Zugkonversation(en)

Seit Dummheit Mode geworden ist und einem die Zeitungen sagen müssen, dass Marco Polo nicht nur eine Kleidermarke ist, feiert die Textsorte „S-Bahn-Konversation“ Urstände. Mit oder ohne Kopfhörer ausgerüstete Menschen belauschen ihre Mitfahrenden in Pendlerzüge – und protokollieren die dann in der Blogsphäre oder in Wochenmagazinen. Nun gut, solchen Eigentümlichkeiten moderner Medien kann ich mich nicht länger verwehren und protokolliere, was meine beiden Gegenüber in der S12 ca. halb eins von Schlieren bis Zürich HB besprochen haben, das das Gespräch auch noch eines meiner Lieblingsthemen, den Buddhismus, berührt:

A (Frau, ca. 18-jährig, unauffällig in Kleidung und Style): »Du weisch, es isch nöd so eifach, de Buddhismus z erkläre.«
B (Mann, gleich alt, gebräunt, blaue Augen, gekleidet wie ein Fussballspieler nach dem Training): «Ja, klar.«
A: »Ich mein, erkläre chan ich das eigentlich scho, na guet, aber nöd so, dass es anderi verstönd.«
B: »Ja, voll.«
A: »Aso zum Bispil d Entstehig vo de Welt. Ich weiss scho, wie mir Buddhiste das verstönd, ich meine, mir glaubed ja ad Ewigkeit und Wiedergeburt und so, aber ebe – ich chan das eifach nöd so erkläre…«
B: »Aber glaubed mir nöd au in Urknall?«
A: (verunsichert) »Urknall? Aso so… ah, ja, villich scho, aso ja, doch Urknall, klar…«
B: »Aso, i dem glaubed mir doch voll wüsseschaftlich, oder?«
A: »Ja, wüsseschaftlich, scho on. Aber da gits ja ganz vil verschiedeni Richtige von Buddhiste, es git sogar sönig, wo glaubed, dass de Buddha en Gott isch.«
B: »Ja, de erlüchteti Buddha, oder?«
A: »Nei, mir sind denn irgendwenn mal erlüchtet, aber de Buddha, aso die glaubed eifach, dass iri Statue en Gott isch.«
B: »Aber tüends en denn nöd so belüchte?«
A: (langsam etwas lustlos) »Ja scho, chan scho si. Aso ich glaub eifach, ich bin denn mal erlüchted. Weisch, durum schrib ich ja aus es Buech. Schribsch du au?«
B: »Ja, schribe, also isch, nei, nöd es Buech, aso ich han fasch kei Zit, ich schribe scho, aber ich chume eifach nie dezue.«
A: »Ja, es brucht scho vil Zit. Mis het scho 28 Site. Es heisst ebe „Die vier Schwestern und die Schatzsuche“. Es isch voll Fantasy, so.«
B: »Tönt au so, voll.«
A: (nun am Aussteigen) »Wenn d Zit hesch, chan ich dir scho säge, um was es gaht.«
B: »Mal luege, wenn min Zug fahrt.«

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