Wie schwul bist du wirklich?


Man kann die Qualität des Zusammenlebens in einer Gesellschaft leicht messen: So angenehm, wie die Schwächsten behandelt werden, so angenehm kann man wohl generell das Zusammenleben in so einer Gesellschaft bezeichnen.
In unserer Gesellschaft gibt es einige, die man als schwach bezeichnen kann. Weder von Ausländern (die Mundgeruch zu haben scheinen) noch von Behinderten (gibts die noch – oder haben wir die nicht alle schon vor der Geburt abgetrieben?) soll hier die Rede sein, sondern von Schwulen. Vielleicht auch von Lesben.
Natürlich sind wir total aufgeklärt, finden Schwul-Sein völlig normal, schließlich gibt es sogar in Hollywood-Serien mittlerweile Schwule. Nur sollen diese Schwulen doch nicht einfach so rumlaufen wie Schwuchteln, nicht so hoch reden, rosa Hemden anziehen und was Schwule sonst noch so alles machen. Und auch wenn 20-Jährige allerhand als »schwul« bezeichnen, so meinen sie es nicht negativ, so sagt man heute halt einfach, wenn etwas irgendwie nicht so ist, wie es sein sollte. Nein, »schwul« ist keine Beleidigung, denn wir kennen sogar jemanden, der kennt einen, und der ist schwul. In meinem Umfeld gibt es – glücklicherweise – keine Schwulen, denn dann würden die mich noch anmachen und so. Wie das Schwule halt tun. Aber nein, gegen Schwule habe ich nichts.
Und noch ein bisschen ernsthafter: Homosexuelle Jugendliche bringen sich sechs Mal häufiger um als gleichaltrige Heterosexuelle [Quelle, pdf]. Und warum? Weil ein coming out in einer durchschnittlichen Schweizer Schule, einem durchschnittlichen Schweizer Sportverein, an einem durchschnittlichen Schweizer Arbeitsplatz mehr Mut braucht, als man von jungen Menschen erwarten kann. Aber es sollte keinen Mut brauchen. Und wenn Frau Mauch gefragt wird, was sich nun die Homosexuellen von ihrer Wahl versprechen können, so könnte man das nächste Mal auch einen heterosexuellen Politiker befragen, was denn nun die heterosexuellen Paare von seiner Wahl haben.

Doppelgänger – Eine Geschichte

Mit den drei auf der linken Seite abgebildeten Herren werde ich dann und wann verwechselt – mit den einen häufiger, mit den anderen weniger häufig. Die sehen nun alle ganz ansprechend aus, so dass diese Verwechslungsgeschichte mein Ego nur insofern berührt, als dadurch meine unleugbare Individualität direkt hinterfragt wird. Sowas mag ich nicht.
Die Geschichte, die ich erzählen will, ist kurz: Ich war verabredet. Auf dem Weg zum Treffpunkt meine ich meinen Gesprächspartner zu treffen, spreche ihn an, und er meint: »Ah nein, ich bin nicht X, er wartet schon auf Sie.« Leicht peinlich berührt bespreche ich mich mit X, ohne die Verwechslung zu erwähnen. Kaum ist er gegangen,
treffe ich eine Kollegen, der meint: »Der X wollte seine Besprechung mit mir abhalten, er hat gemeint, ich sei du.« So hat denn also eine Besprechung zwischen zwei Menschen stattgefunden, die beide voneinander nicht wussten, dass sie jeweils der andere sind.

Internet, Botox und »Maulkorb« – Katja Stauber und Erwin Kessler

Katja Stauber wehrt sich juristisch gegen Erwin Kessler, weil der erstens kritisiert, wie Frau Stauber die Tagesschau moderiert hat und ihr zweitens unterstellt, Botox gespritzt zu haben.
Nun hat das Zürcher Obergericht Herrn Kessler »im Rahmen einer vorsorglichen Massnahme jegliche kritische Äusserungen über die Fernsehfrau« verboten [Quelle]. Obwohl das Obergericht einsieht, dass es in die Meinungsäußerungsfreiheit von Herrn Kessler eingreift, legitimiert es die Massnahme »durch die ernsthafte Befürchtung weiterer Persönlichkeitsverletzungen«.

