Libertär, liberal und Freiheit – ein paar Bemerkungen

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit liberalen, libertären und anarcho-kapitalistischen Ideen auseinandergesetzt (z.B. hier, hier und hier). Worum geht es?

Auf die Gefahr hin, die Idee in dieser Verkürzung falsch darzustellen, diese Definition: Da das Individuum die einzige Instanz ist, welche über seine eigenen Bedürfnissen urteilen kann und soll, muss jede Art von äußerlichem Eingriff in die Freiheit des Individuum minimiert werden. Das heißt insbesondere, dass der Staat entweder auf ein Minimus zu reduzieren sei (z.B. nur noch Schutzfunktion, Sicherung von elementaren rechtlichen Vorgängen) oder ganz zu eliminieren sei (Anarcho-Kapitalismus); und ersetzt würde durch freie Entscheidungen von Individuen, die dann im Idealfall unter Respekt der Freiheit anderer Unternehmungen beauftragen können, die jetzt staatlichen Funktion auszuüben – mit dem Vorteil, dass dann niemand gezwungen würde, zu partizipieren. Besonders störend an der heutigen Lösung ist für libertär denkende Menschen denn auch der Zwang des Staates, Steuern (»Diebstahl«) und Wehrdienst (»Zwangsarbeit«) einzufordern.

Soweit die Position, welche modern, knapp, griffig scheint. Welche Probleme habe ich damit?

