Die Antworten – und neue Fragen

Nun habe ich versprochen, diese Fragen zu beantworten, und Versprechen sollte man ja halten, auch wenn schon allein die Tatsache, dass ich das so lange versäumt habe, irgendwie Aufschluss darüber geben könnte, dass ich die Fragen nicht mehr so toll finde. Oder ihre Beantwortung nicht so spassig.

Die Anlage der Fragen zielt völlig auf ein monogames Leben mit einer Partnerin oder einem Partner ab, dem oder der man zwar noch irgendwie treu ist, gleichzeitig aber auch die Schuld dafür gibt, dass man a) Bürofuzzi anstatt Architekt und b) eigentlich auf Adrian Amstutz steht. Somit erfülle ich vielleicht einfach die Voraussetzungen nicht.

Im Folgenden die Antworten auf die Fragen, die ich noch interessant finde:

  1. Was ich besser kann als meine Freunde, ist so tun, als wüsste ich etwas, was ich nicht weiß. Vielleicht täusche ich mich aber.
  2. Ich wollte einmal Journalist werden, als ich schon so alt war, dass dieser Wunsch etwas bedeuten könnte. Und auch heute wäre ich gerne Journalist. Ich bin es nicht geworden, weil ich wahrscheinlich zu bequem bin. Und ich denke, dass ich es so gut könnte, dass man mich dafür bezahlen würde.
  3. Wofür man mich auch noch bezahlen könnte, wäre das Facebook/Twitter/social media-Profil einer prominenten Person zu betreuen. Obwohl: Meine eigenen Tätigkeiten auf Facebook rufen in letzter Zeit vermehrt negative Reaktionen hervor.
  4. Ich bin bei meinen Arbeitskollegen wohl nicht besonders beliebt. Einer der Gründe könnte sein, dass ich immer in einen Computerbildschirm schaue. (War das jetzt eine interessante Antwort?)
  5. Ich kann auf jeden Luxus verzichten (wie jeder Mensch). Ich tu es nicht, weil ich zu bequem bin.
  6. Drogen faszinieren mich schon seit ich 11 bin. Alle Drogen eigentlich. Ich kann stundenlang auf Drogenforen lesen, mit einer Mischung aus Anziehung und Ekel. Und doch – so richtig in Versuchung, mal etwas Koks reinzuziehen, bin ich noch nicht im erntfentesten gekommen.
  7. Charaktereigenschaften überfordern mich. Was ist eine Charaktereigenschaft? Ungeduldig sein? Großszügig sein? Beides bin ich, irgendwie. Und nun soll ich sagen, ob das gut ist oder nicht? Schwierig, schwierig.
  8. Die zwei wichtigsten politischen Themen sind a) dass wir nicht vergessen dürfen, dass unser Wohlstand nicht verdient ist – und eine Sicherung unseres Wohlstandes immer auch bedeutet, dass Armut geduldet wird; und b) dass Ressourcen endlich sind.
    Dafür getan habe ich eigentlich nichts, bisher. Aber darüber nachgedacht.
  9. Zu meiner Nation fallen mir viele Vorurteile ein. Insgeheim erwarte ich vor allem in Deutschland, als Schweizer aufgrund meiner Nationalität mit Sympathie behandelt zu werden. Und bin auch betroffen davon, an ein Leben im Luxus gewöhnt zu sein und mich beim Gedanken zu ertappen, es irgendwie verdient zu haben. Das Problem, zu meinen, wir seien uns selbst genug, kenne ich zum Glück aber nicht.
  10. Keine Ahnung habe ich von Physik. Wiewohl ich mittlerweile sicher bin, dass Physik sehr interessant ist – ich kenne elementare Zusammenhänge nicht und lese regelmäßig nach, was man eigentlich wissen müsste.
  11. Monogamie ist einfach. Alles andere ist komplizierter. Mehr verstehe ich davon allerdings nicht.
  12. Ich glaube wohl an mehr, als ich denke. Um grad beim Denken zu bleiben: Z.B. daran, dass nachdenken etwas bringt. Was nämlich keineswegs selbstverständlich ist und wohl kaum bewiesen werden kann. Nicht nachdenken ist – siehe Monogamie – wohl einfacher.
  13. Ich glaube nicht mehr an Toleranz, in dem Sinne, dass jeder seine eigene Meinung haben darf, unabhängig davon, ob diese Meinung irr oder falsch ist. Toleranz heißt oft, etwas zu dulden, was man nicht dulden sollte.
  14. Angst habe ich vor Hunden. Und Pferden. Und großen Schildkröten. Und Kühen, wenn man ihre Weide überqueren muss.
  15. Bis auf zwei Peridoden von ca. je einem Jahr war in meinem Leben immer die beste Zeit meines Lebens. Auch jetzt. Vor allem jetzt.

