»es« funktioniert – Dario Cologna gedopt?

[Quelle: .ch, 16. Dezember 2008. Bildlegende (von mir): Aufhören, bitte.]

Dario Cologna – die Schweiz hat einen weiteren Helden.

Gab es für Sie in diesem Winter nie einen kritischen Moment, in dem Sie dachten, der Weltcup entgleite Ihnen noch?
Nein, ich hatte nie Angst, dass es nicht funktioniert. [Quelle]

Die NZZ bezeichnet ihn als »der Naturbursche aus dem Val Müstair« und erklärt:

Er nahm die Signale seines Körpers ernst und verzichtete zugunsten des Weltcups auf den 50-km-Lauf in Liberec. [Quelle]

Und ich meine: Ein Naturbursche gewinnt den Gesamtweltcup nicht, sondern nur jemand, der weiss, dass »es« funktioniert. Und der Verzicht auf den 50-km-Lauf dürfte so auch in ein anderes Licht rücken. Nein, Beweise habe ich keine – wundere mich nur, wenn ich die Lobeshymnen lese und sehe, dass niemand diese Fragen stellt. Aber natürlich: Schweizer dopen prinzipiell nicht, genau so wenig wie das Bankgeheimnis ein Deckmantel für kriminelle Taten ist (oder gewesen ist).

8 thoughts on “»es« funktioniert – Dario Cologna gedopt?

  1. Mir gefällt diese optimistische Naivität ja sehr. Vertrauen in die Menschheit und insbesondere in gesunde, schweizer Naturburschen, ist nicht zu unterschätzen in Zeiten wie diesen.
    also ich meine, wo kämen wir denn da hin, ned wohr?

  2. Werner Günthör war schliesslich auch nie gedopt, Tony Rominger auch nicht. Nur der Hermann Meier, der war im Leben nie sauber…….

  3. liper weee, was willst du denn nun von den lieben medien? dass sie die medienethik hochhalten? oder dass sie am tag nach dem grössten schweizer langlauferfolg ever gleich ohne den geringsten anhaltspunkt den dopingverdacht mit zwei fragezeichen aufwerfen? titel mit fragezeichen sollte man nicht machen. das gilt m.e. auch für blogs…

  4. Den Titel brauchte ich so aus zwei Gründen: Um bei Google zu gewinnen, wenn diese Begriffe gesucht werden, und um die nicht belegbare Behauptung da hinzustellen. Es gäbe sicher noch schickere Methoden, solche Behauptungen in einem Titel unterzurbingen, die sind mir einfach nicht grad eingefallen.
    Dass Medien solche Fragen stellen, scheint mir bei der Faktenlage (in jedem Ausdauersport ist Doping verbreitet, Cologna hatte ein enormes Tief während den Weltmeisterschaften) eine legitime Forderung zu sein. Und unethisch ist es keineswegs – unethisch ist es, sich diese Fragen nicht zu stellen. Es ist ein Reflex der Schweizer Medienlandschaft, in den SI-Modus zu schalten und jeden, der international auch nur ein Schlauchbootrennen gewinnt, sofort als untouchable zu deklarieren. Dass Schweizer gedopt sein könnten, ist ein Gedanken, den niemand zu denken wagt. Das scheint mir mit ethischen Prinzipien nicht wirklich in einem Zusammenhang zu stehen.

  5. journalisten stellen sich und anderen viele fragen. solange sie aber keine antwort, also beweise oder zeugen für eine these haben, sollten sie korrekterweise nicht darüber schreiben. sonst gibt es eben fragezichen-geschichten. a la „viele fragen sich natürlich jetzt wie es zum kometenhaften aufstieg von xy kommen konnte. experten scheint vor allem der kurzfristige verzicht auf den 50km-lauf verdächtig. der deutsche sportarzt xy: „Dopingsünder verzichten oft kurzfristig auf wettkämpfe“… … … Doch noch nie wurde eine Urinprobe von xy positiv getestet. Er selber sagt: „Ich habe nie Doping genommen, Und werde es auch niemals tun.“ – solche artikel würden dann – und das völlig zu recht – in diesem blog verrissen. eine dopinggeschichte über schweizer sportler wird auch bei dünner faktenlage sofort gedruckt. sie cancellara letzten herbst.

  6. Der Journalistenethos in Ehren (»solange sie aber keine antwort, also beweise oder zeugen für eine these haben«) – und meine grundsätzlich kritische Haltung allen Schweizer Printmedien gegenüber (Ausnahmen: NZZ und WoZ) beiseite -: Wenn man Sportredaktoren fragt (und das habe ich getan), dann sagen sie, es sei sehr gut möglich, dass Cologna gedopt sei. Und was schreiben sie? Sie feiern einen »Naturburschen« ab. Nur weil man keine Beweise für etwas hat, muss man nicht das Gegenteil von dem schreiben, was allen Experten vernünftig scheint.

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