  1. Der Begriff der Freiheit. Zunächst kann man ihn verwerfen (Individuen sind gar nicht frei) oder als »leer« (ohne Zielrichtung) hinterfragen. Beide Positionen würde ich vertreten, darüber hinaus aber der libertären Position unterstellen, dass sie Freiheit missversteht (oder widersprüchlich verwendet). Freiheit heißt, Möglichkeiten zu haben, welche man dann wählen oder eben nicht wählen kann. In einer Ordnung, in der es kaum einen Staat gibt, wird aber einer Reihe von Menschen diese Möglichkeiten verwehrt (eigentumslosen, Behinderten, Kindern, Alten etc.) – die Freiheit der Starken wird in anderen Worten durch die Unfreiheit der Schwachen erkauft.
    Ein weiteres Problem liegt in der Logik der Argumentation: Wenn Freiheit da aufhört, wo die Freiheit eines anderen eingesschränkt wird, dann hängt meine Freiheit davon ab, wo die anderer aufhört. Konkret: Wenn jemand meine (subjektiv wahrgenommene) Freiheit einschränkt, dies jedoch nicht als eine Einschränkung (seiner subjektiv wahrgenommenen) Freiheit ansieht, dann hat die libertäre Haltung ein nicht zu lösendes Problem.
  2. Der Begriff des Eigentums. Wenn man eine neo-locke’sche Theorie des Eigentums vertritt, wie das viele Libertäre tun, dann nimmt man an, dass alles jemandem gehören kann und soll. Zudem geht diese Vorstellung davon aus, Eigentum unlimitiert ist: Nicht nur darf man mit seinem Eigentum machen was man will, sondern man darf auch so viel besitzen, wie man halt eben besitzen kann (unabhängig davon, wie viel andere besitzen).
    Die Probleme damit:
    a) Eine solche Ordnung funktioniert, wenn einmal ein Modus der originären Eigentumsverteilung festgelegt ist. Da aber fast alles Eigentum auf – in libertärer Sicht – illegitimer Aneignung basiert, sind die Voraussetzungen der Ordnung nicht gegeben. Es müsste eine Art Urzustand hergestellt werden, und alles noch einmal verteilt werden.
    b) Ressourcen sind knapper als es eine vollständige Befriedigung aller Bedürfnisse erforderte. Die Frage, ob man also diese Unterdeckung von Bedürfnissen individuellen Entscheidungen überlassen sollte, ist zumindest diskussionswürdig. M.E. ist eine sinnvolle, effiziente Ordnung (d.h. z.B. die Vermeidung von Krieg) von der Verteilung der Ressourcen abhängig. Und diese Verteilung muss auf einer – wie auch immer gearteten – Abmachung beruhen, und nicht auf rein individuellen Aneignungsprozessen.
    c) Güter, die vom Menschen und seiner Arbeit unabhängig sind, z.B. Land, natürliche Ressourcen, können nicht einfach in privates Eigentum übergehen, sondern müssen gemeinschaftlich verteilt werden.
    d) immaterielle Güter, z.B. das so genannte »geistige Eigentum«, soll nicht wie Eigentum behandelt werden, bedarf aber gewisser Regulierungen, welche durch das locke’sche Konzept nicht gelöst werden können.
  3. Strafrecht. Ein Strafrecht, das lediglich auf Ausgleichsprozessen individueller Rechtsverstösse beruht, welche wiederum durch Individuen iniziiert und druchgeführt werden, ist höchst primitiv und wäre ein großer Rückschritt. Zudem ist mir völlig unklar, wie solche Ausgleichsprozesse auszusehen hätten; bei libertären Autoren liest man oft: »Ein Dieb ist entweder damit einverstanden, dass man ihm auch etwas wegnimmt (aber wie viel?), weil er ja schließlich die libertäre Ordnung respektiert, oder aber er respektiert sie nicht und dann darf man quasi alles mit ihm machen, also ihm auch etwas wegnehmen.«; ein Argument das offensichtlich nicht verfängt. (Was, wenn Robin Hood findet, Reichen dürfe man wegnehmen, was sie nicht brauchen, wenn man es selber mehr brauche?)
  4. Komplexität von Gemeinschaften. Zusammenleben ist so komplex organisiert, dass es quasi notwendigerweise zu Rechtsverletzungen kommt, welche nicht verhindert, aber gerecht organisiert werden können. Verkürzt gesagt geht das Gemeinwesen vor, so lange nicht Menschenrechte (das Recht auf unbeschränktes Eigentum zähle ich nicht dazu) verletzt werden; weil sonst die »Freiheit« eines Individuums das Wohlergehen einer Reihe anderer beeinträchtigt. Quasi-staatliche Lösungen sind in diesen Belangen die effizientesten, weil sie a) die Bedürfnisse aller davon Betroffen in Betracht ziehen und b) sie nach etablierten, anerkannten Grundsätzen gegeneinander abwägen; sie sind zudem c) veränderbar, wenn dies erforderlich wäre.
  5. Kein Argument – nur eine Frage: Wenn die libertäre Utopie so viel versprechend wäre, dann müsste man doch zumindest Ansätze dazu in der Geschichte des Menschen finden. Die in dieser Hinsicht zitierten Beispiele (z.B. hier) scheinen nicht wirklich überzeugend zu sein.

Fazit: Wenn eine Idee sehr einfach ist – dann dürfte sie problematisch sein. Ich weiß, kritisieren ist einfacher als selber konstruieren; aber das kann ja in einem weiteren Artikel folgen.

7 thoughts on “Libertär, liberal und Freiheit – ein paar Bemerkungen

  1. Ein paar Anmerkungen dazu:

    1. Ja Freiheit hat verschiedene Bedeutungen. Manche meinen damit Handlungsoptionen. Im Libertarismus ist Freiheit jedoch klar definiert: Abwesenheit von (physisch durch andere Menschen ausgeübter) Zwang.

    2. a) Wie kommst du darauf, dass das Gros des heutigen Eigentums auf früheren illegitimen Aneignungen basiert?

    2. d) Interessanter Punkt. Könntest du diesen etwas erläutern? Was für Regulierungen? Wieso sind diese nötig?

