Vor einigen Tagen hat mir ein Deutscher, der mit mir zusammenarbeitet, eröffnet, wenn er Schweizer wäre, hätte er auch etwas gegen Deutsche. Auf meine Nachfrage, weshalb, meinte er, es seien zu viele und die nähmen uns, also den Schweizern, die Arbeitsplätze weg.
Anlass (neben anderen), um mal klarzustellen, warum ich Deutsche in der Schweiz eine Bereicherung finde. Ganz gründsätzlich habe ich den Verdacht, dass Deutsche, bevor sie Deutsche sind, Menschen sind. Und diese Menschen unterscheiden sich – nur weil sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben – durch nichts von den Menschen, die einen Schweizer Pass haben. Sie mögen vielleicht einen etwas seltsamen Dialekt sprechen – aber vergessen wir nicht: Es gibt auch SchweizerInnen, die Franzözisch sprechen. Oder Italienisch. Oder Russisch.
- DiS (Deutsche in der Schweiz) sind mehrheitlich offener, freundlicher und hilfsbereiter als SiS.
- DiS verstehen mehr von Fussball als SiS – sie sind nicht einfach Fan von Werder Bremen, sondern sie kennen nebenher sämtliche Spieler der Bundesligaclubs, verstehen etwas von Taktik und können ein niveauvolles Gespräch über Fussball führen – was nicht ganz einfach ist.
- DiS erweitern unsere Diskussionskultur: Mal direkt sagen, was Sache ist, aber nicht persönlich, nicht empfindlich, einfach nur direkt – ist das nicht eine Kompetenz, die SiS oft guttun würde?
- DiS sind mobil. Sie sind bereit, mal 500 km zu einer Arbeitsstelle zu reisen, sich ein neues Umfeld zu schaffen, neue Leute kennen zu lernen. SiS oft weniger.
- DiS erledigen die arbeiten, für die es zu wenig SiS gibt.
- DiS haben oft einen tollen Humor. Sie können nicht nur lachen – sondern auch über sich selbst.
- DiS bringen eine neue Dimension in die Schweiz. An guten Tagen kann der Eindruck entstehen, die Schweiz sei großzügig, weit – ein Teil von Deutschland, also ein Land, in dem man am Morgen in einen Zug steigen kann und spät am Abend ankommt.
Und dann noch dies: Wirtschaftlich gesehen sind DiS ein großes Problem – für Deutschland. Es sind die am besten qualifizierten Leute, welche hier arbeiten und forschen – und für den Lebensstandard in der Schweiz enorm wichtig sind. Diese Leute fehlen in Deutschland – einem Land, auf das finanziell schwere Zeit zukommen, in denen gerade die DiS fehlen.