Man fragt sich:

  • Müsste für das Urteil nicht auch geklärt werden, ob Frau Stauber Botox gespritzt hat? Herr Kessler darf dies nicht mehr behaupten – obwohl es ja vielleicht richtig ist…
  • Wie konnte Frau Stauber (bzw. ihre Anwälte (v.a. Mayr von Baldegg) und Berater) auf die Idee kommen, einen solchen Prozess anzustreben – dessen wohl direktestes Resultat ist, dass Google für „Katja Stauber“ nun an dritter Stelle den Botox-Vorwurf liefert (Und die Frage »Wie hässlich ist die Botox-Moderatorin KatjaStauber wirklich?«).
  • Wie konnten sowohl diese Leute als auch das Gericht annehmen, ein Urteil könne eine Meinungsäußerung im Internet verhindern (Herr Kessler gibt an, die Seiten seien auf einen Server in »Übersee« transferiert worden)?
  • Wie kann eine Einschränkung der Meinungsäußerungsfreiheit dadruch begründet werden, dass jemand etwas sagen könnte, was gegen das Gesetz verstösst? Widerspricht das nicht in fundamentaler Weise dem Prinzip der Freiheit?
  • Und letztlich stellt das Internet doch auch die Festlegung eines oder einer Verantwortlichen für eine Information vor grössere Schwierigkeiten, wenn man sowas geschickt organisiert, kann niemand mehr wissen, wer genau etwas geschrieben, gesagt, gepostet etc. hat.

Tja, diese neue Medienwelt…

»es« funktioniert – Dario Cologna gedopt?

[Quelle: .ch, 16. Dezember 2008. Bildlegende (von mir): Aufhören, bitte.]

Dario Cologna – die Schweiz hat einen weiteren Helden.

Gab es für Sie in diesem Winter nie einen kritischen Moment, in dem Sie dachten, der Weltcup entgleite Ihnen noch?
Nein, ich hatte nie Angst, dass es nicht funktioniert. [Quelle]

Die NZZ bezeichnet ihn als »der Naturbursche aus dem Val Müstair« und erklärt:

Er nahm die Signale seines Körpers ernst und verzichtete zugunsten des Weltcups auf den 50-km-Lauf in Liberec. [Quelle]

Und ich meine: Ein Naturbursche gewinnt den Gesamtweltcup nicht, sondern nur jemand, der weiss, dass »es« funktioniert. Und der Verzicht auf den 50-km-Lauf dürfte so auch in ein anderes Licht rücken. Nein, Beweise habe ich keine – wundere mich nur, wenn ich die Lobeshymnen lese und sehe, dass niemand diese Fragen stellt. Aber natürlich: Schweizer dopen prinzipiell nicht, genau so wenig wie das Bankgeheimnis ein Deckmantel für kriminelle Taten ist (oder gewesen ist).

Steinbrück und die direkte Demokratie – egal oder doch nicht?

Eben wollte ich Flos neuesten Blogpost kommentieren und auf diese Story verweisen, in der der Tagi die neue Nicht-recherchieren-aber-über-wenig-nette-Mediensprecher-berichten-Methode ein weiteres Mal glänzend angewendet hat. Ich hatte die gelesen, als sie erschienen ist, und merke, da hat sich was getan. Such man bei Google, findet man diese Resultate:Und man merkt: Irgendwer hat irgendwie den Zusatz, die direkte Demokratie sei »uns hier in Deutschland egal« gelöscht. Warum wohl? Es darf spekuliert werden.
Der Zusatz hat den pi-news-Blog dazu gebracht, dem Steinbrück gleich ihre Wertschätzung engegen zu bringen, wie man auf dem Bild auch sieht.

Filme und Serien legal runterladen

Diese Anleitung gilt für die rechtliche Situation in der Schweiz. Das Prinzip ist Folgendes: In der Schweiz dürfen alle nicht-verbotenen Daten aus dem Internet geladen und genutzt werden. Sie dürfen auch auf ein Medium kopiert und Bekannten weitergegeben werden.

Verboten sind zwei Dinge:

  • Urheberrechtlich geschützte Daten ins Internet hochzuladen.
  • Urheberrechtlich geschützte Daten kommerziell zu verwerten.

