Erster Mai

Der Tag beginnt damit, dass ich mich aufrege, dass kein Bus fährt. Die ZVV stellt während Stunden den Betrieb ein. Und ich – ich muss arbeiten gehen. Die Aufregung legt sich dann irgendwie, mit dem Fahrrad ist’s nicht weit. Und dann kommt sie wieder hoch, ich ärgere mich über den ersten Mai; was soll das eigentlich? Rumliegen, Bier trinken, faulenzen – es ist Tag der Arbeit. Macht euch mal Gedanken, protestiert, wehrt euch. Aber nichts dergleichen, mal abgesehen von den Randalierern und den Organisierten um Frau Stauffacher, deren Motive so ehrenwert sind wie ihre Aktionen wirkungslos.
Aber tammi, es gäbe was zu sagen: Arbeiten ist keine Gegebenheit wie essen, schlafen und sich fortpflanzen. Tiere arbeiten nicht. Arbeit ist eine Sucht. Immer passendere, im mehr Arbeit wollen wir leisten, „ich kann nicht, muss noch arbeiten“, auch am Samstag, auch am Sonntag, auch am ersten Mai. Wann kommt wieder einmal ein Tag, ein Abend, eine Stunde, an der ich nichts machen kann; wo ich das Gefühl habe, fertig gearbeitet zu haben? Seit meiner Kindheit gibt es diese Momente nicht mehr. Arbeit strukturiert unser Leben, gibt ihm einen Sinn.
Und ich sprech jetzt von Arbeit, als obs was völlig Abstraktes wär. Wer bestimmt über meine Arbeit? Mein Chef setzt lediglich Weisungen um, die Politiker entworfen haben, die gewählt worden sind, vom Volk. Niemand verantwortet, was ich zu tun habe, niemand steht hin und sagt: „Ich befehle dir, heute um 8 Uhr hier zu sein, an diese Sitzung zu gehen etc.“, sondern es gibt ein Pflichtenheft, das x geschrieben hat, von y diktiert, abgesegnet vom Parlament. Ums auf den Punkt zu bringen: Wenn ich meine Arbeit und ihre Bedingungen Scheisse finde, dann muss es irgendwo jemand geben, dem ich das sagen kann (btw. finde ich meine Arbeit und ihre Bedingungen klasse). Aber meist denkt man da an den CEO, aber der ist nur eingesetzt vom Verwaltungsrat und der verantwortet sich gegenüber den Aktionären und das sind Hedge Funds oder Pensionskassen, also die zweite Säule von Herr Meier und das Vermögen des reichen Schweden Malström. Und die wissen gar nicht, dass es da diesen Arbeiter gibt und sie ihn zwingen, unentgeltlich Überstunden zu machen, weil sie ja nur Aktien haben usw.
Eine Lösung habe ich nicht. Aber eine Message: Runterbrechen, Verantwortungen übernehmen und zusprechen, kleinere Strukturen.

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