    3. Hier dürfte dich Stephan Kinsellas Estoppel-Argument und Walter Blocks „two teeth for a tooth“ interessieren.

    Dann möchte ich auch noch erwähnen, dass es innerhalb des Libertarismus verschiedene Positionen gibt. Insbesondere in der Begründung der Eigentumsrechte. Da wäre eben Rothbards Naturrechte, dann David Friedmans Utilitarismus, Hoppes ‚argumentation ethics‘.

  2. Pingback: Twitter Trackbacks for Libertär, liberal und Freiheit – ein paar Bemerkungen « Ws Blog [philippe-wampfler.com] on Topsy.com

  3. Eine schöne, durchdachte Auseinandersetzung. Es ist mir auf die Schnelle nicht möglich, auf alle m.E. kritikwürdigen Elemente einzugehen – aber ein paar Anmerkungen würde ich doch anbringen wollen:

    1. Der Begriff der Freiheit.
    Hier bedarf es tatsächlich griffiger Alternativen. Es reicht nicht zu sagen, Definition A ist schlecht, wenn keine alternative Definition angeboten wird. Die liberale Definition der Freiheit (Respekt individueller Rechte/Abwesenheit von Zwang, d.h. von willkürlicher Gewaltandrohung) ist etwa so alt, wie die politische Philosophie. Du deutest eine alternative Definition an (Verfügung über Wahlalternativen). Eine solche materialistische Definition der Freiheit hat den Nachteil, dass sie willkürlich ist (ab welcher Auswahl von „Möglichkeiten“ ist der Mensch frei?) und nicht widerspruchsfrei (ist der heute lebende Angestellte freier als einer vor 100 Jahren, nur weil er über eine grössere Produktauswahl verfügt?). Der Wunsch, Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen mag ja legitim sein, aber er hat nicht die Freiheit zum Ziel sondern eben einen gewissen materiellen Wohlstand. Das sollte nicht durcheinandergeworfen werden.
    2. Logik der Argumentation
    Hier liegt glaube ich ein Missverständnis vor. Die Beschränkung der Freiheit durch die Rechte anderer implizierte keine willkürliche, subjektive Rechtsdefinition. Meine Freiheit endet also nicht da, wo der jeweils andere glaubt, dass seine Rechte beginnen, sondern da wo er sich nach allgemeinem Rechtsgebrauch darauf verlassen kann, dass seine Rechte anerkannt sind. Damit ist eine Forderung nach der Universalität von Rechten verbunden – sie müssen allgemein anerkennungsfähig sein und dürfen sich nicht widersprechen. Dies wiederum impliziert eine „schlanke“ Definition von Rechten, damit diese allgemein anerkennungsfähig bleiben.
    3. Eigentum
    a) Da ist etwas dran, dies zu diskutieren würde aber mehrere Seiten erfordern (so einfach ist die Idee des Liberalismus also doch nicht ;-)
    b) Es sollte heute eigentlich kein Zweifel mehr daran bestehen, dass freiwillige Interaktionen, also der Markt am besten in der Lage ist, mit knappen Ressourcen unbegrenzte Bedürfnisse zu befriedigen. Andere Fragen gehen darüber hinaus: Ist eine solche Ordnung stabil, befriedigend etc. Auch hier zeigt die Erfahrung jedoch, dass eine Marktordnung allen Alternativen überlegen ist, da sie mehr Wohlstand erzeugt und diesen nachvollziehbar verteilt.
    c) Land ist keineswegs von menschlicher Arbeit unabhängig. Es muss ja bearbeitet, bebaut, exploriert etc. werden, um seinen Wert zu erhalten. Insofern ist diese kategorische „Muss“ kaum nachvollziehbar.
    4. Strafrecht
    Der Liberalismus erfordert kaum ein Rechtsystem, welches auf einer Strafverfolgung durch Individuen beruht. Auch muss ein Dieb nicht „die libertäre Ordnung“ respektieren um verfolgt zu werden. Das Rechtsystem dient, wie du das schreibst, der Herbeiführung von Ausgleichsprozessen. Diese Aufgabe begrenzt zugleich seinen Umfang (das Abhacken von Händen gleicht z.B. offensichtlich einen Diebstahl nicht aus). Wiederum handelt es sich hier aber um eine zu komplexe Frage, um kurze Antworten zu finden.
    5. Komplexität von Gemeinschaften
    Auch hier stellst du wieder willkürliche Postulate auf. Eine liberale Ordnung dient natürlich auch der „gerechten Organisation“ des Umgangs mit Rechtsverletzungen. Sie zeichnet sich aber tatsächlich dadurch aus, dass eben nicht das Gemeinwesen vor individuellen Rechten kommt, sondern umgekehrt. Aus einem einfachen Grund: Das Gemeinwesen besteht aus jenen Individuen, die zu schützen sind. Das Gemeinwesen vor individuelle Rechte stellen zu wollen, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen damit als gefährliche Floskel, mit der jede Willkür legitimiert werden kann. Gerade eine liberale Ordnung, weil sie auf Freiwilligkeit beruht, stellt dagegen universalisierbare, allgemein anerkennungsfähige Rechtsordnungen sicher und zieht dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten in Betracht, nicht umgekehrt.

