Gehorche. Das Logo äußert einen Befehl: Einen geschützten Befehl, auf den es ein Copyright gibt. Der Befehl ist sehr zeitgemäß: Der Kapitalismus ist rauer geworden. Lange hat er uns geheißen, zu begehren: Die verformten Körperteile der Models, die mit Haarspray präparierten Lebensmittel in den Hochglanzmagazinen, das Leben - wahlweise als ein endloses Grillfest oder als Strandparty mit Martini Bianco. Nun sollen wir nicht mehr begehren, sondern gehorchen.
Und siehe da: Die Jugendlichen gehorchen. Zumindest kaufen sie die coolen Shirts und Caps, auf denen das Logo prangt. Aber nicht nur das: Während wir von ständig betrunkenen, gewalttätigen, sexualisierten Jugendlichen lesen, die von ihren Eltern nicht erzogen und in der Schule verwöhnt werden; wächst eine Generation heran, die gehorcht. Der die Sicherheit und die Perspektive fehlt, um Kritik zu üben, Wagnisse einzugehen, ganz eigene Wege zu gehen: Priorität haben Ausbildung, ein gestählter Körper und eine einwandfreie Reputation. Alle Ausfälligkeiten könnten gegen einen verwendet werden. Überhaupt gibt es keinen Grund, sich zu wehren: Schließlich wollen alle ja das beste für einen. Wogegen könnte man sich denn schon wehren.
Quelle: I_avrik, Instagram
Die Aufforderung zu gehorchen, tragen Jugendliche heute un-ironisch. »Obey« ist die Marke, die heute Konformität schafft: Wer sie trägt, kann sich sicher sein, nicht aufzufallen, dazuzugehören.
Ihr Erfinder, der Designer Shepard Fairey, hatte eine subversive Absicht mit dem Logo, das zunächst auf Aufklebern prangte, wie er in einem Manifest von 1990 schreibt:
Many people who are familiar with the sticker find the image itself amusing, recognizing it as nonsensical, and are able to derive straightforward visual pleasure without burdening themselves with an explanation. The PARANOID OR CONSERVATIVE VIEWER however may be confused by the sticker’s persistent presence and condemn it as an underground cult with subversive intentions. Many stickers have been peeled down by people who were annoyed by them, considering them an eye sore and an act of petty vandalism, which is ironic considering the number of commercial graphic images everyone in American society is assaulted with daily.
Während Fairey noch von einem Kontrast zwischen dem Logo seiner Kampagne und den »commercial graphic images« sprechen kann, so ist »OBEY« heute auch zu einem Werbelogo geworden. Es steht nicht für eine Überlegung, nicht für Verunsicherung, sondern lediglich für eine Marke. Nur verkauft die Marke keinen Traum mehr, keinen Ausritt im wilden Westen wie die Zigarettenwerbung der 80er-Jahre oder einen attraktiven Büroalltag wie die Cola-Werbung der 00er-Jahre, sondern die Realität.