»Hot Dogs essen und Budweiser trinken« – Die Interviews von Tom Kummer

Da Miklos Gimes einen Film über Tom Kummer gedreht hat und der wohl bald zu sehen sein wird (»Kummer« wird er heißen) – darf man vielleicht noch einmal kurz auf Tom Kummers Interviews zurückkommen. Der Mann war Tennisprofi, dann in Berlin, als Berlin noch total krass war, also vor 1989, und Borderline-Journalist, hat auf Reportagen Drogen gekauft, war im Irak und so weiter – und dann in Hollywood. Als er, so beschreibt er es in seinem Buch Blow-Up, bei einem Pressjunket mit Pamela Anderson sass, konnte er mit seinen Fragen ein eine Reihe idiotischer Fragen anderer Journlisten anschließen, und das Masseninterview endete wie folgt:

Du musst doch zugeben, Pamela, die Grenzen zwischen Körper und Technologie, Realität und Fiktion sind ziemlich durchlässig geworden, oder? Eine tolle Frage, ich klopfe mir fast selbst auf die Schulter. Und Pamela sagt dann: »Die Frage verstehe ich nicht.« Und damit ist das Gespräch vorbei.

Als er dann an seinem Schreibtisch sass, wurde ihm klar: »So muss Pamela dann – die Welt erwartet das von mir – etwas so antworten:

Ich kapiere zwar nicht ganu, wovon du sprichst, aber eines weiß ich: Ich muss nicht unbedingt nach einem Sinn im Leben suchen, um glücklich zu sein. Sexsymbole zu hassen ist schick geworden, weil ja fast alle Mädchen neidisch snd und weil mich außer Tommy kein Mann bekommen kann.

Die Frage ist nun einfach: Ist das einfach ein Journalist, der auf die schiefe Bahn geraten ist, was namhafte Redaktionsleiter, unter anderem Roger Köppel, nicht bemerkt oder vielleicht doch bemerkt haben (aber nichts dagegen unternommen haben), und aus Bequemlichkeit Interviews zusammengeschrieben hat und zufällig den Effekt erzeugt, die Artifizialität von Stars und den medialen Inszenierungen von Stars überdeutlich zu machen – oder liegt da mehr vor? Sowas wie eine grundsätzliche Frage zum Verhältnis von Fiktion und Authentizität, zum Schreiben etc. (Ich tendiere eher zum ersten Ansatz: Da passiert nichts, was Baudrillard und Konsorten mit den Begrifflichkeiten Hyperrealität und Simulacrum nicht schon durchdacht hätten…)

Zurück aber zu den Interviews. Wie man sehen kann, besitze ich eine Kopie des Buches. Ich hatte es schon einmal in der ZB ausgeliehen, aber offenbar ist der Band dort verschwunden. Über AbeBooks, den besten Suchdienst für antiquarische Bücher, habe ich mir dieses Exemplar aus Los Angeles (wie treffend, ich bestelle einen dtv Band aus dem Ort, an dem Tom Kummer ihn geschrieben hat) kommen lassen:

Eigentlich sollte man es scannen und online verfügbar machen, aber eigentlich habe ich weder einen Scanner, der Bücher automatisch einscannen kann, noch die Musse, das zu tun, auch wenn ich es für richtig halten würde. Wer aber unbedingt eines der Interviews braucht, kann mich per Mail erreichen und ich kann ein pdf anfertigen.

Nun zu den besten Fragen Tom Kummers, also den Fragen, die man leider den Stars nicht stellen kann, aber gerne würde. Ein Auszug aus einem der Interviews hab ich auf dem Netz gefunden:

Stone: In archaischen und antiken Kulturen gab es nur die Verführung, keine Liebe, keine Gefühlsströmungen und auch keinen Bedarf an Psychoanalyse, die ja diesen stumpfsinnigen Mythos der Liebe lebendig hält. SZ-Magazin: Hat Verführung nicht auch immer etwas Kaltes, Berechnendes?
Stone: Ja, möglicherweise. Ich stelle den anderen Fallen, und dahinter verbirgt sich sicher ein böser Geist. Der ist aber im Kern aller leidenschaftlicher Regungen zu finden. SZ-Magazin:    ? Stone: Vielleicht die Illusion. Das Kino. Das ist die Steigerung der Verführung. Ich spreche jetzt von der List, Sehnsucht nach Idealen zu provozieren und gleichzeitig zu vereiteln. Das gilt auch für eine Partnerschaft. Gibt es etwas Besseres, als immer wieder von neuem anzufangen? Wir wissen doch alle, daß das ideale Objekt sowieso nur zum Ideal werden kann, wenn es tot ist.
SZ-Magazin: Können Siegerinnen wie Sie überhaupt lieben? Stone: Diese Frage unterstellt, daß ich als Verführerin ein oberflächliches Spiel betreibe. Die Liebe wird dabei immer so furchtbar romantisch gesehen, als besonders leidenschaftlich und wahrhaftig. Ich aber halte das Ritual der Verführung für viel wahrhaftiger und viel leidenschaftlicher. SZ-Magazin: Sex als Waffe setzen Sie also nur auf der Leinwand ein, nicht in den Machtkämpfen des wirklichen Lebens? Stone: Nie! Ich ziehe die duellartige Form der Verführung vor. SZ-Magazin: Warum bloß? Stone: Weil Liebe und Sexualität auch Metaphern für Niederlagen sind. Wer siegen will, darf nicht lieben. Miß Stone sagt: „Verführet einander!“ [Quelle: Google Cache von http://www.hdbg.de/t96kauf.htm%5D

Weitere Fragen und Antworten, die ich mag:

[Sean Penn] Ich habe wegen Dingen rebelliert, die den meisten Menschen ziemlich egal sind. Zum Beispiel, wie man eine Zigarette absolut cool in der Hand hält.

[Sean Penn] Die politische Realität der Gegenwart interessiert mich nicht. Nur soviel: Die Waffe ist Teil der amerikanischen Kultur. Keine andere Gesellschaft ist grausamer als die amerikanische. Schauen Sie doch mal CNN. Die verzweifeln fast daran, dass in der Welt kein anständiger Krieg ausbricht.

[Pamela Anderson] Du sagst doch selber, deine Hobbys sind Tanzen und Sex? – Das stimmt nicht ganz. Ich schneide auch ab und zu die Sträucher in unserem Garten.

[Snoop Doggy Dogg] Mich interessiert nicht die Wahrheit, ich inszeniere meine Wahrheit.

[Snoop Doggy Dogg] KFC und Snoop sind das Beste, was Afro-Amerika seit der Erfindung des Kamms passiert ist. – Warum der Kamm? – Seit es den Kamm gibt, können wir unsere Haare glätten. – Und warum KFC? – Grute Kruste, sehr billig […]  – Hat aber einen äußerst geringen Nährwert… – Daran denken wir nicht, wenn wir die Knöchlein sauberlecken.

[Courtney Love] Tut mir Leid, ich fühle mich deprimiert, leer, blöd. Alle meine Gedichte brennen. Minotauren fressen die Genitalien des Mondes.

[Courtney Love] Ich war acht Jahre als, als mir mein Vater LSD gegeben hat. Das war seine größte erzieherische Leistung.

[Phil Collins] Aber die Wahrheit ist doch, dass es kein solches Ding namens Liebe gibt. oder sehen Sie das anders? – Mein Herz spürt die Liebe sofot, das ist bei mir kein langwieriger Prozess. Ich kann sofort erkennen, wer mich liebt. Und ich weiss, wie ich lieben muss. Da habe ich die totale Kontrolle.

[Nicolas Cage] Tarantino hat vom wahren Leben doch keine Ahnung. Seine besten Jahre verbrachte er in einer Videothek. – Das wahre Leben findet heute im Kopf statt.

[Quentin Tarantino] Sie gelten als Realist, weil Sie so unwirkliche Filme machen. Erklären Sie doch bitte mal diesen Widerspruch. – Wir leben in einer Welt, die uns verunsichert. Weil die Wirklichkeit abgeschafft ist.

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