    • Danke für die ausführliche Rückmeldung.
      1. Meine Definition von Freiheit ist nicht materialistisch; sondern klärt nur, was Freiheit meinen kann. Freiheit kann – unabhängig von ihrer Definition – doch nur vorliegen, wenn zwischen Alternativen gewählt werden kann. Und Abwesenheit von Zwang ist keine brauchbare Definition (egal wie alt sie sein mag), weil Zwang in einem Zirkelschluss all das ist, was meine Freiheit einschränkt. Selbst wenn man Zwang anders definiert (Benjamin deutet eine Definition in Richtung physischer Übergriffe anderer Menschen an), bliebe nicht unbedingt »Freiheit« zurück, sondern einfach »Abwesenheit von Zwang«. Das ist nicht ein beliebiger Unterschied, weil der Begriff »Freiheit« impliziert, der Staat schränke unsere Freiheit ein; die Rückbesinnung auf die Wichtigkeit von Alternativen zeigt jedoch, dass sinnvolle Staatsmodelle die Freiheit vergrößern.
      2. Mit einer solchen Rechtsdefinition habe ich keine Problem – allerdings erfordert auch sie eine Art demokartischen Legitimierungsprozess, der in radikal-libertären Ansätzen nicht vorgesehen ist.
      3. — nur mit a) einverstanden… 
      4. Auch hier bin ich einverstanden, dass das Problem komplex ist.
      5. Ich sehe den »Appeal« einer Ordnung, die individuelle Rechte vor die Rechte der Gemeinschaft stellt. Was ich aber meine, ist z.B. das: Unzählige Individuen wollen von A nach B kommen; wobei zwischen A und B das Land des Individuums X liegt. Individuum X will nicht, dass ein Verkehrsweg über sein Land führt; und da X reich ist, ist er nicht bereit, auf ein finanzielles Angebot einzugehen, um sein Land abzutreten. Also bewirkt das individuelle Recht von X auf sein Eigentum, dass die Möglichkeiten von allen anderen Individuen eingeschränkt wird. Solche Probleme sind in der heutigen Gesellschaft in großer Zahl vorhanden, man denke an Fluglärm etc. Das Postulat, der Staat regle diese Probleme am effizientesten, mag willkürlich erscheinen, könnte aber durchaus elaborierter präsentiert werden.
      Es ist mir aber durchaus bewusst, dass im Namen des Gemeinwesens nicht willkürliche Lösungen durchgesetzt werden können (dafür müssen Mechanismen gefunden werden), aber nicht jede Lösung im Namen des Gemeinwesens ist deswegen willkürlich.