Nun habe ich 15 beantwortet, komme mir langweiliger vor denn je – und hänge noch was an. (Wenn jemand eine andere Frage beantwortet haben will, bitte einfach melden; ich versuchs dann, so lange es keine Personen beinhaltet, die auf diesem Blog nichts verloren haben. Diese Woche hat mir jemand gesagt: »Ich würde ja schon auch bloggen, aber die Dinge, die in meinem Leben interessant sind, müssen geheim bleiben.« Das wäre vielleicht ein Leben, das ich auch haben möchte. Für einen Monat.)

Die Fragen stammen aus Glavinics großartigem neuen Roman, Das Leben der Wünsche (S. 219f.):

  1. Wieso ist uns egal, was in Afrika passiert?
  2. Glaubst du an Vorbestimmung? Wieso kriegt der eine AIDS, der andere nicht? Wieso wird die eine reich und ihre Freundin todkrank? Wieso Unfälle? Wieso Glück?
  3. Es gibt eine Zeitmaschine. Du darfst drei Reisen antreten. Jede dauert drei Tage. Wohin fährst du?
  4. Was bedeutet Zufall?
  5. Glaubst du?
  6. Wo ist die Toilette?
  7. Hast du ein Weltbild? Würdest du sagen, du hast ein klares Weltbild?
  8. Glaubst du an Gott?
  9. Gehören Sex und Liebe zusammen?

Man muss die Antworten lesen – sonst wirken die Fragen wieder etwas platt. Und die besten Fragen, so wurde mir vor zwei Woche gesagt, sind immer noch die von Frischs Tagebuch: Fragebogen.

5 thoughts on “Die Antworten – und neue Fragen

  1. Ich habe mir auch schon Gedanken darüber gemacht, wie unser Wohlstand zu rechtfertigen ist. Eine Antwort habe ich nicht gefunden. Aber vielleicht ist die auch vollkommen überbewertet und es braucht sie gar nicht. Die Probleme einer Gesellschaft unterscheiden sich vor allem in ihrer Form. Wie man damit umgeht und ob man damit glücklich werden kann, liegt an einem selbst.
    Ja, ich weiss: nur eine Ausflucht. Hätte ich nichts zu Essen würde ich die Sache anders sehen.

    • Wir können schon einmal annehmen, dass unsere Probleme zu Problemen anderer, weniger wohlhabenden Gesellschaften gleichwertig sind. Aber dann wären unsere Probleme auch gleichwertig, wenn wir weniger wohlhabend wären, also spielt das gar keine Rolle.
      Und ich bin ziemlich sicher, dass eine Art Untergrenze für diese Annahme gibt (eben z.B. Hunger).

  2. @Glavinic: Mir ist überhaupt nicht egal,was in Afrika passiert!
    Manchmal würde ich gerne an Vorbestimmung glauben
    Ich würde 3 Tage ins Jahr 2200 reisen, und sehen, was man sich über uns erzählt, 3 Tage Anfang August nach Tara in Irland BC ans Lugnasadhfest, und 3 Tage als Mann an eine Party von Augustus in Rom.
    Zufall ist unerkannte Synchronicity.
    Die Toilette ist immer hinten links.
    Ich glaube an die Göttin in mir
    und weiss, dass leider Liebe und Sex nicht immer zusammen gehören.
    Tja, und für den ausführlicheren Seelenstrip habe ich morgen dann Mut.

  3. Tja, nun hat mich auch der Mut verlassen, und meine ausgewählten Antworten bleiben hier. Den Fragebogen von Max Frisch fand ich äusserst inspirierend, vor allem die letzte Frage 15 im Fragebogen x!
    Und deine Antworten sind sehr aufschlussreich. Ich werde nicht mit dir über eine Kuhweide gehen, weil du dich dann hinter mir verstecken willst und hinter wem verstecke ich mich dann? Ausser vor Kühen fürchte ich mich vor Autounfällen und Überschwemmungen, aber Ratten, Dreck und Ungeziefer machen mir keine Angst mehr.
    Ich verzichte auch nicht auf Luxus – warum sollte ich? Könnte aber auch mit halbem Lohn leben und zufrieden sein.
    Die beste Medizin ist heisse Schoggi mit Grand Marnier. So, doch was verraten. Good night;)

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