Das Bild aus glücklicheren Tagen zeigt Shawne Fielding - die sich mit ihrem Ex-Ehemann Thomas Borer einen Rosenkrieg 2.0 liefert: Auf ihrem Blog http://shawnefielding.blogspot.com/ zeigt sie Photos aus allen Lebenslagen von sich und ihren Kindern (z.B. auch direkt nach der Geburt ihres jüngeren Kindes), dokumentiert ihr Leiden an der Scheidung und an ihren juristischen Folgen (Sorgerecht für Thomas Borer), wirft ihrem Ex-Ehemann vor, unter anderem vor gewalttätig und promiskuitiv zu sein, die gemeinsamen Kinder nicht adäquat zu betreuen etc. - und will dies alles mit einer Fülle von Quellenmaterial (Gerichtsurteile, Tonfiles, Bilder etc.) untermauern, unter anderem mit einem Entwurf zu einer Vereinbarung, nachdem Fielding Borer von der Polizei hat aus der Wohnung weisen lassen (Polizeirapport kann ebenfalls runtergeladen werden):
Entwurf zu einer Vereinbarung vom 18. Oktober 2010, Quelle: http://shawnefielding.blogspot.com/
Das alles ist C-Promi-Boulevard - aber gleichzeitig Ausgangslage für die folgenden Gedanken:
1. Die Schweizer Medien.
Das Thema wird heute Sonntag nur vom Sonntag aufgegriffen, der schreibt:
Die Website von Shawne Fielding wurde gestern Nachmittag vom Netz genommen – offenbar auf Druck von Borer.
Das stimmt so nicht - die Webseite ist heute, 1. Mai, stets noch verfügbar und aktiv. Während der Blog weiterhin verfügbar ist, ist die Homepage tatsächlich abgeschaltet (Google Cache findet sie aber weiterhin). Der Sonntag verzichtet darauf, Details zu veröffentlichen. (Vergleiche für einen kompletten Übersicht über die Reaktionen im Netz Nick Lüthis Post bei der Medienwoche).
Das kann man nun doppelt interpretieren: Einerseits spräche es für die Qualität der Schweizer Medien, wenn die Geschichte nur deshalb nicht auftaucht, weil man sich nicht in einen Streit und Privatleuten einmischen will. Anderseits muss man sich wundern, warum diese edle Zurückhaltung (z.B. von Ringier) gerade diesen Fall betrifft - und wohl festhalten, dass in der Schweiz kein kritischer Journalismus in Bezug auf Prominente (z.B. auch SportlerInnen) existiert.
2. Scheidungen, Sorgerecht und die Schuldfrage.
Wenn man sich kurz einliest, merkt man, wie viel Energie von beiden Seiten durch diesen Streit absorbiert wird. Wie kommen professionelle Berufsleute wie Fielding und Borer dazu, sich auf so etwas einzulassen? Abgesehen von psychischen Problemen, über die ich nicht einmal mutmassen kann, scheinen Scheidungen etwas auszulösen, was zeigt, wie wenig rational sich Menschen generell verhalten. Gerade auch weil die Schuldfrage juristisch keine Rolle mehr spielt, scheinen Scheidungen Energien freizusetzen, die zu roher Destruktivität führen. (Außer es geht wie bei Fielding darum, die Pelzmäntel zurückzuerhalten.) Darunter leiden dann - das wird hier offensichtlich - immer die Kinder.
Anders gesagt: Wenn es uns gut geht, wissen wir wohl nicht, wozu wir in der Lage sind, wenn es uns schlecht geht.
3. Konflikte und was Web 2.0.
Web 2.0 bedeutet die Verwirklichung von Brechts Programm aus der Radiotheorie, es läßt
den Zuhörer nicht nur hören, sondern [versteht es auch ihn] sprechen machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen.
D.h. für zwischenmenschliche, höchst private Konflikte: Alle Beteiligen können eine Öffentlichkeit finden. Es gibt keine Filter mehr (wie z.B. Zeitungsredaktionen), welche sich an ethische Regeln halten, sondern unabhängig von juristischen Gegebenheiten ist es einer Person möglich, Vorwürfe und falsche Beschuldigungen, Tatsachendarstellungen und -verdrehungen zu publizieren.
4. Freie Meinungsäußerung.
Die Frage ist, ob Shawne Fielding sagen darf, was sie sagen will. Das kann man nun unterschiedlich bewerten, die Frage wäre dann, welche Möglichkeiten man hat, sie daran zu hindern. Wie der Sonntag mit Bezug auf Fielding geschrieben hat, sei ein Schweizer ISP daran, ihre Webseite zu sperren. Ihre Seite wird jedoch von Google gehostet (Blogger) und das wohl nicht in der Schweiz - es ist deshalb wohl fraglich, wie einfach die Seite vom Netz genommen werden kann. Praktisch wird wohl auch das möglich sein - aber theoretisch könnte Fielding auf einen ISP in den USA ausweichen, der von der Schweizer Justiz kaum wird dazu gezwungen werden können, die Inhalte zu löschen.