  4. Ganz systematisch kann ich nicht antworten, aber doch zu einigen Punkten:
    1.Es ist wohl einer der allercleversten PR-Coups der letzten 10 Jahre, den Inhalt der Begriffe Freiheit und Individualismus neu definiert zu haben.
    2.Wir waren einmal sehr stolz darauf – meiner Meinung nach mit Recht – als nationale Solidargemeinschaft wichtige Freiheiten erkämpft zu haben, für die alle bereit waren einen Beitrag zu leisten: frei von Angst vor unbefristeter Kündingung, frei von Angst vor Armut im Alter, frei von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht etc., frei von hohen Kosten für die Schulbildung unserer Kinder. Für diese Freiheiten und Sicherheiten bin ich gerne bereit Steuern zu zahlen und fühle mich weder ‚beraubt‘ noch ‚in meinen Bedürfnissen eingeschränkt‘ dadurch.
    3. Etwas einfach ist die Sicht auf ‚den Staat‘ als Antagonisten, der Staat sind wir, Leute, die von uns gewählt wurden.
    4. Eine Wende hin zu einem Freiheitsbegriff, der sich vor allem auf den Einzelnen bezieht, ist ein Rückschritt in Richtung Recht des Stärkeren, darauf weist du ja auch hin, Philippe.
    Alle sozialen Errungenschaften werden jetzt als Einschränkung des Individuums in seiner persönlichen Wahlfreiheit dargelegt. Ich bin nicht einverstanden damit, dass mit dem Anspruch, alle an der Gemeinschaft teilhaben zu lassen, jeglicher Willkür der Weg geebnet wird.(Christian, 5.) Je stärker und je mehr Mitglieder sich mitverantwortlich fühlen für die Allgemeinheit umso geringer wird die Chance einer Willkürherrschaft.
    5. Ich stelle auch ein Fragezeichen hinter deine Annahme, Christian, „Es sollte heute eigentlich kein Zweifel mehr daran bestehen, dass freiwillige Interaktionen, also der Markt am besten in der Lage ist, mit knappen Ressourcen unbegrenzte Bedürfnisse zu befriedigen.“ Dafür sehe ich nun wirklich keine Beispiele rundherum. Der Markt besteht nicht aus freiwilligen – implizit vernünftigen? -Interaktionen, sondern aus vielen unvorhersehbaren und zT. unvernünftigen Entscheidungen, die von einzelnen Individuen getroffen werden, und sehr viele treffen.
    6. Schliesslich ist der Begriff der ‚Bedürfnisse‘ vollkommen vage. Bedürfnisse können nach Belieben produziert werden und immer neue dazuerfunden werden. Davon lebt ‚der Markt‘ so es ihn denn gibt.
    Es scheint mir eine Grundsatzfrage zu sein:
    Ist man bereit und innerlich frei, für die eigene Generation, sowie für die der Eltern und der Kinder Verantwortung zu übernehmen und einen Beitrag zu leisten, und dies als hohe Lebensqualität zu schätzen, oder
    Ist man bereit über Leichen zu gehen für die maximale persönliche Freiheit / Bedürfnisbefriedigung/ Einsamkeit?
    Verzeiht die Polemik, ich kann nicht anders.

    • Danke Britta, für diese Punkte. Den Begriff des »Bedürfnisses« habe ich etwas vergessen, darin liegt auch ein ganz großes Problem. Bedürfnis schent in vielen libertären Argumentationen durch »Wunsch« gefasst zu werden – und zudem als etwas direkt aus dem Individuum Stammendes. Beide Annahmen scheinen mir problematisch.

  5. 2. Abs. a) „Eine solche Ordnung funktioniert, wenn einmal ein Modus der originären Eigentumsverteilung festgelegt ist. Da aber fast alles Eigentum auf – in libertärer Sicht – illegitimer Aneignung basiert, sind die Voraussetzungen der Ordnung nicht gegeben. Es müsste eine Art Urzustand hergestellt werden, und alles noch einmal verteilt werden.“

    Den Urzustand müsste man nur dann Fordern wenn man Eigentum naturrechtlich begründet.

