Betr.: Erpressung

Dass es offenbar out ist, Erpresserbriefe zusammenzuschnipseln, wusst ich nicht – auch nicht, dass man neuerdings Erpressungen im Stil eines Geschäftsbriefs abfasst. Ein paar weitere Hinweise, wie man (nicht) vorgehen soll, wenn man jemanden erpressen will, gibts bei der Süddeutschen Zeitung (inkl. Bilder). Erpresser schreiben heute ungefähr so:

(„Betr.: Erpressung“), inklusive Adressfeld, korrekter Anrede, Blocksatz oder gar dem Vermerk „Anlage: 1Giftpaket“. Die Erpressung wird dann oft als Kredit, Geschäft oder Spende schöngeredet. Einige Autoren mühen sich freilich durch diesen Geschäftsbriefton, als würden sie auf hohen Stelzen durch die Sprache staksen: „Dies lässt diesseitig Zweifel an der Ernsthaftigkeit Ihrer Zahlungsbereitschaft aufkommen.“ Oft rauschen das texttypische Muster des formelhaft höflichen Schreibens und der unhöfliche, ja brachiale Inhalt, nämlich die Erpressung nebst drastischer Konsequenzandrohung bei Nichtbefolgen, gar ineinander wie zwei Güterzüge, die Sätze, die durch die unhöfliche Höflichkeit entstehen, sind dann von verquerer Komik: „soviel muss ihnen ihr Geschäft wert sein, ansonsten sind sie dem Untergang gezeichnet.“

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