Warum die Erde rund ist – und es doch nicht ist…

Man würde denken, es gebe kaum was Selbstverständlicheres, als dass die Erde rund ist. Man betrachte nur mal einen klassischen Erdaufgang, vom Mond aus gesehen:



Die Selbstverständlichkeit ist eine doppelte: Nämlich erstens, dass ein Blick von aussen verfügbar ist, dass also das, was uns diese Bilder zeigen (wer hat sie aufgenommen? woher wissen wir, dass Sie ein Realität abbilden?), vertrauenswürdig ist, und zweitens, dass wir Aufgänge von Himmelskörper kennen, dass sich die Erde also so verhält, wie andere Himmelskörper auch, was so nicht selbstverständlich ist.
In aller Kürze sollen Argumente aufgezeigt werden, die dafür sprechen, dass die Erde eine Kugel ist – wenn man davon ausgeht, dass ein Blick von ausserhalb der Erde nicht möglich ist.

  1. Von einem Schiff wird zuerst der Mast sichtbar. Also muss sich sein Rumpf unterhalb der Linie unseres Blickes befinden, die Erde also gewölbt sein.
    (Bilder Peter Apian, Antwerpen 1540)

  • Bei Reisen nach Norden oder Süden verändern die Sternbilder ihre Höhen. Für die Nordhalbkugel kann der Polarstern verwendet werden, um die Position (den Breitengrad) zu bestimmen.
    Deshalb kann von einer Wölbung der Erde ausgegangen werden.
  • Bei einer Mondfinsternis ist der Schatten der Erde immer als Kreis sichtbar, der ungefähr drei Mal so gross ist wie der Mond. Wäre die Erde keine Kugel, müssten auch andere Schatten sichtbar sein, sofern die Himmelskörper ihre Position verändern.
    (Zuerst wiederum die Darstellung von Apian von 1540 (Quelle), dann die photographische Evidenz.)
  • Eratosthenes hat ca. 200 Jahre vor Christus schon den Erdradius bemessen. Aus dem unterschiedlichen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen hat er mit einem simplen Dreisatz berechnet, wie gross der Umfang der Erde ungefähr sein müsste.


All diese Beweise sind eher Hinweise – keiner ist logisch zu 100% schlüssig und kommt ohne weit reichende Annahmen aus. Interessant ist, dass diese vier Gedankengänge (und es handelt sich wohl um eine komplette Aufzählung, weitere schlagende Argumente gibt es meines Wissens nicht) schon 200 Jahre vor Christus bekannt waren und unter Gelehrten nie in Vergessenheit gerieten. D.h. niemand Wichtiges dachte im Mittelalter daran, die Erde könnte eine Scheibe sein. Dass viele Leute heute denken, das sei das dominierende Weltbild des Mittelalters gewesen, ist dem Mythos der flachen Erde geschuldet, einer seit der Frühaufklärung einsetzenden Tendenz, der Kirche zu unterstellen, sie habe im Mittelalter eine verfehlte Vorstellung von der Form der Welt verbreitet und damit die Ignoranz gefördert, sich wissenschaftsfeindlich verhalten.
Die Erde ist aber keine Kugel und auch kein Ellipsoid. Die Ellipsoidform würde sich von der Überlegung her ableiten, dass die Erde an den Polen aufgrund der stärkeren Rotation abflacht (sehr populärwissenschaftlich gesagt). Das haben Expeditionen im frühen 18. Jahrhundert ergeben, als man herausgefunden hat, dass erstens Pendel nicht überall auf der Erde gleich schnell schwingen (d.h. die Erdanziehung und damit die Entfernung zum Erdmittelpunkt ist nicht überall gleich gross), und dass zweitens gleich grosse Winkel nicht überall auf der Erdkugel gleich lange Strecken ergeben.
Die genaue Form der Erde anzugeben, ist mathematisch praktisch nicht möglich. Physiker verwenden ein Geoid, eine Art Modell, das für jeden Punkt ähnliche Bedingungen annimmt (Link empfehlenswert).
Etwas überzeichnet sind folgende beiden Darstellungen aufschlussreich:

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