Diffuse Formen von Rassismus und falschem Denken

Bekanntlich sind rassistische Witze an die Phrase »ich bin kein Rassist« gekoppelt – die performativ, also durch das Erzählen des Witzes, gleich wieder demontiert wird, denn indem man über rassistisches Gedankengut (z.B. Vorurteile) lachen kann, demonstriert man eine Haltung, die der Aussage, man sei kein Rassist, diametral entgegensteht. Somit entsteht eine diffuse Form von Rassismus, man hält es für vertretbar, im vertrauten Kreis über solche Witze zu lachen, aber nicht, die Vorurteile oder Aussagen direkt anzubringen.
Eine ganz ähnliche Haltung kann man im Umgang mit dem Auto beobachten. Man gibt vor, grundsätzlich ein umweltbewusster Mensch zu sein, der die Problematik des CO2-Ausstosses erkannt hat und darauf reagieren kann. Nun gibt es zwei Haltungen: Entweder, man benützt ganz selbstverständlich das Auto und gibt, wird man auf diese Praxis angesprochen, Bequemlichkeitsgründe an (mehr Zeit, müsste im Zug vielleicht stehen, »das mach ich nicht mehr mit« etc.) Oder aber, und das scheint eine mediale Tendenz zu sein, man spricht über Aspekte des Autofahrens, die ein »Öko-Fundi« nie verstehen könnte; z.B. das »geile« Gefühl eines Blick-Bundeshausredaktors beim Testen einer Corvette. Ähnlich auch die Aufforderung des Magazins, die portraitierten Fussballer sollen sich vor ihrem Auto zeigen, wobei dann Sätze fallen wie diese hier (zum Leben von Mario Eggimann):

Fussballer mit Porsche, das ist ein Klischee, das er nicht erfüllen will, auch wenn er einen Porsche hat. Man einigt sich schliesslich auf ein Porträt mit seinem Zweitauto, einem Audi Q7 Kombi, einer Familienkarosse, deren Anschaffung nötig wurde, als im Februar dieses Jahres eine Tochter zur Welt kam.

Selbstverständlich wird die Anschaffung eines solchen Autos »nötig«, wenn ein Kind auf die Welt kommt, schliesslich kaufen sich alle werdenden Eltern ein SUV, das ein Energieeffizienzlabel von G hat und rund 20 Liter im Stadtverkehr verbraucht – und nebenher ca. 100’000 Schweizer Franken kostet.
Zum Schluss zwei Aussagen. Gegenargumente sind herzlich willkommen!

  1. In Westeuropa ist es nicht verantwortbar, den Arbeitsweg mit dem Auto zurückzulegen. Wer nicht in vernünftiger Frist am Arbeitsort ist, soll umziehen. (Lange Arbeitswege werden in der Schweiz durch Steuerabzüge gar noch subventioniert, anstatt mit einem Zuschlag belegt.)
  2. Eine Auto, das mehr als 6 Liter verbraucht, zu fahren, müsste eine moralisch anrüchige Handlung werden.

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