Das aktuelle Sorgenbarometer – nur ein Gedanke

Wie immer versuche ich mich zu beschränken – und wie immer werde ich wohl scheitern, oder vielleicht für einmal nicht. Eben habe ich, krank im Bett, das Sorgenbarometer vom gfs resp. Claude Longchamp gelesen. (Man kann es hier als pdf runterladen.) Die Take-Aways:

  • Arbeitslosigkeit ist die Sorge aller Sorgen
  • Umweltschutz und Klimaerwärmung besorgen die Schweizerinnen und Schweizer kaum
  • während die eigene wirtschaftliche Situation als solide eingeschätzt wird, wird die allgemeine wirtschaftliche Situation als deutlich schlechter gesehen
  • Persönliche Sicherheit und Ausländerfragen gehören nicht zu den sechs wichtigsten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer.

Die Frage, die mich bei der Lektüre begleitet hat, betraf aber weniger die Materie als das Zustandekommen dieses Barometers. Haben die Leute dieselben Methoden verwendet wie beim Prognostizieren von Abstimmungsergebnissen? Können wir also das Sorgenbarometer lesen als den Ausdruck einer Umfragemethode, die eigentlich ausgedient hat, weil viele Leute nicht gefragt oder falsch gefragt werden?

Die Verfasser schreiben in diesem Kontext doch recht selbstgefällig:

Zu den weiteren Produkten der selbstreflexiven Berichterstattung ausserhalb der Massen- medien zählt im Speziellen die Umfrageforschung. Um es gleich vorwegzunehmen: Auch die Umfrageforschung ist objektiv-selektiv. Doch sie wählt anders aus: Sie vermittelt ein Bild der Befindlichkeit der Bürgerinnen und Bürger, egal ob sich diese in öffentlichen Meinungen ausdrückt oder nicht. Sie zeigt, wie sich Menschen verhalten, was sie denken, wie sie sich informieren und welche Schlüsse sie daraus in einer konkreten Situation zie- hen. So hergestellte Konstrukte des gesellschaftlichen Lebens sind für sich und im Idealfall kombiniert nebst der eigenen Erfahrung die wichtigste Referenz für die Politik, wenn sie allgemein verbindliche Entscheidungen trifft.

Zumindest interessieren würde mich, wo auf dieser Liste denn das Institut gfs auftauchen würde:

Dazu doch noch eine Bemerkung: Offenbar können die Schweizerinnen und Schweizer hinsichtlich Ihres Vertrauens gut zwischen National- und Ständerat unterscheiden, finden Gratiszeitungen glaubwürdiger als bezahlte Zeitungen und Arbeitgeberorganisationen deutlich vertrauenswürdiger als die staatliche Verwaltung. Wenn das mal nicht ein höchst rationales Vertrauen ist, das sich da zeigt…

One thought on “Das aktuelle Sorgenbarometer – nur ein Gedanke

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