Lehrer als Diebe – wenn Verlage jammern

20Minuten betitelt diese Woche Lehrer als Diebe:

diebeDie dahinterliegende Story (wenn es denn eine wäre) ist diese: Der Verband der Schweizer Buchhändler und Verleger, SBVV, hat in einer Kampagne darüber informiert, dass in Schulen »fair kopiert« werden soll und fair-kopieren.ch ins Netz gestellt. Dort präsentieren Sie vier Regeln, von denen hier zwei abgebildet sind:

urherProblematisch sind dabei drei Punkte:

  1. Legen die Verlage die bestehenden Rechtsnormen einseitig aus. Die Erlaubnis für Lehrpersonen, »Ausschnitte« zu kopieren, ist rechtlich nicht definiert und bezieht sich nicht auf Ausschnitte, die weniger als ein Kapitel umfassen. Ausschnitt, so könnte man denken, heißt alles, was weniger als ein ganzes Buch ist. So lange es dazu kein Gerichtsurteil gibt, kann auch davon ausgegangen werden. Ebenso darf eine Zusammenstellung einer anderen Lehrperson übergeben werden, wenn die diese auch für den Unterricht braucht – diese Grenze ist ebenso willkürlich wie die erste.
  2. Der Gemeinsame Tarif (insbesondere GT 7 und GT 8) regelt die Nutzung urheberrechtsgeschützter Materialien durch Lehrpersonen und Kopiergerätebenützer. Für jede gemachte Kopie in der Schweiz und für jeden Schüler werden pro Kopie resp. pro Kopiergerät resp. pro Schuljahr Gebühren über die Pro Litteris eingezogen und an die Besitzer der jeweiligen Rechte verteilt. Es ist also nicht so, dass eine Kopie Diebstahl wäre, vielmehr werden auch für Kopien Urheberrechtspauschalen bezahlt (und zwar teilweise mehr, als der Anteil des Urheberrechts bei einer Publikation ausmacht).
  3. Die Verlage bemänteln in diesem Bereich ihr unethisches Vorgehen: Sie verdienen in einem Bereich, wo es sinnvoll wäre, Materialien nicht als Bücher zu publizieren, sondern sie zum Download anzubieten, so dass sie unterrichtsspezifisch genau eingesetzt werden könnten. Da die Verfasser dieser Lehrmittel ohnehin kaum dafür entschädigt werden oder aber diese Entschädigung teilweise direkt von den Kantonen beziehen, könnte man in diesem Bereich die Verlage als Player einfach ausschalten, Lehrmittel herstellen lassen nach Bedarf und sie danach – da sie ohnehin quasi-staatlich bezahlt werden – der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s