Opfertod – Thomas Bernhard wird eingeholt

Zum Glück kommt es selten vor, dass die Wirklichkeit die Phantasie übertrifft. Was sich rund um den Tod von Jörg Haider abgespielt hat, konnte man sich ausserhalb Österreichs wohl kaum vorstellen, auch wenn man Thomas Bernhard gelesen hat (und wohl meinte, der habe übertrieben). Einige Eindrücke:Die Ausgangslage.

Dann:

  1. Der Bildungs-Landesrat Uwe Scheuch hat bereits angeordnet, dass am Freitag in den Kärntner Schulen eine obligatorische Gedenkstunde für Jörg Haider abzuhalten sei.
  2. Sämtliche öffentlichen Veranstaltungen wurden in dieser Trauerwoche zwischen dem Ableben des Landeshauptmanns und seiner Beisetzung am kommenden Samstag abgesagt.
  3. In vielen Schaufenstern sind Fotos des Verstorbenen ausgestellt, manche Geschäfte arrangierten Bilder und Würdigungen Haiders zu kleinen Altären.
  4. Uwe Scheuch, der designierte Chef des Kärtner BZÖ (Büdnis Zukunft Österreich), rief bewegt aus Haider sei für Kärnten den Opfertod gestorben.
  5. Der Klerus spielt offenbar voll mit bei der Verklärung:

Wenn ein Bundesland einen »Opfertod« braucht, bei dem sich ein Landeshauptmann im Vollrausch auf einer seiner Landstrassen überschlägt, dann spricht das wohl für dieses Land. Wenn aber besagter Landeshauptmann auf dem Bärental, seinem Gut, das von den Nazis seinen jüdischen Besitzern enteignet worden ist, begraben wird, dann fragt man sich schon, ob die internationale Gemeinde nicht ein Zeichen setzen müsste: Das man dies so im Europa des 21. Jahrhunderts nicht tolerieren kann.
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/international/tod_und_verklaerung_im_lande_joerg_haiders_1.1113708.html / NZZ vom 20. Oktober.

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