Wenn Soziologen modisch und populistisch werden – Walter Hollstein

Wenn Walter Hollstein gut genug für die NZZ von gestern ist, dann ist er sicher auch gut genug für den Tagi von heute. Er ist nämlich »Männerforscher« und sagt uns, was man heute endlich sagen darf: Der Feminismus hat das traditionelle Bild von Männlichkeit zerstört – und das ist schlecht. Genau so wie man heute sagen darf, dass Europäer Muslimen kulturell und moralisch überlegen sind, ohne dass man das irgendwie begründen muss und auch nicht als rassistisch gilt, darf man offenbar wieder platt in die Geschlechterfalle tappen.

Der Soziologe Hollstein lässt sich in der NZZ zu folgender Aussagen hinreißen:

Wenn man verfolgt, wie männliche Eigenschaften in den vergangenen vier Jahrzehnten dargestellt worden sind, wird ein drastischer Perspektivenwechsel deutlich. Wurden an Männern einst Mut, Leistungswille und Autonomie gepriesen, werden diese Qualitäten heute stigmatisiert. Mut wird als Aggressivität denunziert, Leistungswille als Karrierismus und krankhafter Ehrgeiz, und aus der männlichen Autonomie ist die Unfähigkeit zur menschlichen Nähe geworden.

Mit der Formulierung von »männlichen Eigenschaften« formuliert Hollstein die naive Annahme, Männer und Frauen hätten gewisse Eigenschaften (aus biologischen Gründen?). Gerade Eigenschaften wie Mut, Leistungswille und Autonomie zeichnen sich dadurch aus, dass sie erworben werden, dass es sich um Bündel von konkreten Kompetenzen und Verhaltensweisen handelt, die man nicht entweder hat oder nicht.

Die Forderung Hollsteins (der übrigens im Tagi-Interview viel differenzierter argumentiert, ebenfalls in seinen früheren Texten in der NZZ und im Folio; z.B. so; »Das zeigt, dass soziale Botschaften manchmal stärker wirken als biologische Fakten. Und die traditionellen Rollenbilder haben wir alle stark verinnerlicht.«) ist die,

dass man sich ein Stück weit verändern müsste, weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen verändert haben.

Mit man meint Hollenstein Männer – und wenn man hier grundsätzlich Menschen einsetzen würde, dann käme man dem Problem näher: Die Schule (und darüber lässt sich Hollstein besonders aus) sollte Kinder als Kinder behandeln, und nicht als Mädchen oder Knaben; gerade so wie man auch Erwachsene behandeln sollte. Der Staat (auch das eine Forderung Hollsteins) sollte Männer und Frauen gleich behandeln; weil Männer sich von Frauen in ihren sozial relevanten Eigenschaften nicht unterscheiden. Es gibt Männer, die aggressiv sind und solche, die sanft sind. Und es gibt Frauen, die gerne Fussball schauen und Bier trinken, und solche, welche gerne Make-Up auftragen und sich die Bikini-Zone reagieren. Und es gibt Kinder, die gerne Nintendo spielen, und solche, die lieber ein Theater mit ihren Plüschtieren aufführen. Ob es Mädchen oder Knaben sind, hat damit nichts zu tun.

3 thoughts on “Wenn Soziologen modisch und populistisch werden – Walter Hollstein

  1. Wir lieben mutige, leistungswillige, autonome Männer! Vor allem wenn sie Mut zu Kindern und Teilzeit haben, zuhause Leistungswillen an den Tag legen und sich autonom um ihre Herkunftsfamilie kümmern. Auch Zivilcourage beeindruckt uns schwer. Und wenn wir uns gegenseitig genug Autonomie zugestehen können und genug Nähe ertragen…. alles nicht so einfach.

    Gottseidank ist das traditionelle Männerbild dank der Frauenbewegung vom Sockel gestürzt, damit haben die Feministinnen wohl auch den Männern ein bisschen Befreiung von starren Männerbildern verschafft. Und gleichzeitig gefordert, dass besagte Männereigenschaften an Frauen nicht verurteilt werden. Wenn arrivierte Politiker Eveline Widmer Schlumpf verbissenen Ehrgeiz, und Micheline Calmy Rey Geltungssucht vorwerfen, dann frage ich mich immer, ob sie als Männer denselben Vorwürfen ausgesetzt wären.

    Die Forderung, dass Jungen und Mädchen gleiche Bildung und Erziehung zusteht, kam ja wohl ebenfalls von den Feministinnen, Herr Hollenstein. Ebenso die Forderung nach gleicher Behandlung am Arbeitsplatz!

    Wer alten Stereotypen nachtrauert, musste vielleicht ein paar Privilegien opfern?? Die guten alten Zeiten waren nämlich vor allem für die Herren der Schöpfung gut, erinnern wir uns richtig.

  2. „Vor allem wenn sie Mut zu Kindern und Teilzeit haben, zuhause Leistungswillen an den Tag legen und sich autonom um ihre Herkunftsfamilie kümmern.“

    Gilt das auch nach der Trennung, wenn es um Sorgerecht und Unterhalt geht? Oder sollte der Mann dann wieder seinen Mann stehen und ordentlich malochen gehen um die finanziellen Bedürfnisse des Kindes (und natürlich NICHT der Ex) nach zu kommen.

    „Die Schule (und darüber lässt sich Hollstein besonders aus) sollte Kinder als Kinder behandeln, und nicht als Mädchen oder Knaben; gerade so wie man auch Erwachsene behandeln sollte.“

    Nun, die Schule behandelt Mädchen wie Menschen und Jungen wie Ungeziefer. Kann man alles nachlesen, Bildungsmisserfolge der Jungen -> Jungen werden bei gleicher Leistung schlechter benotet als Mädchen.

    Außerdem:
    Intressant wie die neuen Frauen so ticken, die haben sich nämlich überhaupt nicht geändert, da einfach mal nach googeln wie wichtig ihnen der berufliche Status des Mannes/Einkommen ist. Ob sie die Schenkel öffnet, für einen netten Hausmann?

    Also wieder nur leeres feministisches Tacatuca-Land-Geschwätz.

    Wer jetzt meint, Männer sollten nicht so klagen, verlangt genau den schmerzfreien Mann, den der Feminismus längst abschaffen wollte.

    Übrigens klagen & jammern: Da hat sich in extrem femifaschistischen Staaten (D,CH,AT) längst eine Klage-Industrie entwickelt. Frauenbeauftragte/Misandrie-Expertinnen/ überall, die ihre Lügen via gleichgeschalteter Feminatspresse absondern können, und jeder kleine Dumm-Pudel kläfft den Scheiß nach.

  3. Hollstein liegt falsch, dass Mut, Leistungswille und Autonomie stigmatisiert werden. Besonders beim Mann werden solche Eigenschaften noch sehr geschätzt. Leider lassen sich diese Eigenschaften meist nicht mit einem durch die Frauenbewegung geprägten Männerbild vereinbaren. Der Mann von heute ist ein zerrissener Mann.

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