Development. Eine Familienunternehmen in der Krise. Unvergesslicher Einsatz des Segways, stellenweise urkomisch, gegen Ende aber auch wieder eher grotesk.

5) Curb Your Enthusiasm. Larry David ist der Erfinder von Seinfeld – und nun sieht man sein Leben danach: Das Leben eines reichen, sozial etwas unverständigen Juden – die Seherfahrung ist konstantes Fremdschämen, wenn das Wort noch erlaubt ist.

6) Californication. Okay, David Duchovny ist ein sexbesessener Schriftsteller. Nach einer Staffel hab ich mich noch durch drei, vier Folgen gequält – und dann nicht mehr.

7) How I Met Your Mother. Eine Sitcom – much talked about und die ersten zwei, drei Staffeln sehr unterhaltsam. Aber dann gehen den Schreibern die Ideen aus und alle waren schon mit allen einmal zusammen, haben sich getrennt – und sind wieder zusammengekommen, um sich noch einmal zu trennen. Und ja: Sie haben alles in der Rückblende erzählt. Total ausgelutscht.

Auch noch gesehen, ohne überzeugt zu sein

(vieles, was in der Schweiz am Fernsehen gelaufen ist und läuft)

Deadwood, Westernserie

Türkisch für Anfänger, Intergrationscomedy

Homicide, Polizeidrama

Lost, whatever that is

Two and a Half Men

Entourage, Comedy

True Blood, Vampirdrama

Hinzugefügt, auf Kommentaranregung: 24 (drei ganze Staffeln gesehen, dann irgendwie genug gehabt von you-fucking-piece-of-shit-tell-me-or-I’ll-shoot-you-in-the-knee-Jack Bauer.

Noch auf der Liste

OZ

Northern Exposure

Dexter

Brison Break

Flight of the Conchords

Trailer Park Boys

Und zuletzt

What am I missing? Bitte Kommentare hinterlassen.

P.S.: Die Folgen kriegt man übrigens am einfachsten so.

6 thoughts on “Serien, die ich schaue

  1. Pingback: Serien, die ich schaue – Teil 3 | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

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