Das peinlichste Interview des Jahres – Christoph Landolt befragt Roger Köppel

Newsnetz hat eine denkwürdige Wahl verantstaltet: »Wer ist der Klügste im ganzen Land?« Resultat: Roger Köppel ist total klug, während von den 20 der am wenigsten Kluge Martin Meyer, immerhin Feuilletonchef der NZZ (aber daher vielleicht den Newsnetz-Usern unbekannt), zu sein scheint.
Nicht genug mit der Wahl: Christoph Landolt interviewt denn Roger Köppel auch gleich:

Herr Köppel, wer ist für Sie der grösste Intellektuelle der Schweiz?
Lebend oder tot? Wer ist der grösste Intellektuelle? Dürrenmatt, aber der lebt nicht mehr… (denkt nach) Sagen Sie es mir.
Sie sind es. Die Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz haben Sie mit 18 Prozent zum grössten Schweizer Intellektuellen gewählt. Wir gratulieren.
Tatsächlich? Hervorragend, vielen Dank, offensichtlich hat Tagesanzeiger.ch/Newsnetz kluge Leser (lacht).

Schon nur diese zwei Turns sagen eigentlich alles: Die Frage »wer ist für Sie…« beantwortet Köppel mit »sagen Sie es mir«, um dann heuchlerisch so zu tun, als hätte er es gar nicht gewusst: »Tatsächlich?«. Tatsächlich hat Weltwoche mit ihrem Twitteraccount die Umfrage gestern intensiv beworben:
wekoe
Das Interview geht dann aber noch weiter: Newsnetz drängt Köppel in die Rolle eines Vordenkers der »rechten Intellektuellen«, nennt linke Intellektuelle »Pseudo-Intellektuelle« und befragt Köppel nach seinem Musikgeschmack, während der die Vorlage dankbar aufnimmt, die Weltwoche als »Plattform für ein intellektuelles Millieu« bezeichnet, die Redaktionen anderer Publikationen mit der Inquistion vergleicht und zum Schluss einen Seitenhieb auf den »Wikipedia-Wächterrat« anbringen darf – wo doch er der Manipulator der Wikipedia ist.
Einmal mehr: Newsnetz (bzw. der Tagi?) agiert auf einer dümmlich-populistisch-rechten Schiene, was System zu haben scheint, und Köppel repräsentiert diese dümmlich-populistisch-rechte Schiene mit Freuden.

3 thoughts on “Das peinlichste Interview des Jahres – Christoph Landolt befragt Roger Köppel

  1. Besonders schön: „Ich bin einer der neugierigsten Menschen, die ich kenne“. Köppel meint also, sich selber zu kennen, psychologisch eine interessante Erkenntnis. Oder er kennt – ausser sich selber – niemanden oder die Leute, die er kennt, sind alle überhaupt nicht neugierig. Ärgerlich für seine Redaktionskollegen, die sich doch dem investigativen Journalismus verschrieben zu haben glauben (zumindest, solange sich die „Skandale“ im Bereich des politischen Gegners abspielen). Oder kennt er die auch nicht? Je länger ich über diesen Satz nachdenke, desto intellektueller erscheint mir der Roschee, so er seine Aussage denn wirklich selber verstanden hat.

  2. Peter von Matt und Philipp Sarasin mit Köppel auf eine Liste zu setzen ist eine Beleidigung für die beiden. Aber als wirkliche Intellektuelle kratzen sie wohl solche patzigen Scharaden wenig. Wohlgemerkt kann Köppel keinen einzigen lebenden ‚Intellektuellen‘ nennen, dabei ist er so neugierig. Wenn sowas auf dem Mist des Tagesanzeigers wächst, weine ich dessen Untergang keine Träne nach.

  3. Pingback: Addenda am Montagabend – das Intellektuellendebättchen und Bastien Girod « Ws Blog

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