Um Filme oder Serien in hoher Qualität aus dem Internet runterzuladen, geht man wie folgt vor:

  1. Die Links zu den Dateien finden.
    Am besten macht man das auf spezialisierten Foren, empfehlen kann ich:
    Serienjunkies.org
    Bolt.cd [man muss dort ein kostenloses Konto anlegen]
    oneddl.com
  2. Die Dateien runterladen und zusammensetzen.
    Oft findet man für einen großen Film 8-30 Links, die zu Stücken von Dateien führen. Mit dem jDownloader kann man den Downloadprozess vereinfachen.
    Es reicht, eine URL zu kopieren.
    Der jDownloader fragt automatisch nach, ob man eine ganze Staffel runterladen möchte. 
  3. Prozess beschleunigen. 
    Die Dateien werden auf großen Servern gespeichert. Um von da schnell runterladen zu können, muss man die Betreiber dieser Server bezahlen. Man löst ein Abo, am besten bei
    Rapidshare [für Serienjunkies, kostet 100 Euro für 2 Jahre]    oder
    Fileserve [für Bolt, kostet 60 Euro für 1 Jahr].
    Die Abodaten gibt man direkt im jDownloader ein:
    Damit erhöht sich die Downloadgeschwindigkeit so stark, dass man aufpassen muss, dass man nicht das Internet für andere User blockiert.  Deshalb empfiehlt es sich, die Geschwindigkeit im jDownloader zu beschränken:

* * * 

Alter Artikel: Legal, illegal und so – wie geht runterladen aus dem Internet? 
März 2009

Heute informiert der Tagi seine Leser über die Möglichkeiten und Freuden des illegalen Downloadens – kaschiert als Artikel über den berüchtigten Internetpiraten aXXo, den, so wird angedeutet, es vielleicht gar nicht gibt, der aber den Eingeweihten zu über 1000 Gratis-DVDs verholfen hat. [zum Artikel]

Die Möglichkeiten, die der Tagi vorstellt, sind illegal, wie er selber auch erwähnt. Medienethische Fragen scheinen ohnehin für Medienschaffende von wenig belang zu sein, so ist wohl ein Spielverderber, wer fragt, ob es vertretbar ist, solche Anleitungen abzudrucken, obwohl sie voraussichtlich dazu gebraucht werden, um kriminelle Handlungen auszuführen.

Das Rechtsprinzip ist einfach: Runterladen darf man, hochladen nicht. Bittorrent-Protokolle laden aber immer hoch, also sind sie verboten (ausser man tauscht Inhalte, die keinem Copyright unterstehen). Rechtsgrundlagen finden sich hier.

Nun gibt es aber Möglichkeiten, in der Schweiz legal Files runterzuladen. Diese Möglichkeiten erlauben viel schnellere Downloads von Files der gleichen Qualität. Hier eine kleine Anleitung, vorerst aber noch ein Gedanke: Urheberrecht wird gehandhabt, als handle es sich dabei um einen Besitz (»geistiges Eigentum«). Diese Metaphorik vernebelt etwas die Sicht auf die Sache: Wenn ich etwas besitze, und jemand nimmt es mir weg, besitze ich es nicht mehr. Wenn ich aber das Urheberrecht besitze, und jemand kopiert mein »geistiges Eigentum«, so ist es auf keine Art und Weise gefährdet. Niemand behauptet, der Regisseur eines Films zu sein, den er aus dem Internet runtergeladen hat, und der Regisseur besitzt immer noch gleich viel wie zuvor. Worum es geht, ist ein Recht auf die kommerzielle Nutzung von geistigen Inhalten. Und darüber kann man sich – abseits vom Gesetz, oder als Grundlage – zumindest streiten.

Wie lädt man nun aber schnell und legal runter?

  1. JDownloader runterladen, installieren und konfigurieren (so, dass die Zwischenablage automatisch eingefügt wird).
  2. Sich Rapidshare-Links besorgen von den gewünschten Files, für Filme z.B. hier (deutsch) und hier(englisch) oder den Filmtitel „+Rapidshare“ googeln [Alternative wäre Netload.in, siehe auch Kommentare].
    Aktualisierung: Bestes Forum für Englische Rapidshare-Inhalte ist rapidfind.org. (Man muss sich registrieren.)
  3. Wenn man bereit ist, ein bisschen was zu zahlen, ein Rapidshare-Premium-Account [bzw. Netlodad.in] lösen. Kostet was, bringt aber den gewünschten Speed (mit Cablecom 10000 >1000 kb/s). Die Accounts müssen in den JDownloader eingetragen werden, so können Files schnell und simultan geladen werden.
  4. Das wärs. Der JDownloader liefert fertige Files in den gewünschten Ordner, manchmal braucht man ein Passwort, das aber zu den Links mitgeliefert wird (am besten gleich aufschreiben). Hochladen tut man nichts, daher legal, so lange der Content in der Schweiz legal ist.