    Da der Staat strenggenommen über kein Eigentum verfügt, müsste er versuchen die Nachfahren der rechtmäßigen Eigentümern zu finden um diesen das Enteignete wieder zu übergeben.

    Wenn keine rechtmäßigen Eigentümer oder Nachfahren existieren, muss der Staat es verkaufen. Mit dem Profit könnten Rentner und Beamte ausgezahlt werden.

    b) „Ressourcen sind knapper als es eine vollständige Befriedigung aller Bedürfnisse erforderte. Die Frage, ob man also diese Unterdeckung von Bedürfnissen individuellen Entscheidungen überlassen sollte, ist zumindest diskussionswürdig. M.E. ist eine sinnvolle, effiziente Ordnung (d.h. z.B. die Vermeidung von Krieg) von der Verteilung der Ressourcen abhängig. Und diese Verteilung muss auf einer – wie auch immer gearteten – Abmachung beruhen, und nicht auf rein individuellen Aneignungsprozessen.“

    Eigentum ist der Anspruch eines Individuums an einen bestimmten Besitz.
    Jeder Mensch Besitzt zumindest den Eigenen Körper, um diesen am Leben erhalten zu können, müssen weitere Besitztümer folgen, sind erst einmal die Grundbedürfnisse befriedigt, so strebt der Mensch nach weiterem Besitz.
    Ein Produktionsmittel, ein Gut oder einen Körper können nie zwei Personen gleichzeitig besitzen oder nutzen, es muss geklärt werden, wer einen Anspruch auf die besagten Dinge hat. (siehe dazu die Lock`sche Theorie zur Lösung dieses Problems)

    Ein Mensch kann natürlich nicht einfach in den Amazonas gehen, und Sagen, alles was mein Auge erblickt gehört nun mir. Um einen Anspruch geltend machen zu können muss er eine knappe Ressource (z.B Eigene Energie und Zeit) mit einer anderen knappen Ressource (z.b Holz und Boden) vermengen. Als Erstnutzer des kultivierten Landes nimmt er sich nun die Freiheit einen Anspruch auf diesen Besitz zu erheben, es ist zu seinem Eigentum geworden. Man kann aber natürlich auch durch Tausch oder Geschenk Eigentum erwerben, hier werden Ansprüche an die Besitztümer einfach übertragen.

    Großflächiger Landbesitz war nie das Resultat eines freien Marktes, sondern immer das Resultat von Politik.

    Für (echte) Kapitalisten sind und waren immer „nur“ Körper, Produktionsmittel (umgewandelte Ressourcen, Arbeit) und Getauschte Güter Eigentum.
    Niemals kann ein Mensch, eine Gesellschaft oder ungenutzter Boden Eigentum „eines“ Menschen sein.

    c) „Güter, die vom Menschen und seiner Arbeit unabhängig sind, z.B. Land, natürliche Ressourcen, können nicht einfach in privates Eigentum übergehen, sondern müssen gemeinschaftlich verteilt werden.“

    Siehe meine Antwort zu punkt b.
    Ohne Vermischung von Arbeit und Rohstoff gibt es auch kein Produkt das die Bedürfnisse erfüllen kann.

    Die Frage die sich hier stellt ist, wer ist der Verteiler ?

    Warum hat die Gemeinschaft einen größeren Anspruch auf das „ungenutzte“ als das Individuum ?

    d)“immaterielle Güter, z.B. das so genannte »geistige Eigentum«, soll nicht wie Eigentum behandelt werden, bedarf aber gewisser Regulierungen, welche durch das locke’sche Konzept nicht gelöst werden können.“

    Private Copyrights die durch Verträge geregelt sind würde es auch im Anachokapitalismus gäben, es gäbe nur keine Staatlich regulierten Copyrights.

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