Wenn Intelligenz fakultativ wird… – Beten für Heilung

Co-Blogger Flo macht auf den Blog von Dr. Med. Yvette Estermann aufmerksam – und siehe da: Selten liest man Halb- oder Gar-nicht-Gedachtes so frei formuliert. Nicht nur ist die Frau offenbar praktizierende Ärztin, sondern darüber hinaus wurde sie auch noch ins Parlament gewählt. Nun setzt sie sich »mit der ältesten Kultur der Schweiz« (Volkskultur, natürlich, oder auch: Volksmusik) auseinander oder betet im oder fürs Bundeshaus (das kann man auch online tun, grossartige Gebete können dort nachgelesen werden). Zudem verweist die Ärztin auf Studien, welche die Wirkung von Gebeten belegen. Wie Flo richtig festgestellt hat: Wenn solche Leute impfen dürfen, dann wäre es fatal, wenn sich alle impfen lassen müssten.
Die oben erwähnten Studien gibt es allerdings tatsächlich. Zwei, die ich angeschaut habe, finden sich hier:

Dabei werden mit Blindtests Patientgruppen untersucht, für die gebetet wird. Effekte der Statistik ergeben dann scheinbar valide Ergebnisse, die belegen, dass Gebete wirken. Allerdings stellen sich auch diesen Forschern ein paar Fragen, die zeigen, mit welchen Tücken »christian science« zu kämpfen hat:

How God acted in this situation is unknown; i.e., were the groups treated by God as a whole or were individual prayers alone answered?

 

Dass Gott sich für Untersuchungen selten zur Verfügung stellt, ist natürlich ein bemerkenswertes Problem. Anschließen kann man vielleicht noch die Frage, warum er Menschen, für die gebetet wird, eher heilt als solche, für die keine Gebete aufgesagt werden (denn die Betenden müssen die Patienten nicht kennen, allein der Name reicht). Um den Betenden eine Freude zu machen – von der sie nie erfahren werden, weil sie ja nicht wissen, für wen sie beten? Oder um generell einen Anreiz zu weiteren Gebeten zu schaffen? Alles etwas unklar.
Die Christian Science an sich ist aber noch etwas rigider in ihrem Glauben: Gestüzt auf Mary Baker Eddy glauben sie, es gäbe nichts als eine spirituelle Welt (eigentlich nichts ausser Gott). Leiden ist glücklicherweise reine Einbildung, entweder eine Wahrnehmunsstörung (»healing of sickness«) oder basierend auf einer Sünde (»healing of sin«). Beide Ursachen können mit Gebeten problemlos behoben werden, da es eine materielle Welt nicht gibt.
Was philosophisch überzeugend daherkommt, wirkt sich fatal aus: Wie mehrere Studien (z.B. diese) belegen, leben Anhänger dieses Glaubens deutlich weniger lang als vergleichbare andere Gläubige und sterben in 6% der Fälle an Ursachen, die hätten behoben werden können.
Und was es zu den Gebetsstudien noch zu sagen gibt, ist

  1. Statistik- und Reality-Check: hier. (Fazit: Wenn man zwei Gruppen macht, kann es sein, dass es der einen besser geht. Ob gebetet wird oder nicht.)
  2. Das Gebet in seiner reinen Form folgt Zizeks Logik des Opfers (hier nachzulesen); das nämlich nur in einer kaptialistischen Analyse als ein verschobener Kaufvertrag angeschaut werden kann (ich opfere/bete und erhalte später, wofür ich geopfert/gebetet habe), grundsätzlich aber eine Handlung ist, die ich vornehme, um die Existenz Gottes zu bekräftigen, denn wenn ich ihm opfere bzw. zu ihm spreche, dann muss es ihn ja geben. Etwas erhalten muss ich dann nicht.